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Niedersachsen Mehr als die „gute Seele“ im Hintergrund
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14:41 20.05.2014
Von Dirk Stelzl
Heidi Kluth setzt sich für Frauen in Handwerksunternehmen ein. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ohne ihre Frau, die sich um Büroarbeit und Organisation kümmert, wären viele Handwerksmeister aufgeschmissen. Dennoch werden die Leistungen der Partnerinnen oft unterschätzt. Die Frau als „gute Seele im Betrieb, die dem Mann den Rücken frei hält“ – über solche Formulierungen hat sich Heidi Kluth oft geärgert. Man kann es verstehen: Die 60-Jährige ist Betriebswirtin des Handwerks und leitet in Buchholz gemeinsam mit ihrem Mann die Sanitär-, Heizungs- und Elektrofirma Kluth & Sohn Haustechnik mit 14 Mitarbeitern.

Mittlerweile nimmt sie solche Sprüche gelassen – schließlich streben in der Wirtschaft immer mehr Frauen nach oben. „Heute grinse ich darüber“, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands Unternehmerfrauen im Handwerk, dem rund 6000 im Handwerk tätige Frauen angehören.

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Viele von ihnen haben einst in einen Betrieb „eingeheiratet“ und arbeiten dort mittlerweile in tragender Position. So ist es auch bei Kluth, die zuerst als Arzthelferin gearbeitet hatte, sich danach im Handwerk weiterbildete und heute Vizepräsidentin der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ist. Im Handwerk, sagt sie, meisterten viele Frauen ihre Aufgaben „mit Bravour“ – dies werde aber nicht immer wahrgenommen. „Bringen Sie Ihren Mann mit, damit wir über die Bilanz sprechen können“, sagte vor Jahren ein Steuerberater. Dabei ist vor allem sie es, die sich um das Zahlenwerk kümmert.

Als Vorsitzende des Landes- und des Bundesverbands der Unternehmerfrauen im Handwerk will Kluth dazu beitragen, dass sich in dem Wirtschaftszweig  Rollenbilder ändern. Und dass mehr Frauen auch angebliche Männerberufe ergreifen und dort vorankommen. Bei ihrer Tochter Corinna ist dies gelungen: Sie ist Installateur- und Heizungsbauermeisterin. Drei der vier Kinder sind Handwerksmeister geworden – „eine „ganz gute Quote für das Handwerk“.

Der Verband setzt sich auch dafür ein, dass mehr Frauen Handwerksbetriebe gründen oder übernehmen. Bei vielen Mittelständlern steht der Generationenwechsel bevor. Hier sollen häufiger Töchter das Ruder übernehmen. Die Vereinigung leistet auch praktische Unterstützung. Sie organisiert Treffen zum Erfahrungsaustausch sowie Weiterbildungen. Kluth appelliert an die Handwerkerfrauen, sich auch mit ihrer sozialen Absicherung zu befassen – etwa für den Fall einer Scheidung. Sie wünscht sich zudem, dass mehr Frauen Spitzenämter in der Handwerksorganisation übernehmen. Kammerpräsidentinnen gibt es höchst selten, Ausnahmen sind etwa die Friseurmeisterin Brigitte Mannert in Kaiserslautern und die Damenschneidermeisterin und CDU-Bundestagsabgeordnete Lena Strothmann in Bielefeld. Der geringe Frauenanteil, sagt Kluth, sei „erschreckend“.

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