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Niedersachsen Stadtwerke-Chef borgt sich heimlich Akten aus
Nachrichten Politik Niedersachsen Stadtwerke-Chef borgt sich heimlich Akten aus
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16:05 01.10.2010
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Der Druck auf den noch verbliebenen Wolfsburger Stadtwerke-Chef Torsten Hasenpflug wächst: Nachdem am Wochenende Zeugen beobachtet hatten, wie er mit zwei Mitarbeitern das Unternehmensgebäude betreten hat, mit Unterlagen wieder herausgekommen war und später wieder Akten zurückgebracht hat, legt ihm der SPD-Aufsichtsratsvertreter Hans-Georg Bachmann jetzt die Ablösung nahe. „Sehr unglücklich hat Hasenpflug reagiert. Es wäre ein Beitrag zur Entkrampfung, wenn auch er sich beurlauben ließe.“

Hasenpflugs Kollege Markus Karp ist bereits auf eigenen Wunsch beurlaubt. Sein früherer Mitarbeiter Maik Nahrstedt bezichtigt sich selbst, in Karps Auftrag CDU-Wahlkampfdienste über die Stadtwerke abgerechnet zu haben. Karp bestreitet dies, der Stadtwerke-Aufsichtsrat hat die Wirtschaftsberatung BDO mit einer Prüfung beauftragt. Auch Hasenpflug war von Nahrstedt belastet worden. Am Freitag will der Aufsichtsrat nun entscheiden, ob nicht ein Interims-Stadtwerke-Chef bestellt werden soll, möglicherweise ein Pensionär. Über den Namen gibt es zwischen SPD und CDU noch keine Einigkeit.

In dieser für die Stadtwerke brenzligen Situation hat sich Vorstand Hasenpflug am vergangenen Wochenende höchst ungeschickt angestellt: Er betrat mit zwei Kollegen das Gebäude, gab an der Tür aber einen falschen Code ein, sodass Alarm ausgelöst wurde und ihm von Sicherheitsbeamten geholfen werden musste. Anschließend soll Hasenpflug Terminkalender und Fahrtenbücher herausgeschafft haben und diese später gemeinsam mit Karp – der ja das Stadtwerke-Gebäude nicht betreten soll – durchgesehen haben, bevor sie zurückgebracht wurden. Auf diese Weise wollte der Stadtwerke-Vorstand die von Nahrstedt aufgelisteten Vorwürfe nachprüfen. Damit der Verdacht sich nicht erhärtet, hier seien Unterlagen manipuliert worden, soll Hasenpflug anschließend die Polizei über sein Vorgehen informiert haben. „Der ist hochgradig nervös“, heißt es in Wolfsburg.

Schlechte Nachrichten gibt es auch für Nahrstedt. Er scheiterte am Dienstag vor dem Arbeitsgericht mit dem Versuch, sein Hausverbot aufzuheben. Das Gericht hatte dies schon einmal verweigert, weil es die gegen Nahrstedt erhobenen Manipulationsvorwürfe für sehr gewichtig hält. Außerdem gibt es gegen Nahrstedt und einen Vorgesetzten Vorwürfe, es habe krumme Geschäfte mit einer Werbeagentur in Höhe von 681.000 Euro gegeben und der Verdacht der Vetternwirtschaft dränge sich auf. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, man werde „alle diese Informationen in die Ermittlungen einbeziehen“.

Von Klaus Wallbaum und Ulrich Franke

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