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Niedersachsen Der Mann, der Wulff in Bedrängnis brachte
Nachrichten Politik Niedersachsen Der Mann, der Wulff in Bedrängnis brachte
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12:36 18.02.2012
Spezialist für Grauzonen: Clemens Eimterbäumer. Quelle: dpa
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Hannover

Bei der Korruptionsbekämpfung sei es „erschreckend“, dass der Gegner oft genauso aussehe wie der ermittelnde Staatsanwalt, bekannte einst Clemens Eimterbäumer. Man habe es meist mit gut situierten, selten vorbestraften Männern zu tun – mit Leuten, die ein Jahresabonnement für die Oper haben und ein gediegenes Auto fahren. Diese Woche hatte es Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer mit einem Mann als Gegenüber zu tun, der alle bisherigen Maßstäbe sprengt – mit Christian Wulff. Die Entscheidung der hannoverschen Staatsanwaltschaft, die Aufhebung der Immunität des Staatsoberhauptes zu beantragen, dürfte den Ausschlag für den Rücktritt Christian Wulffs gegeben haben.

Am Freitag konnte sich die Staatsanwaltschaft Hannover kaum noch vor Anfragen retten, wer eigentlich der forsche Staatsanwalt sei, der den Bundespräsidenten ins Straucheln brachte. So entschloss sie sich zur Vorneverteidigung und stellte den Leiter der Zentralstelle für Korruptionsstrafsachen vor. Noch Mitte der Woche hatte es der Jurist, der erst seit knapp vier Monaten wieder in Hannover arbeitet, vorgesehen, anonym zu bleiben.

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Der ermittelnde Oberstaatsanwalt ist 41 Jahre alt, mit einer Richterin verheiratet und hat zwei Kinder. Dass er „ein engagierter Vater“ sei, der gern mit Familie und Freunden wandere, gab die Staatsanwaltschaft zu Protokoll. Wie schwer Clemens Eimterbäumer es sich mit der Donnerstag getroffenen Entscheidung machte, notiert die Staatsanwaltschaft nicht. Denn ein Bundespräsident als potenzieller Verdachtsfall? Da ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Deshalb prüften die Hannoveraner in der Sache Wulff sehr gründlich, was ihnen an Presseveröffentlichungen und Akten zur Verfügung stand. Ein Bundespräsident ist eben kein Bauamtsmitarbeiter, der Landwirte zu Millionären machen konnte, indem er besondere Flächen als Bauland auswies – Fälle dieser Art hat er sonst bearbeitet und davon auf Tagungen über Korruption berichtet. Als Spezialist für Grauzonen war er ein gefragter Referent.

Seit 1998 arbeitet der Mann, der Wulff in Bedrängnis brachte, im niedersächsischen Justizdienst. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover fing er an, war erst Richter, seit 2001 Staatsanwalt in Hannover. Im Dezember 2006 ist er an die Generalstaatsanwaltschaft Celle gewechselt. Zum 31. Oktober vergangenen Jahres kam er zurück nach Hannover.

Jetzt, da der Bundespräsident zurückgetreten ist, fängt für Oberstaatsanwalt Eimterbäumer und seine vier Kollegen die Arbeit erst an. Jetzt kann er Zeugen befragen, Hausdurchsuchungen vornehmen, Datensammlungen beschlagnahmen. Ob etwas herauskommt? In 70 Prozent aller Ermittlungen werde später kein Strafverfahren eröffnet, heißt eine Faustregel. Der Bundespräsident a. D. hat am Freitag erneut beteuert, er habe nichts Unrechtes getan.