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Niedersachsen Heftige Kritik an Sicherheitsanalyse von Ex-Atommanager
Nachrichten Politik Niedersachsen Heftige Kritik an Sicherheitsanalyse von Ex-Atommanager
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15:19 05.08.2010
Mit Gorleben beschäftigt sich auch ein Bundestags-Untersuchungsausschuss in Berlin.
Mit Gorleben beschäftigt sich auch ein Bundestags-Untersuchungsausschuss in Berlin. Quelle: dpa (Archiv)
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Die Beauftragung des ehemaligen Atommanagers Bruno Thomauske für eine Sicherheitsanalyse zum möglichen Atomendlager Gorleben hat für heftige Kritik gesorgt. SPD, Grüne und Linke in Niedersachsen verurteilten die Entscheidung des Bundesumweltministeriums, den Ex-Chef der Atomsparte von Vattenfall, mit der Arbeit an dem Konzept zu beteiligen. Bei der Analyse soll geklärt werden, ob der Standort Gorleben die Sicherheitsanforderungen für ein atomares Endlager erfüllt.

Neben Thomauske soll laut Nachrichtenmagazin „Stern“ ein Teil des Gorleben-Gutachtens von der DBE Tec vorbereitet werden, einer Tochter der Gorleben-Baufirma DBE. DBE gehört wiederum zu rund 75 Prozent der Gesellschaft für Nuklear-Service, ein Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, bezeichnete das Engagement Thomauskes am Donnerstag als „instinktlos“. Offenbar habe Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) “überhaupt kein Gespür für Interessenkonflikte“. Vattenfall Europe hatte sich 2007 nach einem Informations-Desaster um Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel von Thomauske getrennt. Der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Trittin kritisierte: „Wenn das Desaster in Krümmel und Brunsbüttel zum Vorbild für die Sicherheitskultur in Gorleben leben soll, dann Gute Nacht Wendland.“

Mit der Entscheidung habe Bundesumweltminister Röttgen seine Glaubwürdigkeit verspielt, erklärte Marcus Bosse von der SPD-Landtagsfraktion in Hannover. „Die Vergabe ist ein Skandal“, sagte auch der Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Der Bundesumweltminister sorge für „Filz in Reinkultur“. Mit einem Atomlobbyisten als Sicherheitschef verabschiede sich die Bundesregierung zudem von einem seriösen Anspruch auf die wissenschaftliche Analyse der Endlagerungsrisiken. „Soviel atompolitische Inzucht ist töricht“, sagte Wenzel.

„Damit wird der Bock zum Gärtner gemacht“, betonte der atompolitische Sprecher der Linksfraktion, Kurt Herzog. Die Personalie Thomauske sei „besonders erstaunlich, weil er bei Vattenfall wegen der Störfälle beim Pannenreaktor Krümmel gefeuert wurde“. Thomauske habe sich in der Vergangenheit wiederholt für ein Endlager Gorleben ausgesprochen. „So steht das Ergebnis seiner Analyse schon fest, bevor er überhaupt damit begonnen hat“, sagte Herzog.

Thomauske sei nicht nur voreingenommen, „er ist ein Atom-Lobbyist“, kritisierte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Floskeln wie Transparenz, Ergebnisoffenheit und Bürgerbeteiligung würden durch derartige Personalentscheidungen und den Antrag, im Salzstock Gorleben alternativlos ab 1. Oktober die Bauarbeiten wieder aufnehmen zu lassen, konterkariert. Röttgen wolle Gorleben „durchboxen“.

Das Umweltministerium hatte bereits am Mittwoch die Einbeziehung des Ex-Managers verteidigt. „Herr Thomauske ist ein anerkannter Fachmann. Wir sind darauf angewiesen, Experten mit den höchsten Kompetenzen ins Boot zu holen“, teilte das Ressort von Röttgen mit. Das Ministerium war bereits mit der Berufung des früheren Eon-Managers Gerald Hennenhöfer zum obersten Atomaufseher der Behörde in die Kritik geraten.

Mit Gorleben beschäftigt sich auch ein Bundestags-Untersuchungsausschuss in Berlin. Die Opposition will belegen, dass die Entscheidung für den Salzstock als mögliches Endlager für hoch radioaktiven Atommüll 1983 politisch motiviert und wissenschaftlich nicht abgesichert war.

dpa

Klaus Wallbaum 04.08.2010
Thorsten Fuchs 04.08.2010