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Niedersachsen Stehender Applaus - und Selbstkritik
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00:15 03.12.2013
Von Michael B. Berger
Die Generalprobe für den Bundesparteitag in eine Woche, auf dem er als Parteichef ausscheidet, fällt für Rösler positiv aus. Quelle: dpa
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Verden

Doch die Generalprobe für den Bundesparteitag in einer Woche, auf dem Rösler endgültig als Parteichef die politische Bühne verlässt, fällt für den 40-Jährigen positiv aus. Keiner macht in der einstündigen Aussprache, die Röslers kurzer Rede folgt, den Hannoveraner persönlich für den Hinauswurf aus dem Bundestag verantwortlich - obwohl die Liberalen heftig mit dem hadern, was Rösler eine „Zäsur“ nennt. „Die reine Katastrophe“ sei der Abend vom 22. September gewesen, sagt ein Liberaler aus Ostfriesland. Die Parteiführung habe mit ihrer Bindung an die CDU und „diesem ganzen technokratischen Gequatsche“ den Zugang zu den Menschen verloren.

Der Chef der Jungen Liberalen, Oliver Olpe, kritisert die Tatsache, dass Rösler und Rainer Brüderle noch kurz vor dem Wahltermin mit Altkanzler Helmut Kohl auf einem Foto posiert hätten. Der Schaumburger Paul-Egon Mense meint, er habe in 40 FDP-Jahren stets ein Rauf und Runter erlebt. „Aber am Abend des 22. September habe ich nur noch geweint.“ Es geht hoch her in der fast einstündigen Aussprache. Aber niemand knöpft sich den ehemaligen Spitzenkandidaten Rösler vor.

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Mehr oder minder jeder folgt der vom Landesvorsitzenden Stefan Birkner ausgegebenen Analyse, dass die entscheidenden Fehler der FDP bereits nach der überaus erfolgreichen Bundestagswahl 2009 gemacht worden seien. Birkner spricht von „Teamversagen“.

Aber als wahrer Schuldiger gilt hier einer, der gar nicht im Saal sitzt: Guido Westerwelle. Der habe ein einfacheres Steuersystem versprochen, aus dem aber nichts geworden sei. Der habe gedacht, „nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht“, meint einer der Redner.

Rösler bedankt sich bei „seinen“ Niedersachsen für die Loyalität, die ihm entgegengebracht worden sei. „Wenn nur die Hälfte an Charakter, die die Niedersachsen-FDP auszeichnet, mir auf Bundesebene begegnet wäre, wäre es vielleicht etwas anders gelaufen“, sagt Rösler, der nicht verrät, was er beruflich nach seinem bevorstehenden Abschied von der Politik machen will. Auch Christian Lindner, der Rösler früh als Generalsekretär verließ und nun sein Nachfolger werden will, macht vor allem alte Fehler für das Wahldebakel verantwortlich. Der 34-jährige FDP-Landtagsfraktionsvorsitzende aus Düsseldorf widerspricht aber Rösler und anderen, die das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde auch als Chance für einen wirklichen Neuanfang der Liberalen begreifen wollen. Vielleicht werde man später einmal im Rückblick sagen, dass dieses Desaster die Chance für den Neubeginn gebracht habe, hatte Rösler gesagt. „Wir alle haben in Wahrheit noch nicht begriffen, was es heißt, wenn die bundespolitische Bühne fehlt“, sagt Lindner. Auch er warnt davor, jetzt Abrechnungen mit Einzelnen zu treiben. Denn der illoyale Umgang untereinander habe auch zum Niedergang der Partei geführt. Lindner beschwert sich darüber, dass aus laufenden Sitzungen des Präsidiums gesimst worden sei. „Wir sind gesehen worden als die Partei der Wolfsgesellschaft, der Ichlinge. Das muss sich ändern.“

Die Große Koalition, findet Lindner, sei auch eine große Chance für die FDP. Denn jetzt sei sie die „einzige marktwirtschaftliche Opposition außerhalb des Parlamentes, wo Linke und Grüne die voraussichtliche Regierung nur von links kritisieren werden. „Wir sollten uns nicht davor fürchten, wenn wir kritisiert werden, wenn wir uns für die Marktwirtschaft einsetzen.“ Die Partei müsse sich nur fürchten, wenn sie für nichts einstehe.

Bei solchen Redebeiträgen ist Lindner in Verden ein kräftiger Beifall bei der Niedersachsen-FDP gewiss. Nach einer einstündigen, auch sehr emotionalen Aussprache, die Lindner als „stilbildend“ bezeichnet, scheinen sich viele nach Harmonie zu sehnen.

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