Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Der neue Gorleben-Kurs - ein großer Bluff?
Nachrichten Politik Niedersachsen Der neue Gorleben-Kurs - ein großer Bluff?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 12.04.2012
Von Michael B. Berger
Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und einige Transporthauben im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben.
Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und einige Transporthauben im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit des neuen Gorleben-Kurses von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) haben Atomgegner aus dem Wendland geäußert - die „Rechtshilfe Gorleben“. „Das ist ein eingetragener Verein, von älteren Leuten gegründet, die meinen, man müsse weniger auf der Straße als vielmehr in den Gerichtssälen gegen das Endlagerprojekt kämpfen“, wie die Vorsitzende Asta von Oppen vor Journalisten erläuterte. Die Rechtshilfe hält die von Minister Röttgen propagierte „ergebnisoffene Standortsuche“ für eine reine Alibiveranstaltung. Sie diene dem eigentlichen Ziel, das durch den jahrzehntelangen politischen Streit beschädigte Gorleben-Projekt letztlich doch „zu heilen“.

Misstrauisch macht die Wendländer etwa die Tatsache, dass trotz des verkündeten Erkundungsstopps wesentliche Arbeiten für Gorleben einfach weitergeführt werden, etwa die „Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben“. „Aus unserer Sicht geht alles gezielt auf Gorleben zu und Kernstück ist hierbei die Vorläufige Sicherheitsanalyse“. Sie sei trotz der Ankündigung, auch in anderen Gesteinsarten und Bundesländern nach dem bestmöglichen Lager zu suchen, nicht abgebrochen worden, sondern werde mit Millionenaufwand weitergeführt. „Wenn man wirklich einen neuen Kurs wollte, hätte man die Lehren aus 30 Jahren verfahrener Gorleben-Diskussion ziehen müssen, stattdessen schafft man wieder neue Sachzwänge“, beklagt der Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Für einen wirklichen Neuanfang muss Gorleben vom Tisch“, ergänzt die SPD-Abgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. Für den Linken Kurt Herzog ist die Vorläufige Sicherheitsanalyse ein „Pflock“, der in den Boden gerammt werde, um das Endlagerprojekt in Gorleben endgültig zu zementieren.

„Eigentlich ist so eine Analyse schon ein gutes Werkzeug“, meint der Geologe Jürgen Kreusch. Doch mache sie nur Sinn, wenn es vorher wirklich eine ergebnisoffene Standortsuche gegeben habe. Dies sei aber gerade bei Gorleben, das vor Jahrzehnten aus politischen Gründen ausgewählt worden sei, nun nicht der Fall. „Da ist eine solche Analyse geradezu bizarr und konterkariert alles.“

Bei der Sicherheitsanalyse gehe es darum, eine Prognose zu erstellen, ob und unter welchen Umständen ein langzeitsicheres Endlager in Gorleben möglich sei. Leitgedanke sei der vollständige beziehungsweise sichere Einschluss der Radionuklide im Salz. „Die Analyse ist, anders als von Röttgen behauptet, aber nicht ergebnisoffen“, sagt der Geologe Kreusch. Von einer unabhängigen Bewertung könne auch angesichts der beauftragten Wissenschaftler keine Rede sein, sagt von Oppen: „Das sind Wissenschaftler, die sich seit Jahrzehnten auf den Standort Gorleben festgelegt haben“, wie etwa Professor Frank-Peter Weiß von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, der noch vor kurzem im Präsidium des Atomforums saß. „Die Sicherheitsanalyse beantwortet die Frage nach der Genehmigung von Gorleben jetzt schon“, sagt der Anwalt Klaus Piontek. Sie schaffe einen weiteren Sachzwang wie die für Gorleben ausgegebenen 1,8 Milliarden.