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Niedersachsen Niedersachsens bestgesichertes Krankenhaus
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09:01 26.10.2015
„Architektonisch sehr gelungen“: Klinikdirektor Dirk Hesse.
„Architektonisch sehr gelungen“: Klinikdirektor Dirk Hesse. Quelle: Niemann
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Göttingen

Rote Klinker, jede Menge Fenster - auf den ersten Blick wirkt der Neubau am südlichen Stadtrand von Göttingen nicht besonders spektakulär. Nur der aufwendige Zaun rund um das 50 000 Quadratmeter große Gelände gibt einen Hinweis darauf, dass hier eines der bestgesicherten Gebäude in Niedersachsen entsteht: Für rund 30 Millionen Euro baut das Land eine Klinik für psychisch kranke Straftäter, die wegen besonderer Gefährlichkeit oder Fluchtgefahr nicht in anderen Krankenhäusern behandelt werden können. Nach knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit steht das Gebäude jetzt kurz vor der Fertigstellung. Ab Januar werden hier bis zu 70 Patienten des Niedersächsischen Maßregelvollzugszentrums Moringen (Kreis Northeim) untergebracht.

Die Planer des Hochsicherheitsgebäudes mussten einen Spagat bewältigen: Der Neubau muss so konstruiert sein, dass es sowohl den besonders hohen Sicherheitsanforderungen als auch den therapeutischen Bedürfnissen einer psychiatrischen Klinik gerecht wird. Die Planer hätten diese Herausforderung gut gelöst, meint der Ärztliche Direktor des Maßregelvollzugszentrums, Dirk Hesse: „Ich finde das architektonisch sehr gelungen. Die Einrichtung ist so gebaut, dass es überall Perspektiven und Lichtblicke gibt. Diese räumliche Gestaltung unterstützt unser therapeutisches Konzept.“

Insgesamt ähnelt das Gebäude eher einem Kloster als einer Hochsicherheitseinrichtung. Dies liegt vor allem am Innenhof. Um die schön gestaltete Grünanlage mit Blumen und Sitzbänken kann man in einem Säulengang herumspazieren. Der Hof ist zwar komplett von den Stationsgebäuden und anderen Klinikbereichen umschlossen. An jeder Seite gibt es aber optische Durchbrüche, die einen Blick nach außen ermöglichen.

Auch im Inneren des Gebäudes findet sich dieses Grundkonzept wieder: „Die Räume sind geschützt, aber nicht hermetisch abgeschirmt“, sagt Hesse. So sind beispielsweise die Fenster auf den Patientenstationen zwar ausbruchssicher, aber - abgesehen von einem schmalen Spalt zum Lüften - nicht vergittert. Das Glas erfülle die Anforderungen der Widerstandsklasse 3, erläutert Hesse: Würde jemand mit einem Hammer darauf schlagen, würde es nur vibrieren, aber nicht bersten.

Die neue Einrichtung ist ein Ersatzbau für das sogenannte „Feste Haus“ in Göttingen, in dem bislang die besonders hoch zu sichernden Patienten untergebracht sind. Schon in den Achtzigerjahren beklagte eine Kommission, dass die dortige Unterbringung der Patienten menschenunwürdig sei und das Gebäude aus dem Jahr 1909 nicht einmal ansatzweise heutigen therapeutischen Anforderungen genüge. Die neue Klinik bietet nicht nur mehr Platz, sondern endlich auch angemessene Behandlungsmöglichkeiten.

Die psychisch kranken Straftäter wohnen in Einzel- oder Doppelzimmern, je sechs Patienten teilen sich eine Küche und einen Gemeinschaftsraum. „In solchen kleinen Wohneinheiten können wir die Patienten viel besser therapieren“, sagt Hesse.

In einem Punkt unterscheidet sich die neue Klinik allerdings nicht von dem bisherigen Hochsicherheitsgebäude: Patienten, die hier untergebracht sind, bekommen keinen Einzelausgang. Lockerungen gibt es erst, wenn sie so große therapeutische Fortschritte gemacht haben, dass sie in die Hauptklinik in Moringen verlegt werden können.

Von Heidi Niemann

Michael B. Berger 28.10.2015