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Niedersachsen Straßensperren für Neonazi-Aufmarsch
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22:21 19.03.2015
Die Hildesheimer wollen sich wehren – wie vor fünf Jahren schon.
Die Hildesheimer wollen sich wehren – wie vor fünf Jahren schon. Quelle: Hartmann
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Hildesheim

Mehrere Tausend Menschen wollen sich am Sonnabend nach Angaben der Organisatoren des Bündnisses gegen Rechts den Neonazis in den Weg stellen. Hunderte Polizisten aus ganz Niedersachsen werden zusammengezogen, um die Lager voneinander zu trennen. Die Polizei hat die Hildesheimer Nordstadt – der Stadtteil mit den meisten Einwanderern in Hildesheim – vorsorglich zur Sperrzone für den Autoverkehr erklärt. Der Aufmarsch ist eine Provokation. Ausgerechnet in der Nordstadt wollen die Neonazis „Gegen die Überfremdung des deutschen Volkes“ protestieren, am Vorabend des 70. Jahrestags der Zerstörung Hildesheims im Zweiten Weltkrieg. Ab 14 Uhr will Die Rechte am Sonnabend marschieren, schon vier Stunden vorher wird das Viertel abgeriegelt. Mit kurzfristigen Sperrungen der Straßen rund um die Nordstadt müsse zudem gerechnet werden, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Die weitläufigen Absperrungen sollen auch verhindern, dass Teilnehmer der einzelnen Demonstrationszüge aufeinandertreffen. Das Bündnis gegen Rechts hat zwar zu friedlichem Protest aufgerufen. Doch sogar die Organisatoren rechnen damit, dass sich gewaltbereite Teilnehmer einfinden werden, die es auf Schlägereien mit den Neonazis anlegen.  So ruft zum Beispiel das Antifaschistische Café Braunschweig zur Teilnahme an der Kundgebung in Hildesheim auf. Auf der Internetseite der Gruppierung ist auch von Blockade die Rede. Zudem gibt es Tipps, was zu tun sei, wenn man von der Polizei festgenommen wird.

Das Gros der Gegendemonstranten dürfte sich aber friedlich verhalten – wie 2007 und 2010, als es schon einmal große Demonstrationen gegen Rechtsextreme gab. Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer hat dazu aufgerufen, sich auch dieses Mal am friedlichen Protest zu beteiligen. Auch die Kirchen haben zur Teilnahme aufgerufen. Auf dem Gelände der Martin-Luther-Kirche in der Nordstadt soll es laut Superintendent Helmut Aßmann ein multikulturelles Friedensgebet geben.

Das Bündnis gegen Rechts wehrt sich mit Humor gegen die Provokation der Neonazis. An mindestens sechs Häusern sollen Banner mit Sprüchen wie „Im Spendenschritt marsch“ oder „Wenn das der Führer wüsste“ hängen. Wie im bayerischen Wunsiedel wollen die Organisatoren für jeden Meter, den die Neonazis zurücklegen, Geld sammeln und spenden. Schon bisher sind laut Organisator Klaus Schäfer mehr als 2000 Euro zusammengekommen. Schäfer und Mitorganisatorin Regina Stolte bitten um weitere Spenden. Für den letzten Ton wird ein Knabenchor sorgen: Er tritt ab 18 Uhr in der Martin-Luther-Kirche auf.

Von Christian Harborth

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