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Niedersachsen Stephan Weil ist rasch per Du mit den Schülern
Nachrichten Politik Niedersachsen Stephan Weil ist rasch per Du mit den Schülern
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20:19 11.01.2013
Von Klaus Wallbaum
Schwieriger als McAllister hatte es Stephan Weil, der sein Nein zu Studiengebühren gegen die Studentin Christina Lembeck verteidigen musste. Quelle: dpa
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Hannover

Stephan Weil muss sich gefühlt haben wie einer, der schon mal probesitzen darf: Am Freitag war der Plenarsaal voller Oberstufenschüler aus Hannover, Bramsche, Uelzen und Stade, die von den Spitzenkandidaten Näheres zu wichtigen Themen erfahren wollten. Ministerpräsident David McAllister (CDU) saß auf seinem Platz auf der Regierungsbank. Neben ihm, wo der Sessel eigentlich für Vize-Ministerpräsident Jörg Bode (FDP) reserviert ist, thronte Herausforderer Stephan Weil (SPD). Beide tuschelten und scherzten, machten sich auch Notizen - ganz so, als würden sie eine harmonische Große Koalition bilden. Ob das ein Vorgeschmack auf die übernächste Woche ist?

Auf einmal, als Weil aufgestanden war, rutschte McAllister einen Platz weiter an die Seite von FDP-Chef Stefan Birkner. Der Stuhl des Ministerpräsidenten war frei, und Weil machte bald darauf kurz Anstalten, sich dort niederzulassen. „Der will meinen Stuhl!“, rief McAllister, beide raunten sich flapsig an und lachten - und stellten dann die alte Sitzordnung schnell wieder her. Von wahlkämpferischer Anspannung war auch später nur wenig zu spüren.

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Die Landessieger des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ sollten sich in einzelnen Redeschlachten mit den fünf Spitzenleuten der im Landtag vertretenen Parteien messen - zu einem Thema, das zum jeweiligen Schwerpunkt im Wahlkampf passt. Für McAllister und Birkner wurde die Schuldenbremse ausgesucht, für Weil die Studiengebühren, für Anja Piel (Grüne) der Atomausstieg und für Manfred Sohn (Linke) die Millionärssteuer. Die Aufgabe der Schüler war es, die Politiker mit guten Argumenten und geschliffener Rhetorik zu schlagen - und die Politiker sollten zeigen, wie sattelfest sie in Debatten sind.

Das meisterten die Redner höchst unterschiedlich. Als McAllister mit Kritik an der strikten Sparpolitik konfrontiert wurde, kam es zum Austausch bekannter Argumente. Erst eine Nachfrage der Celler Schülerin Sabrina Ammann zur Schulpolitik förderte Neuigkeiten zutage: Der Ministerpräsident gestand ein, man habe zwar die gymnasiale Schulzeit verkürzt, den Lehrstoff aber nicht entsprechend ausgedünnt. Falls er die Wahl gewinne, wolle er hierüber gleich mit Lehrern, Eltern und Wirtschaft reden - und die Lehrpläne schon zum Schuljahr 2013/14 entrümpeln. „Wir wollen Karl den Großen etwas kleiner machen, also zu bestimmten Themen weniger Inhalte verbindlich machen.“

Schwieriger als McAllister hatte es Stephan Weil, der sein Nein zu Studiengebühren gegen die Studentin Christina Lembeck verteidigen musste. „Auch ich zahle die Gebühren, so wie jeder Geselle das auch in der Meisterschule tun muss“, erklärte sie, schob immer neue Argumente nach. Weil kam fast ins Schwitzen und sagte irgendwann „Du“ zu der jungen Hannoveranerin, entschuldigte sich dann aber dafür. „Sie können mich ruhig duzen“, meint sie. „Du mich auch“, entgegnete Weil. Auch Stefan Birkner hatte Mühe, für sein Volksbegehren zur Schuldenbremse zu werben - die große Mehrheit der Schüler war gegen den Plan. „Das ist auch ein sehr ambitioniertes Projekt“, sagte einer und fragte Birkner mitleidsvoll: „Wollen Sie nicht mit was Kleinerem anfangen?“

Klaus Wallbaum 10.01.2013
Klaus Wallbaum 08.01.2013