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Niedersachsen Lehrer sollen für Klassenfahrten zahlen
Nachrichten Politik Niedersachsen Lehrer sollen für Klassenfahrten zahlen
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00:21 23.06.2014
Von Saskia Döhner
Klassenfahrten müssen künftig wohl aus eigener Tasche bezahlt werden. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Auch dürfen Lehrer Freiplätze nicht mehr nutzen, die ihnen häufig von Reiseveranstaltern angeboten werden. Genau das aber war bislang üblich und vonseiten des Landes sogar ausdrücklich gewünscht. Nun muss der Kostenvorteil von Freiplätzen auf alle Teilnehmer umgelegt werden, sodass sich der Reisepreis für jeden einzelnen Teilnehmer ermäßigt.

Landesbeamte dürfen grundsätzlich keine Geschenke entgegennehmen, die einen Wert von 10 Euro überschreiten. Sie machen sich sonst der Korruption oder Vorteilsnahme schuldig. Diese Regelung wendet das Land jetzt ausdrücklich auch für Schulprojekte an, an denen Lehrer teilnehmen. Für die Lehrer heißt das, dass sie in Zukunft für ihre Dienstreisen mit Schülergruppen zahlen müssen.
Horst Audritz, Vorsitzender des niedersächsischen Philologenverbandes., fürchtet, dass die Neuregelung Auswirkungen nicht nur auf Klassenfahrten hat. „Was bedeutet der Verzicht auf Freiplätze bei Klassenfahrten für entsprechende Angebote bei Ausflügen, Theater- oder Freizeitparkbesuchen?“, fragt er provokant. Die Gymnasiallehrer, die ohnehin verärgert seien, weil sie ab August 24,5 statt wie bisher 23,5 Stunden in der Woche unterrichten sollen, wären vermutlich auf lange Sicht kaum noch bereit, Klassenfahrten oder andere Freizeitveranstaltungen zu unternehmen, wenn sie sie selbst bezahlen müssten.

Geht es nach der offiziellen Linie des Landes, dann müssen sie das nicht: Die jeweilige Schule solle den Pädagogen ihre Reisekosten erstatten, heißt es beim Land. Weil die Budgets dafür aber nicht ausreichen, ist von Lehrern immer wieder zu hören, dass Schulleiter den Verzicht auf Reisekostenerstattung von ihnen verlangten.  Lehrerverbände kritisieren dies seit Langem: „Das ist ganz klar rechtswidrig“, sagt Audritz. Nach Gerichtsurteilen betont jetzt auch die Landesschulbehörde, dass dies unzulässig ist.

Für Klassenfahrten und Fortbildungen hat zwar jede Schule ein Budget. Das aber wird auch nach der Neuregelung nicht erhöht. Eberhard Brandt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält es für einen Fehler, Schulfahrten und Fortbildungen aus demselben Topf zu bezahlen. „Wenn ein Kollegium eine interne Fortbildung machen will, kann vielleicht eine wichtige Fahrt für Fünftklässler nicht stattfinden“, sagt Brandt.

An der neuen Freiplatzvorschrift hat der GEW-Chef aber nichts auszusetzen.  „Es ist doch viel besser, wenn alle Teilnehmer von der Ermäßigung profitieren.“ Er halte nichts davon, dass Lehrer mit einem relativ guten Einkommen Freiplätze in Anspruch nehmen, während einkommensschwächere Eltern für ihre Kinder den vollen Reisepreis zahlen sollten. Freiplätze seien am Ende nur Lockangebote der Veranstalter. „Wirklich freie Plätze sind es nicht, die anderen bezahlen entsprechend mehr.“

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