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Niedersachsen Jahrestreffen der evangelischen Kirche in Hannover
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11:46 07.11.2010
In der Marktkirche in Hannover hat das Jahrestreffen der Evangelischen Kirche in Deutschland begonnen.
In der Marktkirche in Hannover hat das Jahrestreffen der Evangelischen Kirche in Deutschland begonnen. Quelle: Nico Herzog
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Die evangelische Kirche setzt auf eine weitere Annäherung von Protestanten und Katholiken und richtet Erwartungen auch an den Papst. Bei seinem geplanten Deutschland-Besuch solle Benedikt XVI. im kommenden Jahr auch mit der Spitze der evangelischen Kirche zusammenkommen und eine Gedenkstätte der Reformation besuchen, sagte Bayerns Bischof Johannes Friedrich am Samstag in Hannover. „So etwas würden wir uns doch sehr wünschen.“

Trotz der konservativen Grundhaltung des Papstes ist eine weitere Annäherung von Katholiken und Protestanten nach Einschätzung der evangelischen Kirche unter Benedikt XVI möglich. „Insgesamt halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass es in der Ökumene noch zu Weiterentwicklungen kommt, das traue ich Papst Benedikt durchaus zu“, sagte der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber auf dem Jahrestreffen der evangelischen Kirche in Hannover. „Schnelle Fortschritte (...) sehe ich allerdings nicht.“ Er verwies auf die bislang unbewegliche Haltung des Vatikans in der Abendmahlfrage. Auch sei Rom trotz aller Dialoge bislang nicht bereit, die Protestanten als vollwertige Kirche anzuerkennen.

In der Katholiken und Protestanten spaltenden Frage des gemeinsamen Abendmahls rief Weber zur Überwindung festgefahrener Fronten auf. Eine gemeinsame Erklärung der Kirchen zu dem „differenzierten Konsens“ in dem theologischen Knackpunkt könne den Bemühungen zu einem gemeinsamen Abendmahl neuen Schwung geben. „Vielleicht noch nicht heute oder morgen, aber: Wir werden weiterkommen“, meinte Weber, der der Catholika-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist.

Nach separaten Beratungen der Lutherischen und Unierten Kirchen beginnt in Hannover an diesem Sonntag die Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Dachorganisation aller 22 Landeskirchen. Zur Eröffnung werden auch Bundespräsident Christian Wulff und die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, erwartet. Im Mittelpunkt der Tagung steht die Wahl von Präses Nikolaus Schneider (63) zum Ratsvorsitzenden, die für Dienstag vorgesehen ist. Schneider soll auf die im Februar wegen einer Alkoholfahrt zurückgetretene Ex-Bischöfin Margot Käßmann folgen. Er hatte sie bereits kommissarisch vertreten.

Von der Bundesregierung und anderen westlichen Staaten verlangte Schneider unterdessen, sich stärker für den Schutz der Christen in islamischen Staaten einzusetzen. „Es ist eine bestürzende Tatsache, dass das Christentum heute die weltweit am meisten verfolgte Religion ist. Wir müssen unsere Regierungen drängen, die Verletzung religiöser Freiheiten oder gar religiös motivierte Verfolgung in den betroffenen Staaten deutlich anzusprechen“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Schneider stellte sich hinter die Aussage von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland. „Ich finde diesen Satz gut. Wenn vier Millionen Muslime bei uns leben, ist mit ihnen auch der Islam hier angekommen. Das zu sagen, ist darum eine Selbstverständlichkeit.“ Es sei aber noch mehr als das, „nämlich eine ausgestreckte Hand in Richtung des Islam“, sagte Schneider der Zeitung.

dpa