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Niedersachsen Rätselraten um fehlende Brennelementekugeln aus Jülich
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14:39 03.04.2011
Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) vermutet, dass ein Teil der Brennelementekugeln „allem Anschein nach“ im früheren niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse eingelagert wurde. Quelle: dpa (Archiv)
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Rätselraten um eine mögliche Atompanne in Nordrhein-Westfalen. Die Düsseldorfer Landesregierung kann nicht sagen, wo 2285 radioaktive Brennelementekugeln aus dem 1988 stillgelegten Forschungsreaktor in Jülich geblieben sind. Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) vermutet, dass ein Teil der Brennelementekugeln „allem Anschein nach“ im früheren niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse eingelagert wurde, wie aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht, über die auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet. In der Asse durften nur schwach und mittelradioaktive Abfälle gelagert werden - keine Brennelemente.

Das für die Asse seit 2009 zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter zeigte sich von Schulzes Annahme überrascht. Aus den Unterlagen des alten Asse-Betreibers, dem Helmholtz Zentrum München, gehe nicht hervor, dass die jetzt vermissten Kugeln in dem Bergwerk bei Wolfenbüttel lagern, sagte ein Sprecher am Sonntag. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Betreiber der Jülicher Anlage und die Landesaufsicht nicht Auskunft geben könnten, „wo die abgebrannten Kernbrennstoffe verblieben sind“. Bereits im Oktober habe das BfS mitgeteilt, dass die laufenden Überprüfungen der Inventarlisten des Abfalls in der Asse bislang keine Hinweise auf hochradioaktive Abfälle erbracht haben.

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Die Grünen sprachen von einem Skandal. Möglicherweise seien die Kugeln „illegal und falsch deklariert in der Asse entsorgt worden“ und dort jetzt ein wesentlicher Teil des milliardenschweren Problems in dem Endlager, sagte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. Der grüne Landtagsabgeordnete Hans Christian Markert sagte dem „Spiegel“, Jülich sei „ein erschreckendes Beispiel, wie lax mit radioaktiven Stoffen hier umgegangen wurde“. Er hat ausgerechnet, dass in den verschwundenen Kugeln etwa 2,2 Kilogramm Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium 232 stecken.

Auf dem Gelände in Jülich lagern nach Angaben des Forschungszentrums in 152 Castoren 288 161 intakte Brennelementekugeln. Insgesamt seien 290 705 Kugeln zwischen 1967 und 1988 eingesetzt worden. Daneben sei Kugelbruch aus dem Reaktor einzementiert worden und werde als mittelradioaktiver Abfall zwischengelagert. Das sei der Landesregierung bekannt und werde von der europäischen Atomgemeinschaft Euratom regelmäßig kontrolliert.

Schulze hatte in ihrer am Freitag vom Landtag veröffentlichten Antwort ebenfalls mitgeteilt, dass „große Teile“ der Kugeln bei Forschungsexperimenten zerstört worden seien. Die ersten Experimente lägen aber mehr als 40 Jahre zurück, das erschwere die Recherche nach dem Verbleib der Kugeln.

Die in Jülich lagernden Castoren sollen nach den Plänen der Bundesregierung ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Das will die rot-grüne Landesregierung verhindern. Die Jülicher Brennelemente dürften nur noch einmal transportiert werden und zwar in ein Endlager, hatte Schulze gesagt. Im alten Salzbergwerk Asse sind von 1967 und 1978 insgesamt 126.000 Fässer mit Atommüll eingelagert worden - angeblich um die Endlagerung zu erforschen. Das Endlager gilt als marode und von Wassereinbrüchen bedroht. Das BfS bereitet derzeit eine mögliche Rückholung des Atommülls vor.

dpa