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Niedersachsen Mehr Besucher bei Nazikonzerten in Niedersachsen
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09:23 26.04.2011
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Neonazikonzerte in Niedersachsen locken immer mehr Besucher der rechten Szene an. Insgesamt reisten 2010 mehr als 1400 Männer und Frauen zu den sieben Konzerten im Land. 2009 hatten die Behörden bei ebenfalls sieben Konzerten nur rund 800 Teilnehmer gezählt. Die Zahlen gehen aus zwei Statistiken hervor, die das niedersächsische Innenministerium auf Anfrage der Linken im niedersächsischen Landtag zusammengestellt hat. Angesichts der gestiegenen Zahl fordert die Linke ein härteres Vorgehen. „Dieser Auswuchs ist besorgniserregend“, sagte Pia Zimmermann, innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. Niedersachsen scheine sich zum bundesweiten Dreh- und Angelpunkt der neonazistischen Musikszene zu entwickeln.

Aus Sicht des niedersächsischen Verfassungsschutzes ist diese Sorge jedoch unbegründet. „Es ist kein Trend auszumachen, dass Niedersachsen hier einen besonderen Stellenwert einnimmt“, sagte Maren Brandenburger, Sprecherin des Verfassungsschutzes. Die Konzerte müssten vielmehr länderübergreifend gesehen werden, da sich Rechtsextremisten nicht an Ländergrenzen orientieren. Eine mögliche Erklärung für die steigenden Besucherzahlen sieht Brandenburger neben dem Bekanntheitsgrad der Bands auch in der bundesweit sinkenden Zahl rechtsextremer Konzerte. „Die wenigen öffentlich durchgeführten Konzerte haben eine bundesweite Sogwirkung in der Szene.“

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Das größte Konzert verzeichneten Polizei und Verfassungsschutz im vergangenen Jahr in der Samtgemeinde Eschede in der Lüneburger Heide. Rund 600 Besucher reisten hierfür aus dem gesamten Bundesgebiet an. „Die niedersächsischen Sicherheitsbehörden gehen konsequent gegen den Rechtsextremismus in Niedersachsen vor“, heißt es in dem Schreiben im Namen von Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Hierzu gehöre auch eine effektive Strategie zur Verhinderung von rechtsextremistischen Musikveranstaltungen, „da diese Musik als wichtiges Ausdrucks- und Propagandamittel für die rechtsextremistische Szene zu sehen ist“.

Zur Strategie gehöre unter anderem eine enge Kooperation der Ermittlungsbehörden mit den Kommunen und privaten Betreibern von Veranstaltungsräumen. Auf diese Weise sei es in den vergangenen Jahren gelungen, die Anzahl der Konzerte auf einem „geringen Niveau“ zu halten. „Wir müssen in jedem Fall wachsam bleiben und ein Auge auf die Konzerte haben. Denn solche Veranstlatungen sind gerade für junge Menschen ein Weg in die rechte Szene“, sagte Brandenburger.

dpa