Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Bundesamt will Asse-Lauge in Flüsse oder Nordsee leiten
Nachrichten Politik Niedersachsen Bundesamt will Asse-Lauge in Flüsse oder Nordsee leiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:40 03.02.2013
Wenn es nach dem Bundesamt für Strahlenschutz ginge, könnten die vier Millionen Liter nicht radioaktiven Wassers, die jährlich unkontrolliert in das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel laufen, künftig in Niedersachsens Flüsse eingeleitet werden. Quelle: dpa
Anzeige
Remlingen

12.000 Liter Wasser laufen täglich in das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. Vier Millionen Liter pro Jahr, die den Zeitdruck bei dem weltweit einmaligen Bergungsversuch von 126.000 eingelagerten Fässern stetig erhöhen. Doch auch das Asse-Wasser stellt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vor Probleme - obwohl es laut Messungen sogar sauberer als Trinkwasser ist. 110 Jahre nach dem Bau des Bergwerks ist dessen Name längst zum Stigma geworden. Wo Asse drauf steht, sind Angst und Ablehnung nicht fern.

Seit 2010 kämpfen die Experten des BfS gegen den drohenden Gau mitten in Deutschland. Seit 1988 läuft Salzlauge in die Asse. Die Zeit drängt, doch selbst Optimisten rechnen mit einer Bergungsdauer von mehreren Jahrzehnten. Zutrittswasser heißt das mit Steinsalz gesättigte Grundwasser, welches pausenlos durch Risse und Klüfte eindringt. Einzig starke Pumpen verhindern bislang Schlimmeres. Doch niemand kann sagen, wie lange es bei der bisherigen Menge bleibt. Im Notfall könnten die Pumpen bis zu 500.000 Liter pro Tag abpumpen.

Anzeige

Das Zutrittswasser darf nicht mit den radioaktiv kontaminierten Lösungen verwechselt werden. Bislang fallen davon 23 bis 25 Liter pro Tag an. Doch das größte Problem schlummert noch in der Erde: In einer Vertiefung vor Kammer 12 auf der 750-Meter-Ebene werden noch bis zu 80.000 Liter radioaktive Salzlösung vermutet.

Für diese Menge reicht der bisherige Entsorgungsweg über die Landessammelstelle laut BfS nicht aus. Daher will das Bundesamt mit den Salzlösungen Beton anmischen, um Hohlräume in 800 Metern Tiefe und darunter zu verschließen. Ein Umweltrisiko erwartet das BfS nicht: Die gebundenen Radionuklide würden in einigen Jahrzehnte zerfallen.

Doch auch die Entsorgung des unbedenklichen, weil nicht verseuchten Wassers macht Schwierigkeiten. „In der Nordsee werden die gleichen Werte gemessen wie bei den Wässern in der Asse, bei denen etwa 3 Becquerel gemessen werden“, sagt BfS-Sprecher Werner Nording. Zum Vergleich: Im Trinkwasser sind 100 Becquerel erlaubt.

Derzeit gibt es nur eine Lösung für die Salzlösung: Seit 2005 wird sie in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt. Doch langsam wird es dort eng. Bis spätestens Ende 2016 muss eine neue Lösung her, dann läuft auch der Vertrag mit dem Betreiber, dem Düngermittelhersteller K+S, aus. Zudem lässt sich K+S die Entsorgung gut bezahlen. Von 2009 bis 2011 schlugen Gesamtkosten von fast 700.000 Euro zu Buche.

„Angesichts der sicherheitsgerichteten Herausforderungen, vor denen wir in der Asse stehen, ist es nicht hinnehmbar, dass die Entsorgungssicherheit von einem einzigen Unternehmen abhängt“, betont Nording. Dabei wäre ein Ausweg laut BfS in greifbarer Nähe: die Einleitung in Niedersachsens Flüsse. „So bedrohlich das Wasser seinen Weg durchs Salz frisst, so unbedrohlich ist es für Mensch und Natur.“

Das BfS habe dem Umweltministerium schon im Mai 2012 den Vorschlag unterbreitet. Infrage kommen danach Weser, Jade und Ems. In diese Flüsse seien 2009 mehr als 52 Milliarden Liter Salzabwässer eingeleitet worden. Im Vergleich dazu wirken 3,85 Millionen Liter Asse-Wasser pro Jahr eher gering.

Dennoch zögert die Politik. Zu groß ist die Befürchtung vor einer Welle der Empörung. Die Einleitung in Flüsse würde „keine Akzeptanz vor Ort finden“, sagt Noch-Umweltminister Stefan Birkner (FDP). Auch der aussichtsreichste Kandidat für den Posten in der rot-grünen Regierung, Stefan Wenzel (Grüne), bewegt sich vorsichtig auf dem Asse-Parkett. „Es gibt kurzfristig keine Notwendigkeit zur Suche nach anderen Möglichkeiten.“

Stattdessen betonen beide, ungeachtet der unbedenklichen Messwerte, an der unterirdischen Lösung festhalten zu wollen. „Für eine, aus ökologischer Sicht schlechtere Einleitung von Salzlösungen in oberflächennahe Gewässer gibt es keine Rechtfertigung“, sagt Birkner. Mittelfristig sehe er Anschlusslösungen vorzugsweise in Bergwerken, betont Wenzel. Eine seltene Eintracht - das Stigma macht es möglich. 

dpa

Niedersachsen Fraktion räumt Büros im Landtag - Die Linke muss die Koffer packen
Klaus Wallbaum 30.01.2013
Klaus Wallbaum 30.01.2013