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Niedersachsen Merkwürdige Verträge der Uni Lüneburg
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19:07 19.04.2013
Von Klaus Wallbaum
Zentralgebäude der Universität Lüneburg von US-Stararchitekt Daniel Libeskind. Quelle: Leuphana Universität
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Lüneburg/Hannover

Der Landesrechnungshof ist mehreren merkwürdigen Verträgen rund um den Bau des neuen Zentralgebäudes der Leuphana-Universität in Lüneburg auf der Spur. Der New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind, der das Gebäude entworfen hat, bekam von der Stiftungsuniversität eine halbe Million Euro für die „baukünstlerische Beratungsleistung“. Das ist fragwürdig, schreibt der Landesrechnungshof in einer internen Prüfungsmitteilung: „Diese Leistung ist normalerweise bereits im Architektenhonorar enthalten.“

Die neuen Hinweise wecken den Verdacht, es habe besondere Absprachen zwischen dem Uni-Vizepräsidenten Holm Keller und mehreren Planern gegeben, unter anderem Libeskind. Nicht nur die Prüfer des Landesrechnungshofes in Hildesheim untersuchen diesen Fall, seit Monaten prüft zudem die Anti-Korruptionsbehörde der EU namens „Olaf“. Dabei steht der Vorwurf im Raum, Libeskind sei unter Umgehung von eigentlich nötigen Ausschreibungen zu dem Auftrag gekommen. Die Uni hatte das erreicht, indem sie Libeskind für eine Professur berufen hatte. Ob das statthaft war oder nicht, untersucht jetzt „Olaf“. In das 57 Millionen Euro teure Zentralgebäude fließen 14 Millionen Euro EU-Zuschüsse.

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Der Landesrechnungshof hat die Geschäftsgebaren der Uni-Führung näher untersucht und ist dabei auf 21 fragwürdige Verträge im Umfang von 1,2 Millionen Euro gestoßen. Der Verdacht der Umgehung von Vergabevorschriften drängt sich auf, da einige Architekten mehrere Verträge erhalten hatten, die in der Summe eine Ausschreibungspflicht bedeutet hätten. Die Prüfer berichten über „nicht nachvollziehbare Vergütungen“.

Die Leuphana-Universität hat teilweise sehr merkwürdige Projekte angeschoben. So förderte sie in Indien ein Projekt, bei dem Reishülsen klimaneutral als Brennstoff verfeuert werden sollen. Hintergrund war die Absicht, einen möglichst kohlendioxidfreien Campus zu errichten.

Anstoß nehmen die Prüfer an Verträgen mit einem Architekten, der Auslandsreisen nach New York vergütet bekam, ohne dass der Grund dafür ausreichend belegt worden sei. Ein Jahr lang habe er quasi ein monatliches Gehalt von der Uni in Höhe von 6104 Euro bekommen.

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic kündigte an, die Leuphana müsse künftig der „Transparenz die oberste Priorität“ einräumen. Die Uni teilte mit, alle Verträge seien sachlich begründet und korrekt gewesen.

Klaus Wallbaum 18.04.2013
Bärbel Hilbig 20.04.2013