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Niedersachsen Stephan Weil will Doris Schröder-Köpf als Integrationsbeauftragte
Nachrichten Politik Niedersachsen Stephan Weil will Doris Schröder-Köpf als Integrationsbeauftragte
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10:46 15.11.2012
Von Klaus Wallbaum
Komm in meine Arme: SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil hat doch noch eine herausgehobene Position für Doris Schröder-Köpf gefunden.
Komm in meine Arme: SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil hat doch noch eine herausgehobene Position für Doris Schröder-Köpf gefunden. Quelle: Behrens
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Hannover

Lange ist spekuliert worden, ob und wann SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil seiner prominentesten Landtagskandidatin eine besondere Aufgabe übertragen wird. Am Donnerstag ist es so weit: Um 12.30 Uhr tritt Weil gemeinsam mit Doris Schröder-Köpf, der SPD-Bewerberin für den Wahlkreis Hannover-Döhren, vor die Presse. Es geht um die Integrationspolitik. Offiziell bestätigt ist es nicht, aber die Spatzen pfeifen es von den Dächern - Schröder-Köpf, die Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, soll im Fall eines SPD-Wahlsieges am 20. Januar neue Integrationsbeauftragte werden.

Das überrascht gleich doppelt. Zum einen hat Schröder-Köpf keinen Migrationshintergrund. „Doch, sie kommt immerhin aus Bayern“, scherzen manche in der SPD. Die 2007 berufene Integrationsbeauftragte des Landes, Honey Deihimi, stammte aus dem Iran und war Österreicherin. Die heutige Ministerin für „Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration“, Aygül Özkan, wurde in Hamburg geboren, ihre Eltern sind Türken. Zum anderen hat Schröder-Köpf bisher immer erklärt, ihr besonderes Anliegen sei eigentlich der demografische Wandel. Auf ihrer Internetseite bezeichnet sie das als „mein politisches Schwerpunktthema“. Vermutlich werden sie und Weil heute nun hier die Gewichte verschieben.

Lange war vermutet worden, Schröder-Köpf werde in das Team der potenziellen Minister von Weil aufsteigen. Das aber hat die Kandidatin offenbar selbst strikt abgelehnt, und als Schatten-Sozialministerin wurde inzwischen Cornelia Rundt berufen, eine ausgewiesene Expertin in sozialpolitischen Fachfragen. Schröder-Köpf folgte in den vergangenen Monaten dem Rat alter politischer Hasen, als Landtagsneuling erst einmal zu schnuppern und nur allmählich weitere Ämter anzustreben. Gern wäre sie wohl völlig ohne herausgehobene Aufgabe geblieben. Doch Stephan Weil muss in den vergangenen Wochen gespürt haben, dass er Schröder-Köpf als Kraftverstärkerin doch braucht, wenn er nicht langweilig oder grau wirken will. Ähnlich wie früher Ursula von der Leyen an der Seite von Christian Wulff kann Schröder-Köpf an der Seite von Weil viel Aufmerksamkeit auf die SPD ziehen.

Selbst wenn sie ihren Wahlkreis in Hannover-Döhren gegen den Favoriten Dirk Toepffer von der CDU nicht gewinnen sollte, kommt sie wohl über die Landesliste in den Landtag. Der Platz zwölf ist nicht gut, dürfte aber wohl reichen. Schröder-Köpf könnte als Abgeordnete die Aufgabe einer Beauftragten für die Landesregierung übernehmen - sie bekäme dann ein Büro in der Staatskanzlei, hätte Mitarbeiter und würde quasi neben ihrer Landtagsarbeit ein Fachgebiet betreuen. So etwas gibt es gegenwärtig schon, der Seesener CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Götz arbeitet als Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler.

Für Weil hat die Berufung von Schröder-Köpf einen wichtigen Nebeneffekt: Die SPD-Kandidatin kann stärker als bisher im Wahlkampf eingesetzt werden, sie kann landesweit auftreten - da sie ja jetzt landesweit für ein besonderes Thema die Sprecherin wird. Zugleich wird sie damit nun doch Gegenspielerin von Sozialministerin Aygül Özkan werden.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.