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Niedersachsen Über tausend Menschen demonstrieren gegen Neonazis
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16:33 01.08.2009
Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend in Bad Nenndorf gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten protestiert.
Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend in Bad Nenndorf gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten protestiert. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Ein breites Bündnis aus Politik, Verbänden und Kirchen zog durch die Innenstadt. Nach Angaben der Polizei gab es bis zum Nachmittag keine größeren Zwischenfälle. Die Rechtsradikalen möchten den Kurort im Kreis Schaumburg zu einer Art Wallfahrtsstätte machen. Vor dem Wincklerbad, einem Verhörzentrum der britischen Besatzungsmacht von 1945 bis 1947, hatten sich deshalb am frühen Morgen etwa 80 Gegendemonstranten versammelt. Vier von ihnen hatten sich in einer Betonpyramide verankert.

Die Polizei räumte den Platz und bohrte den Beton auf, um die vier zu befreien. Sie hatten sich jedoch nur an den Händen gehalten, wie sich später herausstellte. Mit Transparenten wie „Bad Nenndorf wehrt sich“ sowie Musik und Trillerpfeifen protestierten die Teilnehmer des Bündnisses friedlich gegen den Aufmarsch. Häuser und Zäune waren mit bunten Luftballons, Fähnchen und T-Shirts geschmückt. Langfristig strebt das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ ein Verbot der Neonazi-Aufmärsche an.

Mehr als drei Stunden später als ursprünglich geplant marschierten etwa 600 Neonazis vom Bahnhof aus zum Wincklerbad. „Rund 130 haben wir am Bahnhof zurückgelassen und ihnen die Teilnehme untersagt“, sagte Polizeisprecher Axel Bergmann. Sie wollten sich nicht durchsuchen lassen und folgten nicht den Kleidervorschriften.

Im Wincklerbad, dem Ziel der Rechtsextremen, war es auch zu Misshandlungen von Häftlingen gekommen, welche die Briten selbst aufdeckten. Die regionale Neonazi-Szene griff das Thema 2006 auf und meldete jährlich „Trauermärsche“ an, bei denen die NS-Verbrechen verharmlost und die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs den Alliierten zugeschrieben werden. In Niedersachsen sind zuletzt vielfältige Aktivitäten der Neonazis publik geworden, wie das im Auftrag des rechtsextremen Anwalts Jürgen Rieger besetzte Hotel in Faßberg bei Celle sowie ein geplantes Museum in Wolfsburg.

lni