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Niedersachsen Rot-Grün krempelt die Schulpolitik um
Nachrichten Politik Niedersachsen Rot-Grün krempelt die Schulpolitik um
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20:25 09.04.2013
Von Saskia Döhner
Das Kultusministerium geht davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren 50 neue Gesamtschulen gegründet werden könnten. Quelle: dpa
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Hannover

Bis zu 50 neue Gesamtschulen könnten nach Schätzungen des Kultusministeriums in Niedersachsen in den nächsten fünf Jahren entstehen. Zu dem von der Opposition prophezeiten „Massensterben“ der Gymnasien werde dies aber nicht führen, sagte Kultusstaatssekretär Peter Bräth vor Journalisten in Hannover. „Bei der Errichtung von 200 neuen Oberschulen durch die alte schwarz-gelbe Landesregierung hat doch auch niemand von einem Massensterben der Gymnasien geredet“, meinte Bräth.

Einen generellen Bestandsschutz für die knapp 260 Gymnasien im Land gebe es aber nicht, sagte der Staatssekretär. Man müsse kein Mathematiker sein, um angesichts eines Schülerrückgangs von mancherorts bis zu 40 Prozent auszurechnen, dass das eine oder andere Gymnasium auf dem Land schließen müsse. „So wird es bald möglicherweise an einigen Standorten nicht mehr drei, sondern nur noch ein Kreisgymnasium geben.“ Es sei aber Sache der Schulträger, über ihre Schullandschaft zu entscheiden. Das Land selbst werde keine Schule schließen. In den vergangenen Jahren sind laut Ministerium 40 neue Gesamtschulen entstanden, mittlerweile sind es 70 landesweit.

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Von diesem Sommer an können neue kleinere Gesamtschulen errichtet werden, die nur vier, im Ausnahmefall auch nur drei Klassen pro Jahrgang aufweisen. Eine entsprechende Schulgesetzänderung berät der Landtag in der kommenden Woche. Nach den Grünen stimmte gestern auch die SPD-Fraktion dem Gesetzentwurf zu. Bislang war die Fünfzügigkeit Gründungsvoraussetzung für eine Gesamtschule. Neue Gymnasien müssen hingegen nur drei Klassen pro Jahrgang haben. So kleine neue Gesamtschulen sollen nur dort entstehen, wo es sonst kein anderes Gesamtschulangebot in der Region gibt.

Weit tiefgreifender als die jetzige Änderung, die nicht nur die Neugründung erleichtern, sondern auch das Turboabitur an Gesamtschulen verhindern will, ist eine weitere Schulgesetznovelle, die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt für Sommer 2014 ankündigte. Danach sollen Gesamtschulen nicht mehr nur ergänzende, sondern ersetzende Schulform werden. Das heißt, dass eine neue Gesamtschule Gymnasien und Oberschulen verdrängen könnte. Derzeit ist das noch nicht möglich.

Für die CDU ist dies eine Kampfansage. Rot-Grün wolle die Schullandschaft „gründlich umkrempeln“, sagte CDU-Bildungsexperte Kai Seefried. Zudem sollten Gesamtschulen auch beim Ausbau der Ganztagsschulen bevorzugt werden. Die Marschrichtung sei klar, sagte Björn Försterling (FDP): In ein paar Jahren werde es erst auf dem Land, dann auch in den Großstädten keine Gymnasien und Oberschulen mehr geben.

Für Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes, ist es entscheidend, ob eine Gesamtschule auch ein gymnasiales Angebot mit Oberstufe hat. Wenn sie eine Haupt- und Realschule ersetze, sei es im Grunde nur eine Umbenennung und keine Konkurrenz. Elternvertreter fordern den flächendeckenden Erhalt der Gymnasien. Für Chancengerechtigkeit sei es unerlässlich, dass es überall eine uneingeschränkte Wahlmöglichkeit zwischen Schulformen gebe, teilte der Verband der Elternräte der Gymnasien mit. Chancengleichheit herzustellen sei Leitmotiv ihrer Politik, sagte Heiligenstadt. Über Bildungserfolg dürfe nicht der Geldbeutel der Eltern entscheiden.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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