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Niedersachsen Manager spielen sich selbst
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22:55 09.09.2009
Quelle: Handout
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Es geht zu wie in einer Fußgängerzone: Im Probensaal der Theaterpädagogen mitten in Lingens Altstadt laufen erwachsene Männer und einige wenige Frauen kreuz und quer durcheinander. „Bitte den typischen Knastgang auf dem Gefängnishof vermeiden“, ruft ein Trainer den Teilnehmern des Workshops zu, die ansonsten Führungsaufgaben in Energieunternehmen, dem Baugewerbe oder in Autohäusern wahrnehmen. Die Wirtschaftsleute zeigen sich willig. „Stopp“, ruft der Trainer, und alle stehen – von vereinzelten unfreiwilligen Remplern einmal abgesehen. Wenig später heißt es „Jump“. Und tatsächlich, alle springen! Dann dreht der Trainer die Befehle um und will etwa beim „Stopp“ die Teilnehmer gehen sehen. Die quittieren ihre eigenen Versuche mit lautem Gelächter.

Die kindliche Freude am Spiel ist ausdrücklich gewünscht, erklärt Prof. Bernd Ruping von der Fachhochschule. Betriebswirtschaftliche Nützlichkeit und das scheinbar zweckfreie Spiel des Theaters will er unter einen Hut kriegen. Manager sollen lernen, ihren eigenen Auftritt im Arbeitsalltag zu betrachten. „Wer sagt schon einer Führungskraft, wie er auf andere wirkt?“, fragt der Theaterpädagoge. „Hier beim Spiel können wir uns selber ansehen.“

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Anschauungsmaterial bekommen die Wirtschaftsleute bei einem sogenannten Parcours de Rituelle. Ein Darsteller, in diesem Fall der Schauspieler und Pädagoge Benjamin Häring, durchlebt im Schnelldurchlauf die verschiedenen Tagesstationen eines mittelständischen Gartenbauunternehmers. Die Teilnehmer übernehmen die weiteren Rollen. Herr Martens, so der Name des Unternehmers, plagt sich mit mundfaulen Bauarbeitern, muntert den eigenen Sohn auf und muss sich nach einem Streit mit der Gattin auch noch die Klagen einer Kundin über Wasserflöhe im Naturteich anhören: „Sie lernen meine Anwälte kennen.“ Am Ende des Tages liegen die Nerven blank. Für einen säumigen Lieferanten hat Martens nur noch blanken Zorn übrig.

Dann fordert Trainer Ruping vom Schauspieler eine Änderung: Im einem zweiten Durchlauf wird Herr Martens nur noch so verständnisvoll auftreten, wie er es im Gespräch mit dem Sohn gezeigt hat. Die Wirkung ist verblüffend. Die aufgebrachte Kundin setzt alle ihre Vorwürfe ins Leere und vergisst sogar, mit dem Anwalt zu drohen. Eine Menge ärgerlicher, weil teurer Streit bleibt aus. Nur der unzuverlässige Lieferant kommt zu gut weg, meint in der Auswertung ein Wirtschaftsmann: „200 Euro Preisabschlag hätten drin sein müssen.“

Prof. Ruping diskutiert anschließend mit den Teilnehmern über „Ritualfallen“, in die auch Wirtschaftsleute immer wieder geraten. „Dabei haben wir mehr Möglichkeiten, als wir einmal gelernt haben“, erklärt er. Manfred Jansen, Geschäftsführer eines Autohauses, will seine Erfahrungen aus der Arbeit mit den Theaterleuten in der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern nutzen: „Wenn wir die emotionalen Befindlichkeiten nicht beachten, entstehen Blockaden. Und dann haben wir schon verloren. Hier lernen wir neue Spielregeln kennen“, sagt der Autohändler.

Hier geht es zur Homepage: THINK – Theatrale Interventionen im Innovations- und Kooperationsmanagement

von Bernhard Remmers