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Niedersachsen David McAllister besucht Downing Street in London
Nachrichten Politik Niedersachsen David McAllister besucht Downing Street in London
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22:53 21.03.2011
Von Marina Kormbaki
David McAllister auf London-Besuch. Quelle: dpa
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Der dunkle Stein ist bloß Fassade. Die Beklommenheit, die einen beim düsteren Anblick von Downing Street 10 befällt, währt nicht lang. Und sie verschwindet wohl gänzlich, wenn man erst drin ist. Als man David McAllister schon im ernsten Gespräch mit dem Stabschef des britischen Premiers glaubt, lugt der niedersächsische Ministerpräsident mit schottischen Wurzeln noch einmal hinter den Vorhängen hervor, setzt ein breites Grinsen auf und winkt wie jemand, dem was Unerhörtes geglückt ist.

Das war einer der seltenen ausgelassenen Momente an diesem Tag. Niedersachsen und seine besonderen Bande zu Großbritannien sollten das bestimmende Thema der ersten London-Reise McAllisters im Amt des Ministerpräsidenten sein. McAllister wollte werben: für den britischen Armeestandort Niedersachsen und für gemeinsame Feierlichkeiten zum historischen Jubiläum im Jahr 2014, wenn sich die zwischen Großbritannien und Hannover bestehende Personalunion zum 300. Mal jährt. Das tat er auch, gab überzeugend den bekennenden Niedersachsen mit britischem Migrationshintergrund. Aber das aktuelle Weltgeschehen, sein Kreisen um Krieg und Kernenergie, machte McAllister in einem besonderen Anliegen einen Strich durch die Rechnung.

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Während er zum Gespräch in Downing Street ist, debattiert das Unterhaus über den Einsatz britischer Tornado-Kampfflieger am Himmel über Libyen. Premier David Cameron, den McAllister gern getroffen hätte, lässt sich entschuldigen, der Ministerpräsident und Camerons Stabschef besprechen sich ohne ihn. Und sämtliche Termine, die für Dienstag zur Vorbereitung des Königshaus-Jubiläums anberaumt waren, wurden gestrichen. McAllister muss nach Berlin, zum Gespräch mit der Kanzlerin über die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke.

Zur Enthaltung Deutschlands bei der Libyen-Resolution im Weltsicherheitsrat mag McAllister nicht viel sagen. Das Thema sei in den Gesprächen immer wieder aufgekommen, die Briten hätten aber „Respekt und Verständnis“ für die deutsche Position gezeigt. „Die Beziehungen Deutschlands zur Insel bleiben stabil.“ Diesen Eindruck nimmt McAllister aus dem Gespräch mit Stabschef Ed Llewellyn mit und auch aus dem mit dem Staatssekretär im britischen Verteidigungsministerium, Gerald Howarth.

Überraschenderweise schaute bei diesem Treffen auch der britische Verteidigungsminister Liam Fox persönlich vorbei, das Protokoll sah dies nicht vor. So ein außerplanmäßiger Besuch des Verteidigungsministers einer Großmacht schmeichelt einem deutschen Landeschef natürlich. Aber McAllister bleibt bei seinem Thema, bei Niedersachsen, bei den Plänen der britischen Regierung, ihre rund 13.000 Armeeangehörigen aus Hameln, Bergen, Celle und Bad Fallingbostel abzuziehen: „Im Juni oder Juli will die britische Regierung Konkretes über den Abzug ihrer Streitkräfte bis 2020 bekannt geben“, sagt er im Anschluss an das Gespräch im Verteidigungsministerium. So viel stehe fest: „Es soll ein allmählicher Rückzug sein, unter Berücksichtigung der Folgen für die Gemeinden.“ Das hätten sie ihm zugesagt. Im Gegenzug hat McAllister angeboten, im Falle einer Beibehaltung des Truppenübungsplatzes in Bergen-Hohne über Investitionen in das Gelände nachzudenken.

Und noch etwas will er in die Waagschale werfen: „Wenn die britische Herkunft des Ministerpräsidenten tatsächlich eine Rolle spielen sollte, dann werd’ ich eben auch diese Karte spielen.“ Wahrscheinlich hätte er sogar Spaß daran. Jedenfalls scheint McAllister in den Straßen der Londoner Innenstadt Gefallen daran zu finden, den Briten in sich herauszukehren. Gern stellt er sich für die Fotografen zum fiktiven Ferngespräch in eine Londoner Telefonzelle, posiert mit „Big Ben“ im Rücken oder fragt den älteren Herren, der ihn durch die Westminster Abbey führt, ob Prince William am 29. April just durch das Portal in die altehrwürdige Kirche schreiten wird, das er, McAllister, soeben passiert hat. „Yes, he will“, sagt der Mann. McAllister nickt anerkennend.