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Niedersachsen Die Fracking-Pause dauert bis 2016
Nachrichten Politik Niedersachsen Die Fracking-Pause dauert bis 2016
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22:25 27.08.2014
Von Gabriele Schulte
„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst“, sagte Lies am Mittwoch. Quelle: dpa
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Leese/Hannover

Zum Auftakt seiner viertägigen politischen Sommerreise diskutierte er dort mit Vertretern der örtlichen Bürgerinitiative (BI) „Gemeinsam gegen Fracking“. Ende des Jahres werde ein neuer Erlass zur Gasförderung vorliegen, erläuterte der Minister. Die folgenden aufwändigen Genehmigungsverfahren dauerten mindestens ein weiteres Jahr. „Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst“, sagte Lies. „Manche Probleme werden jetzt erst bekannt.“

Beim Fracking wird Gas mithilfe von Wasser und Chemikalien unter hohem Druck aus Gestein im Boden gepresst. Um die Umweltrisiken der hierzulande seit den sechziger Jahren angewandten Methode in Ruhe einzuschätzen, hatte das Land ein Moratorium verhängt. In Niedersachsen werden 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert. Die vorläufig letzte Bohrung dieser Art fand im Juli 2011 statt.

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Das als besonders riskant geltende unkonventionelle Fracking bleibe in Niedersachsen komplett verboten, bekräftigte Lies. Das gilt auch für Forschungsprojekte, die auf Bundesebene nach einem im Juli vorgelegten Eckpunktepapier von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erlaubt werden sollen und die auch Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka am Mittwoch forderte.

Die unkonventionelle, in den USA schon vielfach eingesetzte Gasgewinnung aus festem Gestein in geringer Tiefe sollte nach den Vorstellungen von ExxonMobil ursprünglich in Leese zum Einsatz kommen. Der Energiekonzern wollte auf diese Weise bisher unerschlossene Gasreserven aus rund 1000 Meter unter der Erde liegendem Schiefergestein fördern. Um das Gas unter Druck mit einer großen Menge Wasser und nicht näher benannten Chemikalien zu fördern, währen weit mehr Bohrungen als beim konventionellen Fracking aus viel tiefer liegendem porösen Sandstein notwendig geworden – „bis ganz in die Nähe der Kirche“, wie BI-Vorsitzender Karl-Heinz Dose beim Ortstermin in Leese vom Waldrand aus zeigte. Außer der Verschandelung der Landschaft fürchteten die Kritiker, die chemischen Zusätze könnten das Trinkwasser verunreinigen.

Für das demnächst wieder erlaubte konventionelle Fracking kündigte Lies weitreichende Umweltverträglichkeitsprüfungen an. „Jahrzehntelang totgeschwiegene“ Probleme mit verunreinigtem Lagerstättenwasser würden in einer landesweiten Datenbank analysiert – auch in Bezug auf ihre Gesundheitsgefährdung. Gehäufte Erdbeben dagegen stünden zwar nachweislich in einem Zusammenhang zur Gasförderung, sagte Lies. „Das hat mit Fracking aber zunächst nichts zu tun.“

Der BI-Vorsitzende Dose, ein Förster, fand nach dem Gespräch lobende Worte: Die Landesregierung sei „auf dem richtigen Weg“. Aus dem Nachbarkreis Schaumburg angereiste Umweltschützer zeigten sich kritischer. Sie hatten Lies und Umweltminister Stefan Wenzel als mannshohe Pappfiguren mit Giftspritze auf dem Feld aufgebaut. „Hui, das sind ja Stefan und ich“, sagte der Wirtschaftsminister und lachte.   

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