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Niedersachsen Islamist will Justizbeamten töten – Anklage
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14:22 14.08.2019
Früher ein Neonazi, heute ein Islamist: Der Angeklagte Sascha L. Quelle: dpa
Northeim/Oldenburg/Celle

Ein bereits verurteilter Islamist aus Northeim muss sich demnächst wegen einer Gewaltattacke gegen einen Staatsbediensteten erneut vor Gericht verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle wirft dem bekennenden IS-Anhänger Sascha L. vor, im Februar dieses Jahres in seinem Haftraum in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg einen Justizvollzugsbeamten mit zwei Gabeln angegriffen zu haben, um diesen zu töten.

Anschlag auf Polizisten geplant

Der 28-jährige Salafist verbüßt derzeit eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten, zu der ihn im Dezember 2017 das Landgericht Braunschweig verurteilt hatte. Die Staatsschutzkammer befand den früheren Neonazi, der nach eigenen Angaben vor rund fünf Jahren zum Islam konvertiert ist, der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie des vorsätzlichen unerlaubten Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen für schuldig. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Sascha L. im Frühjahr 2017 in Northeim einen Sprengstoffanschlag gegen Polizisten oder Bundeswehrsoldaten geplant und vorbereitet hatte, die zuvor in einen Hinterhalt gelockt werden sollten. Der 28-Jährige selbst hatte damals in dem Prozess angegeben, dass er kurz vor seiner Festnahme von seinen Anschlagsplänen abgerückt sei. Dies nahm ihm die Kammer allerdings nicht ab. Der Angeklagte habe die entsprechenden Materialien besorgt, eine Sprengvorrichtung hergestellt und auch getestet. Zur Tatausführung sei es nicht mehr gekommen, weil er vorher verhaftet werden konnte.

IS-Flagge im Haftraum

Schon während seiner damaligen Untersuchungshaft hatte es einen Vorfall im Gefängnis gegeben. Damals hatte der Mann in seinem Haftraum in der JVA Celle eine IS-Flagge samt einem Treueschwur auf den Anführer der Terrororganisation, Abu Bakr al-Baghdadi, aufgehängt. Auch vor dem Angriff auf den Justizbeamten in der JVA Oldenburg hat der Beschuldigte nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Celle einige Vorbereitungen getroffen. Der 28-Jährige habe sich am Tatabend mit einer zuvor gefertigten Gesichtshaube mit Sehschlitzen maskiert, erklärte Behördensprecher Bernd Kolkmeier. Als der Justizbeamte den Haftraum zu Kontrollzwecken betrat, habe Sascha L. den Beamten unvermittelt und völlig überraschend mit zwei metallenen Speisegabeln aus Weichmetall angegriffen, um ihn zu töten. Der Angeschuldigte habe dabei mit den Gabeln wuchtige Stichbewegungen in Richtung des Halses des Beamten ausgeführt. Die Zentralstelle Terrorismusbekämpfung der Generalstaatsanwaltschaft Celle ist landesweit für die Verfolgung terroristisch motivierter Straftaten zuständig.

Heftig auf den Beamten eingestochen

Während der Vollzugsbeamte zu flüchten versuchte und den Stationsflur entlang lief, habe der 28-Jährige ihn verfolgt und weitere heftige Stichbewegungen in dessen Richtung ausgeführt. Dabei habe er auf Arabisch die Worte „Allahu Akbar“ (übersetzt: „Gott ist groß“) gerufen. Nachdem beide zu Fall gekommen waren, habe der 28-Jährige weiter auf den Beamten eingestochen und gegenüber einem hinzugekommenen Mitgefangenen geäußert, dass man die „Kuffar“ (arabisch für: „Ungläubige“) töten müsse. Er habe erst von dem Beamten abgelassen, als der Mitgefangene ihn weggezogen, sich auf ihn gesetzt und ihm die beiden Gabeln weggenommen hatte.

In andere Haftanstalt verlegt

Der Justizvollzugsbeamte erlitt durch den Angriff mehrere Riss-Quetschwunden am Unterarm, am Hals und an der Hand sowie eine Kniegelenksprellung. Die Generalstaatsanwaltschaft wertet den Vorfall als versuchten Mord, außerdem wirft sie dem 28-Jährigen gefährliche Körperverletzung und besonders schweren Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Der Angeschuldigte sei nach dem Vorfall in eine andere Haftanstalt verlegt worden, teilte Kolkmeier mit.

Ausreise verhindert

Sascha L. war erstmals im Sommer 2016 ins Visier der Ermittler geraten. Der frühere Neonazi hatte damals eine Organisation kontaktiert, die ihm bei der Ausreise in ein Land helfen sollte, in dem die Gesetze der Scharia gelten. Die Polizei hatte daraufhin seine Wohnung durchsucht, die Stadt Northeim erließ ein Ausreiseverbot. Dem Urteil des Landgerichts Braunschweig zufolge entwickelte der 28-Jährige danach die Idee, sich für dieses vermeintliche staatliche Unrecht rächen zu wollen. Er habe geplant, Polizisten oder Soldaten in einen Hinterhalt zu locken und mit einer Bombe zu töten, und sich dazu unter anderem Wasserstoffperoxid, Aceton, Schwefelsäure und einen elektronischen Bausatz gekauft. Den selbst gebastelten Sprengsatz habe er dann in einem Park in Northeim getestet.

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