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Niedersachsen Wird der Fall des „Grabbelpriesters“ neu aufgerollt?
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00:20 21.10.2018
Heiner Wilmer, neuer Bischof des Bistums Hildesheim, rügt in der Missbrauchsaffäre auch die Praxis seines Vorvorgängers. Quelle: dpa
Hannover

In ungewöhnlicher Form hat Hildesheims neuer Bischof Heiner Wilmer die Vertuschungspraxis von Missbrauchsfällen im eigenen Bistum kritisiert. Wilmer sagte in einem Interview mit dem NDR, dass der Umgang mit Missbrauchsvorwürfen durch seinen Vorvorgänger, den 2006 verstorbenen Bischof Josef Homeyer, „katastrophal“ gewesen sei. Im Zusammenhang mit dem Fall Peter R. hätten Homeyer und seine Bistumsleitung nicht nur versagt, „sondern sie haben fürchterliche Dinge zugedeckt“. So wurden kirchliche Mitarbeiter, die Homeyer und die damals amtierende Bistumsleitung von den Umtrieben des ehemaligen Jesuitenpaters Peter R. warnten, zum Schweigen verdonnert.

Die FDP will die Missbrauchsaffäre und den Umgang der niedersächsischen Justiz mit dem Kirchenskandal zum Thema im Landtag machen. Fraktionschef Stefan Birkner wirft Justizministerin Barbara Havliza vor, zu lasch mit der katholischen Kirche umzugehen.

In Bayern habe die Landesregierung die katholische Kirche zur Herausgabe aller Akten aufgefordert: „Warum geht das nicht in Niedersachsen?“ Ministerin Havliza will sich Mitte November mit den katholischen Bischöfen treffen.

Priester wurde wieder versetzt, Taten vertuscht

Im Mittelpunkt der im Hildesheimer Bistum geschehenen Missbrauchsfälle steht Peter R., ein ehemaliger Jesuit, der zu den Haupttätern am Berliner Canisius-Institut gehört, wo er in den Achtzigerjahren mindestens 40 Jungen missbraucht hat. Pater R. wurde Ende der Achtzigerjahre ins Bistum Hildesheim aufgenommen, arbeitete im „Guten Hirten“ in Hildesheim und in anderen Gemeinden Niedersachsens. Wegen offenkundiger Belästigungsfälle wurde er immer wieder versetzt, man nannte ihn intern den „Grabbel-Priester“. Diesmal waren überwiegend Mädchen und junge Frauen die Opfer.

Bischof Homeyer hatte den Jesuiten 1989 in sein Bistum aufgenommen und glaubte offenbar, den priesterlichen Missbrauchstäter therapieren zu können – ein fataler Irrtum, wie bereits eine im vergangenen Jahr vom Bistum Hildesheim veröffentlichte gründliche Untersuchung herausstellte. Auch sie kreidete dem Bistum an, im Fall R. mit der Praxis des Versetzens und Vertuschens nach Bekanntwerden von Vorwürfen eine „katastrophale Fahrlässigkeit“ begangen zu haben. Auch zwei Chileninnen und eine Mexikanerin zählen zu den Opfern R.s, der seit seiner Pensionierung in Berlin lebt.

Diakon wurde zum Stillschweigen verdonnert

Der Hildesheimer Diakon Wilfried Otto hat nach eigenem Bekunden schon früh die Bischofsleitung und auch Bischof Homeyer persönlich auf die Umtriebe R.s hingewiesen, doch wurde zum Stillschweigen verdonnert. „Das, was Sie hier erfahren, darf auf keinen Fall an die Öffentlichkeit, wurde mir damals gesagt“, bestätigt Otto der HAZ.

Auf seine warnenden Hinweise sei ihm gesagt worden, der Pater unterziehe sich einer Therapie. „Der Missbrauch als solcher ist schon schlimm, aber schlimmer ist der anschließende Umgang mit dem Skandal“, meint der Diakon. Serientäter R. lebt heute, seit 2003 frühpensioniert, in Berlin.

Von Michael B. Berger

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