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Niedersachsen Junge Straftäter sollen besser gefördert werden
Nachrichten Politik Niedersachsen Junge Straftäter sollen besser gefördert werden
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16:43 29.04.2015
In Niedersachsen wurden im Jahr 2014 rund 4000 Jugendarreste vollstreckt.
In Niedersachsen wurden im Jahr 2014 rund 4000 Jugendarreste vollstreckt. Quelle: dpa
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Hannover

Weniger Abschreckung durch Arrest, dafür mehr Begleitung im Alltag nach der Haft - so soll zukünftig die Arbeit mit jugendlichen Straftätern in Niedersachsen aussehen. Einen entsprechenden Entwurf zum Jugendarrest-Vollzugsgesetz hat die rot-grüne Landesregierung am Mittwoch in Hannover vorgestellt. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die jungen Menschen nach einem Strafvollzug auch im Alltag intensiv betreut werden sollen. Dazu soll es eine verstärkte Kooperation von Schulen, Jugend- und Arbeitsämtern mit Arrestanstalten geben. „Die Erfahrungen zeigen, dass Erschrecken nicht ausreicht“, sagte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne).

Auch die Eltern der jungen Menschen sollen mehr in den Verlauf des Strafvollzugs eingebunden werden. „Die Eltern werden ebenfalls das Entlassungszeugnis des Jugendlichen bekommen“, sagte der für den Gesetzentwurf zuständige Mitarbeiter des Ministeriums, Jens Grote. Das sei bisher nicht passiert. Während des Vollzugs gebe es bislang keinen Kontakt zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern. Der Bericht an die Erziehungsberechtigten sei jedoch äußerst wichtig: „Wir müssen eine Türe in den Raum öffnen, in den die Jugendlichen zurückkehren“, sagte Niewisch-Lennartz.

Jugendarrest in Niedersachsen

In Niedersachsen wurden im Jahr 2014 rund 4000 Jugendarreste vollstreckt. Die jugendlichen Straftäter müssen wegen Diebstählen oder Körperverletzungen kurzzeitig hinter Gitter. Rund ein Viertel der jungen Menschen müssen in Arrest, weil sie die Schule geschwänzt haben. Die jungen Straftäter sind durchschnittlich zwischen 17 und 22 Jahren alt. Jungen werden häufiger straffällig als Mädchen. Häufig spielen psychische Probleme oder Drogenabhängigkeit eine Rolle. Die Jugendlichen bleiben durchschnittlich acht Tage in einer der fünf Arrestanstalten Niedersachsens. Etwa 200 der Kurz- und Freizeitarreste werden in Amtsgerichten verbüßt. Im Vollzug sollen die Jugendlichen jeden Tag vier Stunden zur Schule gehen, nachmittags erledigen sie handwerkliche Arbeiten. Zwei Drittel der jungen Straftäter werden nach der Haft rückfällig.

Die Arreste werden künftig ausschließlich in den fünf Jugendarrestanstalten in Emden, Nienburg, Verden, Neustadt und Göttingen verbüßt. Dafür sollen laut Gesetzentwurf 18,5 Stellen neu entstehen. Derzeit arbeiten landesweit 78 Menschen in den Jugendarrestanstalten. Durch die Verlegung der Arreststrafen in die fünf Anstalten brauche man vor allem für die Freizeitarreste am Wochenende mehr Personal. Bislang wurden der Kurz- und der Freizeitarrest auch noch in einigen Amtsgerichten vollzogen. So konnten die Jugendlichen in der Nähe ihres Heimatortes bleiben. Künftig können sich bedürftige Jugendliche die Fahrt zur Arrestanstalt vom Amtsgericht bezahlen lassen.

Durch die Novelle des Jugendarrest-Vollzugsgesetzes erhofft sich das Ministerium vor allem eine Verringerung der Rückfallquote bei jugendlichen Straftätern. Derzeit begehen rund 60 Prozent nach dem Arrest erneut eine Straftat. Pädagogische Maßnahmen während des Vollzugs sollen künftig wissenschaftlich überprüft werden. So will man erkennen, womit den Jugendlichen am besten geholfen werden kann. 2014 wurden landesweit rund 4000 Jugendarreste vollstreckt, davon etwa 200 Kurz- und Freizeitarreste in Amtsgerichten.

Von Amelie Richter/dpa

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