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Niedersachsen SPD eröffnet in Hannover den Bundestagswahlkampf
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08:35 01.09.2009
Von Dirk Schmaler
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sprach vor 7000 Menschen auf dem Opernplatz.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sprach vor 7000 Menschen auf dem Opernplatz. Quelle: Steiner
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Es ist ein weiter Weg an die Macht, und er führt über das Volk. Als sich der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zur Wahlkampfbühne auf dem Opernplatz aufmacht, steigt er nicht etwa vom Hinterbereich der Bühne vors Rednerpult. Er geht den weiten Weg vom Kaffeehaus am Kröpcke und an der Oper vorbei durch die Menge.

Steinmeier will zeigen, dass er mittlerweile auch Wahlkampf gelernt hat. Er schüttelt Hände und lässt sich feiern von den bei solchen Veranstaltungen seit Jahren üblichen jungen Unterstützern, die gedruckte Schilder („Wir machen Wahlkampf und Sie, Frau Merkel?“) in die Luft halten. Rund 7000 Besucher, darunter viele Parteimitglieder aus dem Land, sind gekommen, um bei Bratwurst und preiswertem Bier ihren Kanzlerkandidaten zu begutachten und sich auf die heiße Phase des Wahlkampfs einzustimmen.

Dabei verfängt die Losung, die auf der Bühne Steinmeier und davor schon die gesamte sozialdemokratische Politprominenz von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bis hin zu Parteichef Franz Müntefering und dem versammelten Kompetenzteam (von dem nicht einmal der Moderator auf der Bühne alle Namen parat hat) ausgegeben hatten, durchaus: Der Rückenwind, den die Partei durch die Wahlergebnisse vom Wochenende verspürt, sollte in nachhaltige Aufbruchstimmung umgesetzt werden.

Zunächst jedoch lobt Steinmeier seine alte Wirkungsstätte Hannover, wo er Gerhard Schröder kennengelernt hat. „Von hier aus haben wir den Muff von Albrecht gelüftet und anschließend den von 16 Jahren Helmut Kohl weggepustet.“ Nach der kurzen Vergangenheitsbewältigung schaltet er aber schnell auf Angriff um: „Der andere Laden ist ideen-, saft- und kraftlos in der Krise“, röhrt der Kanzlerkandidat über den Opernplatz.

Er probiert die Tiraden gegen Schwarz-Gelb in vielen Varianten. Und in der Tat: Größten Applaus bekommt Steinmeier immer dann, wenn er die politischen Gegner attackiert: Westerwelle, der den Kündigungsschutz abschaffen wolle und der Meinung sei „wenn jeder sich selbst hilft, ist allen geholfen“; und natürlich CSU-Wirtschaftminister Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen gewagter und gleich wieder zurückgezogener Entwurf zur Wirtschaftspolitik entlarvend sei. „Die Wahrheit wird ans Licht kommen“, ruft Steinmeier mit viel Sinn für Theatralik in die Menge.

Stilfragen spielen durchaus auch in Hannover eine Rolle: So hält Zuschauer Klaus Eberhardt den Kanzlerkandidaten auf dem Opernplatz für „zu wenig nachdenklich“, während dem 66-jährigen Manfred Furich Steinmeier „immer etwas zu ruhig“ ist: „Er ist kein Schröder.“ Auch einige Erstwähler nutzen den Auftritt Steinmeiers um sich ein Bild zu machen. „Er wirkt sehr souverän“, sagt der 18-jährige Tim Melching. Die Positionen in der Atompolitik findet er gut. Nur: Für die SPD habe er sich deshalb noch nicht entschieden: „Ich schaue mir auch noch die anderen Parteien an.“

Doch der Kandidat tut sein Möglichstes. „Er gefällt mir heute richtig gut, er ist kämpferisch und angriffslustig“, sagt Christine Gramse, Sozialdemokratin aus Hannover. „Aber das wird ja nun auch Zeit.“ Sonst will sie aber nichts Schlechtes über den Kandidaten sagen: Selbst mit der Stimme habe er mittlerweile eine gute Mischung zwischen Schröderschem Röhren und seiner eigenen, bedachteren Art gefunden, findet die 64-Jährige.

Ob das reicht, um am 27. September Kanzler zu werden, ist jedoch auch für viele Genossen unwahrscheinlich. „Wir werden noch zulegen, aber dass wir den Kanzler stellen, ist nicht realistisch“, sagt der Seelzer Walter Senking, der für die SPD im Ortsrat sitzt. Dennoch lohne sich das Kämpfen: „Der Steinmeier hat das in der Birne, was wir im Land brauchen.“

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