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Niedersachsen Kein Heimspiel für Pistorius: SPD-Kandidaten präsentieren sich in Hannover
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21:50 06.09.2019
Vorstellungsrunde in Döhren: Das Kandidaten-Duo Petra Köpping und Boris Pistorius. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Der Saal ist proppenvoll. 841 der 26.000 Mitglieder des SPD-Bezirks Hannover haben sich angemeldet. Sie wollen in einem Hotel in Hannover-Döhren erleben, wie sich sieben Pärchen und ein Einzelkandidat präsentieren: Runde zwei im SPD-Bundesvorsitzenden-Casting. „Man muss begeistert sein, um große Taten zu vollbringen“, zitiert als Gastgeber der SPD-Bezirksvorsitzende Matthias Miersch die Parteilegende Kurt Schumacher. Großen Beifall bekommt zu Beginn einer, der gar nicht antritt: Ministerpräsident Stephan Weil. Er, der das langwierige Verfahren der Kandidatenfindung bereits deutlich kritisiert hat, schaltet jetzt um auf gute Stimmung: „Dieses Verfahren bringt uns nach vorn.“ Schwungvoll vorangehen, empfiehlt Weil. Wohlan denn.

Schwan und Stegner eröffnen

Gesine Schwan und Ralf Stegner eröffnen den Reigen. Sie brauchen sich nicht vorzustellen. „Manche reduzieren mich auf mein heiteres Gemüt“, sagt Stegner, und das Publikum lacht. Schwan bietet sich dagegen als charmante Geistesgröße an. Als Pärchen „Theorie und Praxis“ empfehlen sie sich, auf jeden Fall gut abgestimmt, mit kurzen, knackigen Sätzen.

Das Los hat Petra Köpping, Sachsens Integrationsministerin, und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius auf Platz zwei der Vorstellungsrunde gesetzt. Für viele im Saal, wie etwa für den ehemaligen hannoverschen Bezirkschef Wolfgang Jüttner, ist Pistorius hier die Nummer eins. Schon, weil er ein Niedersachse ist, schon, weil ihn die gesamte Landespartei als ihren Mann empfiehlt. Doch viele andere der hannoverschen Gäste wehren die Frage ab, wer denn von den 15 ihr persönlicher Favorit wäre. „Wir müssen uns erst ein Bild machen“, kommt ein ums andere Mal die Antwort. So, als ob Pistorius und seine Partnerin hier in Hannover nicht automatisch vorne liegen müssten. Nein, so ist es keineswegs.

Mäßiger Beifall für Scholz

Das Duo Pistorius/ Köpping beschreibt, wie es sich gefunden hat (auf einer Informationsreise in Belgien), wie wichtig ihnen als ehemalige Bürgermeister die Kommunalpolitik ist. Doch der Beifall kommt nicht so schnell, obwohl der Niedersachse fast beschwörend sagt, er brenne seit 43 Jahren für die Partei. Erst als Pistorius bekennt, er würde nicht ins Kabinett der Großen Koalition eintreten, schwillt der Beifall an.

Auch Olaf Scholz muss sich nicht vorstellen. Er lässt seiner Partnerin Klara Geywitz aus Brandenburg den Vortritt, empfiehlt sich selbst als Mann, der weltoffen ist, Europa groß und den Sozialstaat sicher machen will. Mäßiger Beifall. Den bekommt auch der Einzelkandidat Karl-Heinz Brunner. Aber der Begrüßungssatz des bayerischen Schwaben, dass gerade die Hannoveraner eine besondere Freude ausstrahlen würden, hat auch eine gewisse Komik. Und kommt an.

Die meisten wollen raus

Hier im Saal scheinen die meisten (die meisten von ihnen sind über sechzig) raus zu wollen. Aus der Großen Koalition. Aus der Kinderarmut. Aus der Wohnungsarmut. Runter von der Schuldenbremse. Je kämpferischer die Sätze, desto größer der Beifall. „Nicht jedes 6., sondern jedes 5. Kind ist arm“, sagt Christine Kampmann, die mit Michael Roth antritt, an die Adresse des Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Schwierige Zeiten für gemäßigte Sozialdemokraten, zumindest hier im Saal in Hannover-Döhren, wo ein Aufbruch beklatscht wird, der die Partei ohne Zweifel weiter links positioniert. „Ist doch interessant, dass hier alle für mehr Investitionen sind, obwohl wir Sozialdemokraten auch für die Schuldenbremse gewesen sind“, merkt Gesine Schwan an, als es um die großen ökonomischen Fragen geht.

Nach zwei Stunden ist man auch nicht schlauer, wer diese Gemengelage als künftiger SPD-Vorsitzender verlässt. Zu längeren Reflexionen bietet der Abend ohnehin keinen Raum. „Schluss, Dierk (Hirschel)“ oder „Genug, Karl“, sagt der Moderator vom Parteivorstand. Die Kandidaten haben nur wenige Minuten. Und der Niedersachse Boris Pistorius erlebt an diesem Abend in Hannover gewiss kein Heimspiel. Nur beim Thema Sicherheit kann er punkten. Am Sonnabend geht es in Bernburg an der Saale weiter.

Von Michael B. Berger

Niedersachsen-Reporter Michael B. Berger leert einmal die Woche seinen (satirischen) Papierkorb und präsentiert Nachrichten, die liegen geblieben sind. Heute: Von Currywust und Porsche.

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