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Niedersachsen Der CDU-Mann für den Osten
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09:07 12.05.2014
Niedersachsens einziger christsozialer Oberbürgermeister wechselt die Partei. Oliver Junk will Mitglied der Christdemokraten werden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Goslar

Als vor wenigen Wochen in einer überregionalen Zeitung spekuliert wurde, der nächste CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl könne ein gewisser Oliver Junk sein, schreckte das viele in der CDU auf. Warum er? Oliver Junk, der Oberbürgermeister aus Goslar, ist smart und locker, er kommt bei jungen Leuten gut an – und er hat Erfolg gehabt, zweimal bei der OB-Wahl in Goslar. Aber der 38-Jährige hat bis 2011 im fränkischen Bayreuth gelebt und gehört daher der CSU an. Bisher jedenfalls. Nun ist es anders.

Am Wochenende feierte die Niedersachsen-CDU Junk als künftiges Mitglied der CDU, genauer: des CDU-Landesverbandes Braunschweig. Junk hatte erklärt, die Bayreuther CSU nun verlassen zu wollen und sich der Niedersachsen-CDU anzuschließen. Er wolle in diesem Bundesland für die CDU „Farbe bekennen“, teilte die Landesgeschäftsstelle in Hannover am Sonnabend mit. Sind das Vorboten dafür, dass vielleicht doch etwas dran ist an den Spekulationen und Junk aufgebaut wird für die Spitzenkandidatur zur nächsten Landtagswahl 2017/2018?

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Zweifellos wird Junk aufgebaut von der CDU. Aber als möglicher  Herausforderer von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dürfte er nicht in Betracht kommen. Für eine solche Position fehlt dem Juristen nicht nur die Hausmacht, sondern auch die Vernetzung in der Partei. „Die Schuhe wären noch eine Nummer zu groß“, sagt dazu ein CDU-Politiker, der namentlich nicht genannt werden will.

Gleichwohl ist Junk wichtig für die CDU im Osten und Süden Niedersachsens. Bei der Landtagswahl Anfang 2013 haben die Christdemokraten im Braunschweiger Land reihenweise Wahlkreise an die SPD verloren, bei der Bundestagswahl war das Resultat nicht viel ermutigender. Es fehlen der CDU im Osten und Süden des Landes Köpfe, die für eine bestimmte Position stehen – Identifikationsfiguren. Bisher ist das noch der selbstbewusste Braunschweiger Oberbürgermeister Gert Hoffmann, aber dessen Amtszeit endet bald, und viel spricht dafür, dass am 25. Mai der SPD-Kandidat aus der Braunschweiger OB-Wahl als Sieger hervorgehen wird. Spätestens dann braucht die CDU Junk als einen, der für die Region sprechen kann und auch Gehör findet.

Wie sehr ihm das liegt, hat er wiederholt bewiesen. Im ersten Wahlkampf richtete er sich stark auf das Internet auf, sprach damit junge Leute überzeugend an und warf souverän den als Favoriten gehandelten FDP-Mann Christian Eberl, der auch von der SPD unterstützt worden war, aus dem Rennen. Vor wenigen Wochen sorgte Junk für Aufsehen mit seinem Vorschlag, die zum Harz gehörenden Landkreise in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen zu verschmelzen – oder zumindest mit einem Zweckverband enger aneinanderzu binden. Diese Idee fand großen Niederschlag in den Medien – und das soll Innenminister Boris Pistorius (SPD) verärgert haben, weil er die Überlegungen des Oberbürgermeisters für unseriös hält. Immerhin bewies Junk, wie geschickt er politische Debatten zu entfachen versteht. Gut möglich ist, dass die Niedersachsen-CDU Junk in ein Team beruft, das zur Landtagswahl 2017/2018 antritt. Dann könnte er Pistorius als Schatten-Innenminister begegnen.

Klaus Wallbaum 12.05.2014
10.05.2014