Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Ohne Quote: Wie Niedersachsen mehr Ärzte aufs Land holen will
Nachrichten Politik Niedersachsen Ohne Quote: Wie Niedersachsen mehr Ärzte aufs Land holen will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:38 19.10.2018
Das Land Niedersachsen verzichtet auf eine Quote für Landärzte. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Höhere Stipendien, mehr Studienplätze, spezielle Schulungen: Niedersachsen will mit einem Bündel von Maßnahmen die Versorgung mit Hausärzten im ländlichen Raum sichern. Das Konzept von Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) sieht unter anderem Reformen im Medizinstudium vor, um die Ausbildung zum Allgemeinmediziner wieder attraktiver zu machen. Nach dem Studium will Thümler die Ärzte mit Niederlassungsförderungen und befristeten Budgetgarantien für eine Tätigkeit im ländlichen Raum gewinnen. Das Land will in den kommenden Jahren 200 neue Medizinstudienplätze in Niedersachsen schaffen.

„Die wohnortnahe, bedarfsgerechte und flächendeckende medizinische Versorgung ist eine der wichtigsten Leistungen unseres Gesundheitssystems“, sagte Thümler der HAZ. Eine Landarztquote, die ebenfalls in der rot-schwarzen Landesregierung diskutiert wird, lehnt der Minister dagegen ab. „Medizinstudierende sollten sich freiwillig für eine Tätigkeit auf dem Land entscheiden können.“ Eine Verpflichtung zu Beginn des Studiums sei nicht realistisch.

Die Landesregierung will unter anderem das sogenannte Hausarzt-Stipendienprogramm ausbauen. Zurzeit werden Studenten mit 400 Euro monatlich gefördert – wenn sie zusagen, nach dem Studium für eine gewisse Zeit als Hausarzt im ländlichen Raum zu arbeiten. Thümler würde hier gerne mit einer höheren Förderung den Anreiz noch vergrößern. Darüber hinaus sollen ärztliche Mentoren und Lehrarztpraxen die Medizinstudenten künftig vom ersten Semester an auf eine spätere Tätigkeit als Haus- oder Landarzt vorbereiten.

Auch soll Allgemeinmedizin Pflichtfach im Staatsexamen werden. Thümler erwartet zudem von den Hochschulen, dass sie die Allgemeinmedizin für den Nachwuchs attraktiver gestalten. Auch bei der Zulassung zum Medizinstudium soll es Veränderungen geben, um den Weg für „Talente“ – zum Beispiel für Krankenpfleger – zu öffnen, die wegen ihrer Abiturnote sonst keine Chance hätten. „Es werden weitere Eignungskriterien ergänzt“, sagte der Minister. Thümler will zudem die Integration von zugewanderten Ärzten nutzen. Seine Vorschläge beruhen teilweise auf dem von den Bundesländern beschlossenen „Masterplan Medizinstudium 2020“.

Thümler kündigte an, dass in der Außenstelle Braunschweig der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) 60 Vollstudienplätze der Humanmedizin zum Wintersemester 2020/2021 geschaffen werden. Weitere 140 Studienplätze will das Land in den kommenden Jahren an der European Medical School (EMS) Oldenburg-Groningen finanzieren. Die Kosten dafür beziffert er auf bis zu 50 Millionen Euro insgesamt. Aktuell gibt es in Göttingen, Oldenburg und an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) 697 Medizinstudienplätze – darunter sind 99 Teilzeitstudienplätze.

Die Ärztekammer Niedersachsen hatte erst jüngst wieder vor einer Unterversorgung im ländlichen Raum gewarnt. „Nur durch eine deutliche Erhöhung der verfügbaren Medizinstudienplätze wird es möglich sein, dem Ärztemangel nachhaltig zu begegnen“, sagte Kammerpräsidentin Martina Wenker.

Nach Angaben der Ärztekammer gehen in Niedersachsen in den nächsten zwei Jahrzehnten bis zu 1000 Ärzte pro Jahr in den Ruhestand. Bereits heute gebe der Ärztemangel Anlass zu großer Sorge: Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) meldete zuletzt 408,5 unbesetzte Arztsitze – davon sind allein 365 unbesetzte Hausarztsitze. Auch in den Krankenhäusern seien derzeit viele Stellen nicht besetzt.

Von Marco Seng

Als „Toll- und Zuchthaus“ wurde das Celler Gefängnis vor mehr als 300 Jahren gebaut. Ein neues Buch beleuchtet die Anfangszeit dieses Hauses, das von außen wie ein Schloss wirkt.

22.10.2018

In der Missbrauchsaffäre der katholischen Kirche will Hildesheims neuer Bischof Heiner Willmer auch externe Berater einschalten. Unterdessen fordert Niedersachsens FDP-Chef Stefan Birkner ein resoluteres Auftreten des Staates.

21.10.2018

Mit dem Programm „Schule Plus“ will das Land 20 Brennpunktschulen in Niedersachsen helfen. Diese erhalten zusätzliche Lehrer. Den Gewerkschaften ist das zu wenig.

18.10.2018