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Niedersachsen Niedersachsen senkt Hürden für ausländische Pflegekräfte
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21:41 27.03.2013
Von Alexander Dahl
Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

„Eine Expertengruppe des Ministeriums hat einen pflegespezifischen Sprachtest für aus dem Ausland zugezogene Pflegefachkräfte eingeführt und damit einen positiven Anreiz für die Zuwanderung von Fachkräften geschaffen“, betonte Sozialministerin Cornelia Rundt im Gespräch mit der HAZ. Damit habe Niedersachsen eine Alternative zum schweren Sprachzertifikat B2 des Bundes entwickelt, die es ausländischen Pflegekräften ermöglicht, ihre Berufszulassung schneller als bisher zu erlangen, sagte die SPD-Politikerin.

Zuvor hatte schon der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) die deutliche Senkung von Hürden gefordert. „Überzogene Sprachprüfungen als Zuzugsvoraussetzungen sind in anderen Ländern wie Skandinavien oder Frankreich unüblich“, bemängelt Bernd Meurer, Vorsitzender des Verbandes. Bis heute arbeiteten deshalb kaum ausländische Fachkräfte in den 12000 deutschen Pflegeheimen, kritisiert Meurer.

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Der extreme personelle Engpass in den Seniorenheimen wird auch bei der Bundesagentur für Arbeit gesehen. In einer Analyse hat die Nürnberger Behörde ermittelt, dass auf 100 gemeldete Stellen zu Jahresbeginn 2013 rechnerisch nur noch 35 Arbeitslose kamen. Der bpa macht daher schon seit Monaten Druck und warnt vor einem Pflegekollaps in Deutschland. Aktuell könnten 30000 Arbeitsplätze nicht mit Fachkräften besetzt werden, bis 2020 fehlten gar 220000 Pflegekräfte, sagt Meurer.

Vor einer Woche hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gemeinsam mit Vertretern der Bundesagentur für Arbeit einen ungewöhnlichen Weg beschritten. In der philippinischen Hauptstadt Manila wurde mit den dortigen Behörden eine „Vermittlungsabsprache“ über die Entsendung von Pflegekräften getroffen. Diese können nun ab sofort unter Berufung auf das Abkommen ein Visum erhalten und nach Deutschland kommen; ob sie in Deutschland dann aber arbeiten können, hängt von den Zulassungsbedingungen der Bundesländer ab. Der Verband bpa begrüßt die Initiative von der Leyens, fordert aber, dass nach Niedersachsen auch andere Länder den philippinischen Pflegekräften keine „unnötigen Auflagen“ erteilen und eine Arbeitsaufnahme damit unmöglich machen.

Mehrere private Pflegeanbieter versuchen derzeit, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren. Die Median-Kliniken werben Pfleger in Lettland an; ein Karlsruher Pflegedienst wirbt junge Ungarn an. Der Paritätische unterhält Kontakte nach China und Spanien. Der bpa verhandelt mit Serbien und Bosnien.

Klaus Wallbaum 26.03.2013
Klaus Wallbaum 26.03.2013