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Niedersachsen Weil prangert Ausländerfeindlichkeit an
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21:02 06.01.2015
Von Michael B. Berger
Stephan Weil, Landesbischof Ralf Meister (Mitte) und Abt Horst Hirschler in Loccum. Quelle: Holger Hollemann
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Loccum

Einmal im Jahr bewegen sich Kolonnen von Fahrzeugen gehobener Klassen aus allen Teilen Niedersachsens ins Kloster Loccum bei Rehburg. Der Abt zu Loccum und der hannoversche Landesbischof begrüßen die „Notabeln“ des Landes. „Das ist mit 65 Jahren der älteste Neujahrsempfang Niedersachsens“, begrüßte Landesbischof Ralf Meister die 140 Gäste im Refektorium des Klosters, unter ihnen auch Altbundespräsident Christian Wulff, Generalbundesanwalt Harald Range, fast das gesamte Landeskabinett, sowie Gerichts-, Universitäts- und Kirchenpräsidenten. Immerhin seit 1950 der Frauenanteil gestiegen, bekannte Meister. Kein Wunder, damals war er bei Null, von den Hausdamen des Klosters abgesehen. Aber die waren wichtig, schließlich servierten sie Butterkuchen, Kaffee und Schnaps. Das ist bis heute so geblieben, nur der Schnaps ist gestrichen.

Weil dankt Flüchtlingshelfern

Zur Loccumer Tradition gehört auch, dass feierliche Reden geschwungen werden. Erst spricht der Landesherr, dann der Bischof, zum Schluss der Abt. Diesmal, zum zweiten Mal in der Loccumer Geschichte, eröffnete Ministerpräsident Stephan Weil den Redenreigen, lobte den Gastgeber, das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Staat und Kirche sowie den Loccumer Butterkuchen: „vorzüglich“. Ausführlich ging Weil dann auf die Asyl- und Flüchtlingspolitik ein. Er bedankte sich bei denen, die sich um Flüchtlinge kümmern, erinnerte daran, dass Jesus selbst ein Flüchtlingskind gewesen sei, und betonte, wie wichtig das Grundrecht auf Asyl sei. Deshalb werde es keinerlei Nachgiebigkeit gegenüber Ausländerfeindlichkeit geben, sagte Weil. Gleichzeitig müsse man aber Sorgen und Ängsten in der Bevölkerung mit Nachdenklichkeit begegnen. Weil rechtfertigte die jüngsten Asylbeschlüsse des Bundes, nach denen Menschen aus den Balkanstaaten, die nicht als Asylbewerber anerkannt werden, abgeschoben werden - auch um Platz für Menschen aus Syrien zu schaffen, die wirklich Asyl bräuchten.

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Der Ministerpräsident nahm auch zu einem Thema Stellung, über das in Leserbriefspalten und Internetforen heftig debattiert wird: der geplante Staatsvertrag mit den Muslimen. Er werde keinen staatlichen (arbeitsfreien) Feiertag mit sich bringen, sondern nur einen religiös anerkannten, versicherte Weil.

Religion nicht für Politik instrumentalisieren

Landesbischof Meister erinnerte an den Glauben der Christen, dass ein Blick auf das Krippenkind die Welt verändern könne - ein Glaube, der durch die vielen Krisen der Welt immer wieder erschüttert werde. Innenpolitische Debatten, etwa um die Flüchtlingsfrage, streifte Meister nur kurz. Er empfahl, miteinander zu reden. „Das ist keine Debatte, die auf der Straße ausgetragen werden sollte, und auch nicht mit völkischen Parolen.“ Vor allem aber sollte man damit aufhören, das Christentum oder den Islam für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Zum guten Schluss sprach der Abt zu Loccum, Altbischof Horst Hirschler, einen Satz, der vielen im Ohr blieb. Hirschler berichtete von einem Gespräch mit einem früheren Universitätspräsidenten über den Tod. Der Mann bekannte, man möge ihn doch, wenn nichts mehr gehe, von den Geräten abklemmen. Was gut sei, wüssten Gott und die Angehörigen. „Diese tief im Glauben begründete Wurschtigkeit wünsche ich uns allen.“ Hirschlers Worte zeigten, dass der Empfang in Loccum wirklich einer der besonderen Art ist.

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