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Niedersachsen Sprengstoffanschlag in Paris: Terrorspur führt nach Hannover-Linden
Nachrichten Politik Niedersachsen Sprengstoffanschlag in Paris: Terrorspur führt nach Hannover-Linden
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22:32 21.10.2010
Von Tobias Morchner
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Die französische Justiz hat Anklage gegen die 68-jährige Christa F. aus Hannover-Linden erhoben. Wie Eckart Klawitter, der Rechtsanwalt der Beschuldigten, jetzt mitteilte, werfen ihr die Behörden vor, an einem Sprengstoffanschlag am 22. April 1982 in Paris beteiligt gewesen zu sein. Wenn die Hauptverhandlung im November des nächsten Jahres eröffnet wird, nimmt neben der Deutschen auch der Terrorist Illich Ramírez Sánchez, der unter seinem Decknamen „Carlos“ bekannt wurde, auf der Anklagebank Platz. Der Terrorist, dessen Leben gerade für das Kino verfilmt wurde, soll den Anschlag mit einer Toten und 63 Verletzten ausgeführt haben. In dem Spielfilm ist das Attentat in der Rue Marbeuf auch zu sehen. Dort wird es allerdings eindeutig Christa F. zugeschrieben.

In der Wirklichkeit gehen die französischen Ermittler nur von einer Beteiligung der 68-Jährigen an dem Anschlag aus. Laut Anklage soll Christa F. am 19. April 1982 in Ljubljana unter dem Namen „Margot Stadelmann“ einen Opel Kadett gemietet haben, in dem drei Tage später der Sprengstoff für das Pariser Attentat deponiert worden war.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Lindenerin wegen der Explosion zur Rechenschaft gezogen werden soll. Bereits wenige Monate nach der Detonation in der Rue Marbeuf galt Christa F. als Beschuldigte. Doch erst am 28. Oktober 1995 wurde die Frau, die in Hannover lange als Volkshochschullehrerin gearbeitet hat, aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Von da an saß die heute 68-Jährige in Haft. Im Dezember 2000 mussten die französischen Behörden sie jedoch aus dem Gefängnis entlassen. Christa F. kam frei, weil die EU festgelegt hatte, dass die Untersuchungshaft in keinem Mitgliedsland länger als vier Jahre dauern darf.

Auch die Staatsanwaltschaft Hannover hatte wegen des Pariser Anschlags ein Verfahren gegen Christa F. eingeleitet. Es wurde 1994 mangels Tatverdachts eingestellt. Die 68-Jährige hat sich bereits vor Jahren zu den Anschuldigungen geäußert. Sie habe mit dem Anschlag „persönlich und politisch nichts zu tun“, gab sie an. Auch ihr Anwalt, der Strafverteidiger Eckart Klawitter, weist die Vorwürfe zurück. Er wirft den französischen Behörden manipulative Ermittlungsmethoden vor. „Unter den sieben Fotos, die man den Zeugen in Ljubljana vorgelegt hat, um ,Margot Stadelmann‘ zu identifizieren, waren drei von meiner Mandantin“, teilte der Jurist mit.

Auch stimmten die Personenbeschreibungen, die Zeugen in der slowenischen Stadt abgegeben haben, offensichtlich nicht mit dem Aussehen seiner Mandantin überein. „Die französischen Ermittler haben entgegen auf der Hand liegender Beweise bewusst eine falsche Anklage konstruiert“, kritisiert Klawitter. Doch die Justiz in Frankreich will offenbar von all dem nichts wissen. Christa F. muss befürchten, erneut an die Behörden überstellt zu werden.