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Niedersachsen Starkregen, Hochwasser, Sturzfluten: Wetterextreme in Niedersachsen werden häufiger
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00:16 24.03.2019
Autos fahren langsam durch eine tiefe Pfütze die sich durch Starkregen auf einer Straße gebildet hat. Quelle: Caroline Seidel/dpa
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Hannover

Niedersachsen muss sich wegen des Klimawandels in den kommenden Jahren auf mehr Starkregen und Hochwasser einstellen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist das Risiko heftiger Niederschläge in den Landkreisen in Norddeutschland höher als bisher angenommen. Die Gefahr der Regenmassen werde aber vielerorts unterschätzt. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) appellierte an Kommunen und Hausbesitzer, zu überlegen, wie Gemeindegebiete und Häuser besser abgesichert werden können. „Nach allen Erkenntnissen, die wir heute haben, müssen wir vermehrt mit Wetterextremen rechnen“, sagte Lies der HAZ. Dazu gehörten auch Starkregen, Sturzfluten und höhere Hochwasserscheitel.

Starkregen kann überall in Niedersachsen auftreten

Nach neuesten Erkenntnissen des DWD kann extremer Starkregen überall auftreten – unabhängiger von den örtlichen Gegebenheiten als bisher angenommen – und auch abseits von Gewässern zu größeren Überflutungen führen. In Niedersachsen sind statistisch gesehen der Harz und das Osnabrücker Land überdurchschnittlich betroffen. Im Sommer 2017 überfluteten extreme Regenmengen vor allem das südliche Niedersachsen. Mehrere Messstationen meldeten innerhalb von 48 Stunden den Rekordwert von mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter.

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„Die Auswertung von Radardaten zeigt, dass wir bei der Bewertung der Naturgefahr Starkregen in einigen Regionen von einer neuen Gefährdungslage ausgehen müssen“, erklärten die Meteorologen Andreas Becker und Tanja Winterrath bei einer Fachtagung in Garmisch-Partenkirchen. Das sei in Norddeutschland auch wegen der begrenzten Entwässerung über die Kanalisation bedeutsam.

Land: Versicherungen abschließen

Lies forderte, unter anderem kleine Gräben und Gewässer, die Kanalisation und die Hausentwässerungen auf den Prüfstand zu stellen. Hier seien kommunale Konzepte gefragt. „Da, wo wir davon ausgehen können, dass es häufiger Hochwasser gibt, brauchen wir freie Fläche, auf der sich das Wasser ausbreiten kann“, sagte der Minister. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und andere Hilfskräfte müssten sich auf schwere Ereignisse einstellen. „Für diese Fälle müssen genügend Pumpen, Boote und anderes Gerät zur Verfügung stehen“, sagte Lies. Versicherungen für Hausrat und Gebäude sollten weit mehr als bisher für Extremereignisse abgeschlossen werden.

Niedersachsen will 300 Millionen Euro in Hochwasserschutz investieren

Der Niedersächsische Städtetag sieht die Kommunen noch nicht überall gerüstet. „Alle haben das auf dem Schirm“, sagte der zuständige Referatsleiter Fabio Ruske der HAZ. Der Handlungsdruck sei hoch, aber das sei auch eine Frage des Geldes. Die Stadt Oldenburg etwa hat eine Starkregengefahrenkarte erstellen lassen, damit die Bürger sehen können, wo sich das Wasser bei extremen Regenmassen sammelt.

Laut Lies will Niedersachsen in den kommenden zehn Jahren mindestens 300 Millionen Euro in den Hochwasserschutz im Binnenland investieren – auch für zusätzliches Personal, um die in den Kommunen entwickelten Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Von Marco Seng