Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Weil hat kein Verständnis für Gymnasiallehrer
Nachrichten Politik Niedersachsen Weil hat kein Verständnis für Gymnasiallehrer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:49 08.11.2013
„Politische Diskussionen nicht auf dem Rücken der Schüler austragen“: Ministerpräsident Stephan Weil. Quelle: dpa
Anzeige

„Ich finde, dass man solche politischen Diskussionen nicht auf dem Rücken der Schüler austragen sollte“, sagte Weil am Freitag am Rande der Bundesratssitzung in Berlin: „Ich habe kein Verständnis dafür.“

Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass niedersächsische Gymnasiallehrer bundesweit die geringsten Unterrichtsverpflichtungen hätten. „Ich hoffe sehr, dass Lehrerkollegien, die solche Beschlüsse fassen, dies selbstkritisch überprüfen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es auf Dauer keine Klassenfahrten mehr gibt.“ Das Land werde jedenfalls nicht mit einer Anordnung eingreifen, meinte Weil.

Anzeige

Die Unterrichtsverpflichtung soll in Niedersachsen an Gymnasien von 23,5 Stunden wöchentlich auf 24,5 Stunden angehoben werden: Soviel müssen Lehrer derzeit an Integrierten Gesamtschulen unterrichten. Nach Angaben des Kultusministeriums liegt Niedersachsen damit am unteren Rand im Vergleich mit anderen Bundesländern. In Bayern unterrichteten die Gymnasiallehrer von 23 bis zu 28 Stunden, in Nordrhein-Westfalen 25,5 Stunden, in Berlin und Brandenburg 26 Stunden, in Schleswig-Holstein 25,5 bis 27 Stunden.

GEW-Vorsitzender Eberhard Brandt reagierte empört auf die Äußerungen Weils. „Der Vergleich mit anderen Ländern ist doch billig, wenn man die Parameter vertauscht.“ So gebe es etwa in Schleswig-Holstein eine stärkere Entlastung für den Einsatz in der Oberstufe. Die eine Stunde Mehrarbeit bringe bei seinen Kollegen, die seit Jahren mit zusätzlichen Aufgaben belastet worden seien, das Fass zum Überlaufen: „Ich fordere den Ministerpräsidenten auf, diese politische Dummheit zu korrigieren“, sagte Brandt der HAZ. Horst Audritz vom Philologenverband meinte, wenn man sich schon an anderen Ländern orientiere, müsse man andere Altersermäßigungen schaffen.

Die rund 80 Millionen Euro, die die Lehrer durch ihre Mehrarbeit dem Land einsparen, will die rot-grüne Regierung im nächsten Jahr vorrangig in den Ausbau der Ganztagsschulen stecken. Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps muss warten. Statt im nächsten Schuljahr sollen erst ab Sommer 2015 Schüler mit Lernschwächen, Sprachproblemen oder Verhaltensauffälligkeiten grundsätzlich an Regelschulen aufgenommen werden. Die Förderschulen werden schrittweise aufgelöst. Verhaltensauffällige Kinder sollen in der Förderschule weiterhin eine Auszeit nehmen können, bevor sie wieder an die Regelschule zurückkehren.

Während Claus Peter Poppe (SPD) und Ina Korter (Grüne) die Verschiebung als „Dialog“ und „Planungssicherheit für die Schulen“ lobten, sprach Björn Försterling (FDP) von einem „Jahr der Unsicherheit“. Es sei ein Fehler, dass die Förderschulen aufgelöst werden sollen, kritisierte Ulf Thiele (CDU). Damit werde den Eltern die Wahlfreiheit genommen.

Von Michael B. Berger und Saskia Döhner

Klaus Wallbaum 10.11.2013
Niedersachsen Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz - 2000 Kita-Plätze fehlen in Niedersachsen
07.11.2013