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Niedersachsen Provisorischer Plenarsaal steht bereit
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00:15 22.06.2014
Von Simon Benne
Im Provisorium wird es werden: Statt 480 Quadratmetern stehen den 137 Landtagsabgeordneten nun nur noch 400 Quadratmeter zur Verfügung. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Sein Blick schweift durch die leere Halle. An den Wänden stehen noch Gerüste, die gusseisernen Pfeiler sind eingeschalt, und auf dem Boden liegen Werkzeuge. Doch vor seinem inneren Auge ersteht bereits ein Bild aus der Zukunft: „Hier sitzt der Landtagspräsident“, sagt der Landtagspräsident und deutet in den leeren Raum. „Rechts und links davon sitzt die Landesregierung – und dort müssen 137 Abgeordnete Platz finden.“ Bernd Busemann wiegt den Kopf: „Wir werden zusammenrücken müssen, das Arbeiten auf so engem Raum wird große Disziplin erfordern.“

Am 25. Juli soll die letzte Landtagssitzung im angestammten Plenarsaal über die Bühne gehen. An dem Tag beginnt dessen Umbau. Der Landtag wird im großen Stil renoviert, für 52,8 Millionen Euro: „Zumindest ist zurzeit nichts erkennbar, was von dieser Summe wegführt“, sagt Busemann vorsichtig, während er durchs Ausweichquartier des Parlaments führt. Bislang ist dieses noch eine Baustelle. Am 24. September jedoch, um 13.30 Uhr, will Busemann die erste Plenarsitzung hier eröffnen, im Georg-von-Cölln-Haus an der Marktkirche. „Bis dahin wird alles funktionieren“, sagt er optimistisch.     

Das Parlament begibt sich in ein sehr stilvolles Exil. Das Gebäude stammt aus einer Zeit, in der auch Zweckbauten gern wie kleine Kathedralen ausfallen durften. Der Bau, um 1914 als Eisenwarenhandlung Georg von Cölln im Stil der Neorenaissance errichtet, steht teils unter Denkmalschutz. Das Land Niedersachsen, seit 1977 Eigentümerin, leistete sich lange einen Leerstand der exquisiten Immobilie. Zuletzt waren hier Ausstellungen wie „Der Tempel im Moor“ zu sehen. Wandvitrinen zeugen noch von der Vergangenheit des Gebäudes als „Forum des Landesmuseums“. Seit 2007 jedoch blieb das Cölln-Haus mit seinen verschnörkelten Galerien und dem Glasdach ungenutzt. Eine Schönheit, verborgen hinter einem Bauzaun.

Seit einigen Monaten wird das Gebäude nun als Landtagsprovisorium hergerichtet. Rund zehn Kilometer Elektrokabel und 40 Kilometer Datenleitungen haben die Arbeiter hier verlegt. Die Fliesen sind unter einem Doppelfußboden verschwunden, der die Leitungen verbirgt. Auch das rund 18 Meter hohe gläserne Dach ist nicht mehr zu sehen: Die Handwerker haben eine spezielle, rund 800 Quadratmeter große Decke eingezogen, die auch die pittoreske Schnörkelbrüstung der oberen Balustrade halb verdeckt. Akustik und Klimatisierung fordern wohl ihren Tribut, wenn aus einer ehemaligen Eisenwarenhandlung ein Parlament werden soll.

Unumstritten war das Cölln-Haus als Ausweichquartier nicht – zumal der Landtag nur bis zum Frühjahr 2017 hier sein Domizil haben soll und der Etat für den Umbau bei 3,5 Millionen Euro liegt. „Das ist ein großer Aufwand für eine Behelfslösung“, sagt etwa der frühere Landtagspräsident Jürgen Gansäuer. Er selbst hatte einst einen alternativen Tagungsort auf dem Messegelände favorisiert: „So hätte sich womöglich Geld sparen lassen“, sagt er.     

Angesichts der Kosten könne man schon weiche Knie bekommen, gesteht auch Busemann – um dann vorzurechnen, dass der Etat von 3,5 Millionen Euro auch Posten für einen Aufzug im Hauptgebäude des Landtags und die Renovierung von Büroräumen umfasse, die ohnehin anstünde: Die eigentlichen Kosten für die Einrichtung des Plenums im Cölln-Haus lägen nur bei etwa 2 Millionen Euro. Zudem habe man aus Erfahrungen in Stuttgart gelernt: Dort war der Landtag während Renovierungsarbeiten in eine weiter entfernte ehemalige Kunsthalle ausgewichen. „Es hat sich aber als Nachteil erwiesen, wenn der Plenarsaal für die Abgeordneten fußläufig nicht schnell zu erreichen ist“, sagt Busemann. Ein detailliertes Konzept für die Nachnutzung des Cölln-Hauses hat er noch nicht: „Ich kann mir schon vorstellen, dass hier ein Veranstaltungszentrum des Landes entsteht“, sagt er vage. Denkbar seien auch Ausschusssitzungen oder Tagungen anderer Veranstalter.

Noch sind im Cölln-Haus Löcher im Boden, wo bald Tische und Stühle der Abgeordneten stehen sollen. Im Foyer, wo sich derzeit noch Pakete mit Dämmstoff stapeln, könnte gegenüber der Pförtnerloge das Niedersachsenross einen Platz finden, das im Plenarsaal bislang hinter dem Präsidenten hängt. Im ersten Stock sollen eine Cafeteria und Besprechungsräume mit Blick auf die Marktkirche eingerichtet werden. Für Besucher wird der Ersatzlandtag bei Sitzungen nicht zugänglich sein. Journalisten finden auf der Galerie im ersten Stock Platz, es soll Videoübertragungen in andere Räume geben.

Obwohl manches hier provisorisch bleiben wird, schwärmt Busemann bereits jetzt vom Cölln-Haus: „Seit 20 Jahren bin ich Abgeordneter – doch über viele Jahre habe ich gar nicht gewusst, was für ein wunderbares Gebäude hier unweit des Landtags steht.“     

Georg-von-Cölln-Haus

Ein Gebäude mit Vergangenheit: Im Jahr 1860 trat der junge Kaufmann Georg von Cölln in eine hannoversche Eisenwarenhandlung ein – und er machte das Unternehmen von einem rein lokalen Betrieb zu einem international agierenden Unternehmen. „Cölln war ein außerordentlich erfolgreicher Geschäftsmann“, sagt Waldemar R. Röhrbein, langjähriger Direktor des Historischen Museums. So handelte er nicht nur mit Eisenwaren, er bot auch den Bau ganzer Brücken oder Feldbahnen als Komplettpaket an – ein damals neuartiges Geschäftsmodell. Cölln saß schließlich im Aufsichtsrat zahlreicher Firmen, unterhielt Filialen in Köln und Mailand und wurde Präsident der Handelskammer. Als er 1908 starb, wurde er in einem Mausoleum auf dem Engesohder Friedhof beigesetzt. Das Haus an der Marktkirche wurde für seine weiter bestehende Firma, die nach und nach von der Krupp AG übernommen wurde, um 1914 vom Architekten Rudolf Friedrich errichtet. Nach der Zerstörung im Krieg wurde es 1951 wieder aufgebaut – zunächst ohne die pittoresken Dachgiebel. Als Krupp den Betrieb 1977 schloss, kaufte das Land das Gebäude. Bis 1983 wurde das Cölln-Haus umgebaut – nun bekam es auch seine charakteristische Dachballustrade zurück. Die eisernen Galerien wurden teils nach alten Fotos rekonstruiert.

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