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Niedersachsen Streit um JadeWeserPort geht weiter
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20:53 24.05.2012
Von Klaus Wallbaum
Foto: Ein Taucher wird ausgerüstet, um vor der Kaimauer des Jade-Weser-Port in die Tiefe zu gehen – unter Wasser werden die Löcher in den Spundwänden begutachtet und repariert.
Ein Taucher wird ausgerüstet, um vor der Kaimauer des Jade-Weser-Port in die Tiefe zu gehen – unter Wasser werden die Löcher in den Spundwänden begutachtet und repariert. Quelle: dpa
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Entscheidend sei der Probebetrieb, und der hat bisher nicht beginnen können - wegen der Reparaturarbeiten an der Kaimauer. Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) beharrt jedoch auf dem Termin: „Das ist vertraglich vereinbart.“

Bode hat am Donnerstag, gemeinsam mit Axel Kluth von der bremisch-niedersächsischen Hafengesellschaft JWP, die Baustelle inspiziert. Ein Großteil der Hafenfläche ist bereits asphaltiert, mehrere Gebäude stehen schon, auch die acht mächtigen Krananlagen, Containerbrücken genannt, ragen in den blauen Himmel. Sie sind jeweils 88 Meter hoch und 1800 Tonnen schwer - und wurden mit Spezialschiffen aus China nach Wilhelmshaven gebracht. Mit diesen mächtigen Anlagen will Eurogate die weltweit größten Containerschiffe, die bis zu 400 Meter lang sind, in wenigen Stunden entladen können. Damit soll der neue Hafen an der Jade der modernste dieser Art in Deutschland sein.

Gegenwärtig aber trüben Streitigkeiten die Szenerie. Beim Bau oder nach dem Bau der Spundwand sind an mittlerweile 225 Stellen Löcher aufgeplatzt, die jetzt repariert werden sollen. In Bremen und auch bei der mit Bremen eng verbandelten Firma Eurogate schaut man missmutig auf die Baufirmen unter Leitung des emsländischen Unternehmens Bunte. Sie waren von der üblichen Technik, ein Spezialgerät zu verwenden, abgewichen - auch aus Zeit- und Kostengründen, denn sonst hätte sich der Bau um drei Monate verzögert. Nicht ohne Süffisanz klagt Eurogate-Chef Schiffer nun: „In Japan und China scherzt man schon, die Deutschen könnten keinen Hafen mehr bauen.“

Vermutlich kommen die Bauschäden Eurogate gar nicht so ungelegen, denn nach der Wirtschaftskrise läuft der Containerhandel nicht so gut an wie erhofft. Eurogate muss aber von August 2012 an einen Mindestumsatz in Wilhelmshaven von 70.0000 Containern jährlich garantieren. Tut die Firma das nicht, muss sie gegenüber der JWP für den Ausfall geradestehen. Die Rede ist von 35 Millionen Euro. Verschieben aber Niedersachsen und Bremen von sich aus den Termin, so bliebe Eurogate diese Ausfallzahlung erspart - und Schiffer müsste sich nicht verbiegen, um schon von August an den Containerumschlag an der Jade sicherstellen zu können. Nun hängt die Terminfrage am Probebetrieb.

Konkret sieht das so aus: 350 Meter von den ersten 1000 Metern der Kaimauer sind schon an Eurogate übergeben. Am 11. Juni sollen weitere 150 Meter folgen, auf denen derzeit die Löcher gestopft werden. Dann blieben nur noch knapp zwei Monate Zeit, die Containerentladung zu testen. Der Eurogate-Chef äußert aber gleichzeitig Zweifel, ob die Methode der Sanierung, eine Betonmauer vor die Kaimauer zu setzen, überhaupt angemessen ist. Hinzu kommen Unsicherheiten, wer die Reparatur der Schäden bezahlen muss. Ist es ein Versicherungsfall? Das käme wohl nur in Betracht, wenn keine Fehler bei der Bauausführung begangen wurden. Es geht immerhin um rund 50 Millionen Euro.

Eine Sorge jedoch scheint unbegründet. Wenn der Hafen erst einmal seinen Betrieb aufgenommen hat, wird dort auch viel los sein. Wöchentlich werde mindestens ein Containerschiff, begleitet von drei kleineren Schiffen, in Wilhelmshaven anlegen und entladen, erklärt Schiffer. Die Firma Maersk habe das festgelegt. Ein Geisterhafen wird der Jade-Weser-Port auf keinen Fall. Die Frage ist nur, wann er starten kann.

Von Anfang an umstritten

Der Tiefwasserhafen war von Anfang an umstritten. Im Oktober 2000 setzte sich Wilhelmshaven gegen Cuxhaven durch. Damals wollten drei Länder – neben Niedersachsen und Bremen auch Hamburg – den Containerhafen gemeinsam bauen. Doch die Hamburger stiegen 2002 aus. Die Wahl des Betreibers fiel auf Eurogate, eine mit der Hafenwirtschaft in Bremen und Hamburg eng verbundene Firma. Es schien 2007 fast schon klar zu sein, dass als Baufirma nur Hochtief in Betracht käme, zumal das Großunternehmen bei Bremer Hafenbauten fast schon traditionell den Zuschlag bekommen hatte. Doch die Firma Bunte aus dem Emsland beschwerte sich und meinte, das günstigere Angebot abgegeben zu haben, zog vor Gericht und siegte. Ein Untersuchungsausschuss im niedersächsischen Landtag sollte den Verdacht einer Einflussnahme der Bremer Hafenlobby und der niedersächsischen Landesregierung zugunsten von Hochtief ausleuchten.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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