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Niedersachsen RWE sucht im Heidesand nach schwarzem Gold
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19:47 07.12.2009
Von Gabriele Schulte
Suche im Inneren der Erde: Ein RWE-Mitarbeiter befestigt bei Ummern im Kreis Gifhorn ein Bohrgestänge. Bei geologischen Untersuchungen hatte es Hinweise auf Erdöl gegeben
Suche im Inneren der Erde: Ein RWE-Mitarbeiter befestigt bei Ummern im Kreis Gifhorn ein Bohrgestänge. Bei geologischen Untersuchungen hatte es Hinweise auf Erdöl gegeben Quelle: lni
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Drei Jahre sind seit den ersten Voruntersuchungen vergangen, nun plötzlich ging alles ganz schnell. Bei Ummern in der Südheide hat mitten im Kiefernwald eine 40 Meter hohe Bohranlage ihren Betrieb aufgenommen. „Hahnenhorn I“ ist die erste von drei Bohrstellen, die sich RWE Dea im nördlichen Landkreis Gifhorn hat genehmigen lassen. Ein Hektar wurde gerodet, eine 60 Zentimeter dicke Betonplatte gegossen, 45 Lkw-Ladungen an Bohr- und Spültechnik aufgebaut und mit Containern für 30 Mitarbeiter samt Computern umgeben. Vier Millionen Euro haben die umfangreichen Bodenanalysen schon im Vorfeld gekostet, für jede der drei Bohrstellen rechnet der Energiekonzern mit weiteren 3,5 Millionen Euro. Das Risiko ist hoch: „Die Chance steht fifty-fifty, dass wir hier Öl finden“, sagte Projektleiter Karsten Westerhage am Montag.

Da hatten sich die Meißel an der Spitze der rotierenden Bohrstangen schon mehr als 600 Meter in die Tiefe gearbeitet – rund 1500 Meter unter der Oberfläche wird das Erdöl vermutet. Die Hoffnung stützt sich auf die bei 7500 kleinen Sprengungen gewonnenen dreidimensionalen Bilder, die Auskunft über die Druckverteilung im Boden geben. Damit hatte RWE Dea im September 2006 auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern in der traditionellen „Ölprovinz“ nördlich von Gifhorn begonnen, nachdem der hohe Rohstoffpreis wieder Gewinne erwarten ließ. Wegen geringer Ausbeute war der vor 150 Jahren entdeckte Heide-Bodenschatz zuvor beinahe aufgegeben worden.

Der Ölpreis ist seitdem wieder gesunken. Doch der Konzern hat mit der Qualität des Heideöls besonders gute Erfahrungen gemacht, das er in der Region bereits in Hankensbüttel fördert. Und mit verbesserten Pumpmethoden könne auch der schwer „auszupressende“ ölige Sandstein heute besser ausgenutzt werden, erläuterte in Ummern Bohrleiter Ralf Kitscha. Die Erwartungen dürften jedoch nicht zu hoch geschraubt werden. „Hier ist nicht Texas“, sagte Kitscha. Es liege kein Ölsee unter Ton, Mergel und Kalk. Erwartet werde eine 18 Meter dicke Schicht aus der Jurazeit, die das schwarze Gold wie ein Schwamm aufgesaugt habe – insgesamt etwa 2,5 Millionen Kubikmeter. Groß wäre die Enttäuschung, falls es sich doch nicht um Öl, sondern um Wasser handelt.

Das soll sich noch vor Weihnachten zeigen. Schon in dem kalkigen grauen Schlamm, den der Bohrer derzeit zutage fördert, suchen die Geologen pausenlos unter ihren Mikroskopen und per Ultraschall nach Hinweisen. Das hochgespülte, gesiebte Erdreich werde im Übrigen auf einer Deponie bei Stendal ordnungsgemäß entsorgt, versicherte der Bohrleiter. Die freigesetzte natürliche Radioaktivität sei völlig ungefährlich.

Die rund um die Uhr betriebene Bohrstelle im Wald wird so schnell wieder verschwinden, wie sie errichtet wurde. Nach drei Wochen wird über den Beton wieder Mutterboden gekippt. Der fahrbare Bohrer mit allem Drum und Dran wird dann auf einem Acker bei Wesendorf ein zweites und, wenn es sich gelohnt hat, noch ein drittes Mal aufgebaut. Wo Öl gefunden wird, werden klassische Pferdekopf- oder moderne Schraubenpumpen aufgestellt. Wo nicht, wächst alles zu.

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