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Niedersachsen Klinikum Oldenburg greift Richter an
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00:22 10.06.2019
Gutachter Georg von Knobelsdorff (links) und der Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, Dirk Tenzer, im November 2014 bei einer Pressekonferenz zu den damals noch ungeklärten Todesfällen. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Hannover

Im Fall des Patientenmörders Niels Högel wehrt sich das Klinikum Oldenburg gegen die schweren Vorwürfe des Landgerichts Oldenburg. Klinikum-Geschäftsführer Dirk Tenzer wies in einer Stellungnahme die Kritik von Richter Sebastian Bührmann bei der Urteilsverkündung zurück. Das Klinikum habe seit September 2014 vorbehaltlos zur Aufklärung der Vorfälle beigetragen und niemals versucht, Zeugen zu beeinflussen. „Für uns ist es daher unverständlich, was der Vorsitzende Richter konkret an dem Vorgehen des Klinikums Oldenburg verwerflich findet“, erklärte Tenzer.

Klinikchef bestreitete Beeinflussung von Zeugen

Bührmann hatte dem Klinikum am Donnerstag vorgeworfen, wichtige Beweismittel wie die Protokolle einer Mitarbeiterbefragung und eine Liste mit den Todesfällen in den Dienstzeiten von Niels Högel nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben zu haben. Die Polizei habe von den Beweismitteln erst 2016 durch Zufall erfahren. Zudem soll das Klinikum versucht haben, Mitarbeiter, die im Prozess gegen Högel aussagen mussten, zu beeinflussen. Das Landgericht hat den Ex-Krankenpfleger für 85 Morde an Patienten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Tenzer griff Bührmann in seiner Stellungnahme direkt an. Auf bewusste Erinnerungslücken von Zeugen abzustellen, obwohl die Ermittlungen erst mit einer deutlichen Verzögerung von 15 Jahren begonnen hätten, komme „einer Vorverurteilung der Zeugen“ gleich, kritisierte der Klinikchef. „Das Klinikum hatte und wird auch in Zukunft keinen Einfluss auf Zeugenaussagen nehmen.“ Tenzer betonte, dass ein durch das Klinikum in Auftrag gegebenen Gutachten bereits Ende 2014 festgestellt habe, dass Niels Högel im Klinikum getötet habe. „Die erstellten Gutachten haben wir vor Veröffentlichung der Staatsanwaltschaft neben anderen maßgeblichen Unterlagen aus der fraglichen Zeit zur Verfügung gestellt, um die Ermittlungen tatkräftig zu unterstützen.“

Grünen fordern Aufarbeitung der Prozesse

Unterdessen forderten die Grünen im Landtag, die Erkenntnisse aus diesem und den folgenden Prozessen gegen Mitarbeiter der Kliniken müssten seitens der Politik nochmals aufgearbeitet werden, um das Krankenhausgesetz entsprechend zu ändern. „Denn wir müssen alles tun, um für größtmögliche Patientensicherheit in unseren Kliniken zu sorgen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz der HAZ. „Die angespannte Personalsituation in der Pflege ist in vielen Kliniken immer noch Alltag und muss auch unabhängig von dieser schrecklichen Mordserie im Sinne der Patienten verbessert werden.“

Von Marco Seng

Der Patientenmörder Niels Högel wurden vom Landgericht Oldenburg wegen 85 Taten zu lebenslanger Haft verurteilt. Von 15 Vorwürfen wurde der Ex-Pfleger allerdings freigesprochen – aus Mangel an Beweisen.

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