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Niedersachsen Forderungen nach Aufrüstung der Bundeswehr lauter
Nachrichten Politik Niedersachsen Forderungen nach Aufrüstung der Bundeswehr lauter
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18:38 06.04.2010
Die Forderungen nach einer massiven Aufrüstung der Bundeswehr werden immer lauter.
Die Forderungen nach einer massiven Aufrüstung der Bundeswehr werden immer lauter. Quelle: dpa
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Der designierte Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sprach sich am Dienstag für den Einsatz schwerer Kampfpanzer aus: „Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift.“ Einhellig mahnten Politiker von Koalition und Opposition an, die Situation nicht länger zu beschönigen und den Gefahren des Afghanistan-Einsatzes ins Auge zu sehen.

Am Freitag findet eine Trauerfeier in Niedersachsen für die drei im Gefecht mit den radikalislamischen Taliban gefallenen Fallschirmjäger statt. Sie sollen nach Medienberichten aus Hannover, Selsingen bei Seedorf und aus Sachsen stammen. Stationiert waren alle drei in Seedorf im Kreis Rotenburg/Wümme. Der Zustand der vier schwer verwundeten Soldaten blieb am Dienstag stabil.

Für die toten Soldaten wurde am Dienstag in der St. Lambertikirche in Selsingen ein Kondolenzbuch auslegt. Dort wird auch die Trauerfeier gestaltet. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird daran teilnehmen. Der CSU-Politiker hatte am Sonntag bei einer Pressekonferenz zugesagt, mögliche Konsequenzen aus dem blutigen Gefecht zu prüfen. Kritik an der Ausrüstung wies er allerdings zunächst zurück. Vor allem Ex-Militärs halten das Material, mit dem die Bundeswehr in Afghanistan agiert, für unangemessen. „Die jungen Soldatinnen und Soldaten werden von einer Nation geopfert, die ihnen alles an nötiger Technik zur Verfügung stellen könnte“, sagte der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, der „Sächsischen Zeitung“. „Das ist ungeheuerlich.“ Die notwendige Ausrüstung werde immer zu spät, halbherzig und inkonsequent zur Verfügung gestellt. Als Beispiele nannte er die mangelnde Fähigkeit zur strategischen Luftaufklärung und fehlende moderne Mörser. Zudem forderte er ein Streitkräfteführungs- und Informationssystem und eine Truppenverstärkung.

Der frühere Planungschef im Verteidigungsministerium, Ulrich Weisser, sagte dem Internetportal der „Bild“-Zeitung, es sei inakzeptabel, dass die Bundeswehr in Afghanistan nicht über einen einzigen Kampfhubschrauber verfüge. „Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.“ Das forderte auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold in der „Leipziger Volkszeitung“. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn der Verteidigungsminister mit unseren Partnern eine Lösung gesucht hätte.“

Kampfhubschrauber vom Typ „Tiger“ sollten eigentlich längst im Einsatz sein. Wegen technischer Mängel werden neun Exemplare aber immer noch geprüft. Die Bundeswehr schätzt, dass sie nicht vor Ende 2011 eingesetzt werden können. Frankreich setzt eine andere Version des „Tigers“ dagegen schon seit Mitte vergangenen Jahres in Afghanistan ein.

Königshaus forderte im „Tagesspiegel“ neben Kampfpanzern und Mörsern auch Hubschrauber und moderne Aufklärungssysteme. Sein Vorgänger im Amt des Wehrbeauftragten, Reinhold Robbe (SPD), bemängelte das Training für Gefechtssituationen vor dem Einsatz. Der SPD-Politiker hatte die Seedorfer Fallschirmjäger, die von den Taliban am Karfreitag eingekesselt worden waren, bei ihrer Verabschiedung in den Afghanistan-Einsatz besucht. „Die Soldaten haben mich darauf hingewiesen, dass es Defizite bei der Ausbildung gibt“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Sie hätten nicht ausreichend Fahrzeuge der Typen „Dingo“ und „Fennek“ zu Trainingszwecken gehabt. „Da werden beispielsweise Kraftfahrer in den Einsatz geschickt, die erst im Einsatzland richtig an den Fahrzeugen ausgebildet werden.“

Der Parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) räumte ein, Politik und Öffentlichkeit hätten sich in den ersten Jahren des Einsatzes „etwas vorgemacht“. Es sei „beschönigt worden, dass es in Afghanistan gewalttätige bewaffnete Auseinandersetzungen mit Toten und Gefallenen gibt“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). „Wir führen eine kriegerische Auseinandersetzung. Es geht nicht nur um Brunnen bohren.“

dpa

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