Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen TiHo-Experte will Mindestpreis für Fleisch
Nachrichten Politik Niedersachsen TiHo-Experte will Mindestpreis für Fleisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.06.2015
Von Heiko Randermann
Resistente Keime können nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Sie sind sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin verbreitet.
Resistente Keime können nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Sie sind sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin verbreitet. Quelle: Dpa
Anzeige
Hannover

„Die Gesundheit der Tiere ist meiner Meinung nach die unabdingbare Voraussetzung, um gesunde Lebensmittel zu produzieren“, sagte der Pharmakologe bei dem Symposium im Landtag. Man dürfe nicht außer acht lassen, dass Lebensmittel so sicher seien wie noch nie, aber Lebensmittelketten diktierten Preise, die die Landwirte sehr in die Enge trieben. „Wenn ich Werbung höre, dass ein Supermarkt Schweinefilet für sechs Euro statt zehn Euro anbietet, dann wird der Wert von Lebensmitteln infrage gestellt“, sagte Kietzmann. Der Respekt vor Fleisch sei verloren gegangen. Er halte deshalb einen Mindestpreis für Fleisch für sinnvoll, sagte Kietzmann. „Je nach Fleischart wird ein Preis definiert, unter dem es nicht verkauft werden darf.“

Zu dem Symposium hatte die CDU-Fraktion eingeladen, um vor allem eine Frage zu klären: „Ist tatsächlich die Massentierhaltung schuld an der Verbreitung von multiresistenten Keimen?“, wollte Frank Oesterhelweg wissen, der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Fraktion. Die Antwort der Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung, der Tierärztlichen Hochschule (TiHo), der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universität Leipzig war eindeutig: Nicht ein einzelner Bereich sei Ursache für die tödlichen Keime, es gebe vielmehr eine Wechselbeziehung zwischen Tier- und Humanmedizin, in beiden Bereichen seien die Keimbekämpfer viel zu lange viel zu sorglos eingesetzt worden.

Dabei sei Deutschland noch nicht einmal an der Spitze der Problemländer, meint Professor Tobias Welte, Pneumologe an der MHH. Je geringer die Wirtschaftsleistung, desto höher die Verbreitung resistenter Keime. „Wenn Sie im Urlaub in der Türkei ins Krankenhaus müssen und auf die Intensivstation kommen, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich mit einem resistenten Erreger anstecken, bei 90 Prozent“, sagte Welte. Kurz gesagt: „Sie werden ihn bekommen.“ Das gelte auch für Länder wie Thailand, die arabischen Länder, Bali oder Südamerika. Und mit dem Rückflug werde der Keim nach Deutschland gebracht.

Um die Verbreitung von multiresistenten Erregern zurückzudrängen, dürften nicht verschiedene Bereiche getrennt beobachtet werden, fordert die Leipziger Hygienewissenschaftlerin Professorin Iris Chaberny. Es brauche eine alles umfassende Gesundheitsstrategie, in der Fachsprache ein „One Health Concept“, die sich sowohl um Tier- als auch Humanmedizin kümmere. Alle Experten machten aber auch klar: Eine bessere Hygiene sei nicht zum Nulltarif zu haben. Die Sanierung von Krankenhäusern oder Pflegeheimen und das benötigte Personal kosteten Geld.

Kranke Menschen und Tiere müssten behandelt werden, aber es müsse stärker nach Alternativen gesucht werden. „Der Einsatz von Antibiotika muss deutlich reduziert werden, um die Resistenzen einzudämmen“, sagte Oesterhelweg nach der Tagung. Dafür werde sich die CDU-Fraktion einsetzen.

Niedersachsen Diskussion über Änderung des Jagdgesetzes - Agrarminister gönnt Jägern eine Schonzeit
Michael B. Berger 08.06.2015
06.06.2015
Heiko Randermann 05.06.2015