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Niedersachsen Land setzt auf Migranten
Nachrichten Politik Niedersachsen Land setzt auf Migranten
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22:11 24.07.2012
 Sozialministerin Özkan ist gegen eine Migrantenquote, aber für Neuerungen bei Berufseinstiegen. Quelle: dpa
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Hannover

Das Land will den Migrantenanteil in der öffentlichen Verwaltung deutlich erhöhen – nicht zuletzt, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Özkan (CDU) lehnt eine Migrantenquote für die Behörden zwar ab, dringt aber auf Neuerungen bei den Einstellungen: Bei jeder Ausschreibung wird künftig darauf hingewiesen, dass Bewerber mit ausländischen Wurzeln ausdrücklich erwünscht sind. Außerdem soll es verschiedene Werbekampagnen geben.

Niedersachsen hat als erstes Flächenland in Deutschland seine Beschäftigten detailliert nach ihrer Herkunft befragt, nachdem der frühere Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor zweieinhalb Jahren in einer Regierungserklärung auf die Bedeutung des Themas hingewiesen hatte. Das Ergebnis der Umfrage der Landesstatistiker sei im Trend erfreulich, sagte Ministerin Özkan am Dienstag: „Es gibt einen Zuwachs von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte, die in den öffentlichen Dienst gehen.“ Mit 12,1 Prozent sei deren Anteil an den Auszubildenden vergleichsweise hoch.

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Nach der anonymen und freiwilligen  Umfrage kommen die meisten der Landesbediensteten mit ausländischen Wurzeln aus Ländern wie Polen (15,2 Prozent), der Russischen Förderation (13,2), Kasachstan (6,9) und der Türkei (5,9).
Zuletzt hatte es immer Forderungen gegeben, den Anteil der Migranten im Lehrerberuf zu erhöhen. Wie hoch die Quote in diesem Bereich bereits ist, geht aus der Umfrage allerdings nicht hervor. Die anonyme Erhebung lasse keine Rückschlüsse auf die konkreten Berufe der Befragten zu, hieß es. Nach jüngsten Angaben des Kultusministeriums sind weniger als 1000 von den knapp 70 000 Lehrern in Niedersachsen Migranten.

Auffällig in der Umfrage ist ein hoher prozentualer Anteil im Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Er lässt sich durch ausländische Hochschulmitarbeiter wie Professoren oder Gastdozenten erklären, die gezielt an deutsche Universitäten geholt worden sind.

Weiter als das Land Niedersachsen ist die Stadt Hannover. Sie hat mit ihrem 2008 vom Rat verabschiedeten Plan verbindliche Regeln geschaffen, die Integration im öffentlichen Dienst voranzutreiben. Schon heute haben zwölf Prozent der Beschäftigten in der Verwaltung einen Migrationshintergrund. Damit hat Hannover das damals gesteckte Ziel bereits erreicht, bis 2015 zehn Prozent aller Mitarbeiter aus Migrantenfamilien zu gewinnen.

Felix Klabe

24.07.2012
Michael B. Berger 24.07.2012