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Niedersachsen Ehrenamt am Steuer
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16:34 26.06.2013
Von Saskia Döhner
Stephan Weil (hinten rechts) auf seiner Sommerreise im Bürgerbus. Quelle: Birgit Schrader
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Rotenburg

Der Bus der Zukunft ist klein, wendig und rot. Er hat Platz für acht Fahrgäste, kommt im Stundentakt und am Steuer sitzt ein ehrenamtlicher Fahrer. Das Einzelticket kostet 1,85 Euro, im Viererblock nur noch 1,60 Euro. „So kann  öffentlicher Nahverkehr in Zeiten zurückgehender Bevölkerung aussehen“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), als er sich am Mittwoch während seiner Sommerreise den Rotenburger Bürgerbus anguckt.

Weil ein echtes Stadtbusnetz mit mehreren Linien für die kleine Gemeinde finanziell nicht zu stemmen gewesen wäre, wie Bürgermeister Detlef Eichinger (parteilos) sagt, fährt jetzt seit vergangenem Dezember Bürgerbus „Robby“ durch Rotenburg. Er bedient zwei alte Stadtbuslinien und er kommt viel häufiger als diese, von denen der eine nur einmal, der andere dreimal täglich fuhr. „Robby“  fährt acht Stunden am Tag, vier am Vormittag, vier am Nachmittag. Es ist ein VW-Bus - in Slowenien mit einem Spezialaufbau versehen. Auch Rollstuhlfahrer können den Niederflurbus nutzen. 88 000 Euro hat er der gekostet, den Löwenanteil (64 500 Euro) hat die Landesnahverkehrsgesellschaft bezahlt, 20 000 Euro kamen vom Landkreis.

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„Ungefähr die Hälfte unserer Fahrgäste sind ältere Leute, viele sind auf Rollatoren angewiesen“, sagt Fahrer Manfred Wiegmann. Er selbst ist auch schon Rentner - wie alle anderen 17 Fahrer des Bürgerbusses. „Ich fahre, um in Kontakt mit den Menschen zu bleiben“, sagt er. Traudele Beyerle (62) ist erst seit ein paar Wochen Bürgerbusfahrerin. „Das zu machen war eine gute Entscheidung“, sagt sie. Rumzusitzen sei nichts für sie, schiebt die weißhaarige Frau mit einem verschmitzten Lächeln nach.

33 Bürgerbusse gibt es mittlerweile in Niedersachsen. Sie fahren da, wo der öffentliche Nahverkehr kaum oder gar nicht mehr fährt - in Weyhe, Ganderkesee, Westerstede oder  Bassum. Bürgerbusse gibt es meistens auf dem Lande. Stadtbusse wie in Rotenburg sind die Ausnahme. „Bürgerbusse sollen nicht ersetzen, sondern ergänzen“, sagt Wolfgang Schmidt vom Landesverband „Pro Bürgerbus“.

Integration in Bremervörde

Sprachkurse für Frauen, die schon seit zehn Jahren in Deutschland leben, aber die deutsche Sprache trotzdem nur bruchstückhaft beherrschen, Sprachkurse für Berufstätige oder jugendliche Asybewerber, Hausaufgabenhilfe für Grundschüler mit ausländischen Wurzeln - Sigrid Nahs hilft Flüchtlingen in Bremervörde seit Jahren. Vor zwei Jahren ist sie deshalb mit dem Niedersächsischen Integrationspreis ausgezeichnet worden. ,,Integration gelingt nur, wenn die Bevölkerung dahintersteht", sagt sie, ,,staatlich verordnete Integration funktioniert nicht, Politik kann nur die Rahmenbedingungen schaffen." Die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist eines ihrer Hauptanliegen, Bei der niedersächsischen Integrationsbeauftragten Doris Schröder-Köpf (SPD) stößt sie damit auf offene Ohren. Besonders schwierig sei es offenbar, dass Erzieherinnen ihren Beruf anerkannt bekommen. So muss eine Russin, die eigentlich Erzieherin ist, in Bremervörde als Raumpflegerin arbeiten. ,,Das kann eigentlich nicht sein, wo wir doch Erzieherinnen für Krippen und Kitas so dringend brauchen", sagt Schröder-Köpf. "Das müssen wir ändern."

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