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Niedersachsen Überlebende gedenken Befreiung in Bergen-Belsen
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15:53 18.04.2010
Quelle: dpa
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Für viele der Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen ist es eine letzte Reise an den Ort gewesen, an dem sie die wohl schrecklichste Zeit ihres Lebens verbrachten. „Es ist kaum zu glauben, dass seit unserer Befreiung bereits 65 Jahre vergangen sind“, sagte der Präsident des Weltverbandes der Bergen-Belsen-Überlebenden, Sam Bloch, am Sonntag bei der Gedenkfeier.

„Unsere offenen Narben sind kaum zu heilen“, meinte er, nachdem er mühsamen Schrittes das Rednerpult erreicht hat. Knapp 200 Schicksalsgenossen waren wie er nach Bergen-Belsen gekommen - viele begleitet von Kindern oder Enkelkindern.

„Das Lager war die Hölle auf Erden, ein Ort der Hoffnungslosigkeit“, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann. „Bergen-Belsen ist ein Ort deutscher Schuld, aber es hat lange gedauert, bis das Land sich die Schuld eingestanden hat.“ Dies auch weiter zu tun, sei aber nicht nur Aufgabe des Staates, sondern jedes einzelnen. Deutschland werde alles tun, um die Erinnerung stets wachzuhalten. „Es ist unabdingbar, dass die Vergangenheit lebendig bleibt.“

„Wir müssen heute und in Zukunft jeder Form von Gewalt und Unterdrückung, von Ausgrenzung und Verfolgung entgegentreten“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Er erinnerte an die dramatische Lage in dem Konzentrationslager unmittelbar vor der Befreiung. „Nur die Überlebenden wissen, welchen Unterschied vor 65 Jahren ein Tag, ein paar Stunden, oft genug Minuten vor und nach der Befreiung ausmachten.“ Das von den britischen Befreiern eilends herbeigeschaffte Wasser und Essen konnte vielen nicht mehr helfen - 14.000 starben an Entkräftung bald nach der Befreiung.

Im Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden während des Zweiten Weltkriegs rund 120.000 Menschen interniert. Mindestens 52.000 von ihnen starben während der Haft, darunter auch Anne Frank, deren Schicksal durch ihre Tagebücher weltbekannt wurde. Seit 1952 ist auf dem Gelände eine Gedenkstätte eingerichtet.

Um das Gedenken an den Holocaust wachzuhalten, brauche es weiterhin Zeugnisse wie das Tagebuch der Anne Frank, unterstrich der Präsident des jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder. Wegen der Flugsperre konnte er nicht zur Gedenkfeier kommen, seine Rede wurde verlesen. Noch heute sei der Antisemitismus in Europa lebendig, warnte er. Es gebe Angriffe gegen Israel und das Existenzrecht des jüdischen Staates werde infrage gestellt. Das iranische Regime wolle Israel auslöschen und strebe dazu nach der Atomwaffe.

„Bergen-Belsen und all die anderen furchtbaren Orte des Holocausts waren das Ergebnis eines brutalen Rassismus, der mit Hetzreden, Bücherverbrennungen, eingeschlagenen Schaufensterscheiben und zerstörten Synagogen begann und mit dem Verbrennen von Menschen endete“, erinnerte Weltverbandspräsident Bloch. Doch trotz allem hätten die bitteren Erinnerungen den Überlebenden die Kraft gegeben, weiterzumachen. „Wir fanden uns in unserer zerbrochenen Welt zurecht und bewältigten heldenhaft unsere Lage, indem wir ein neues Leben aufbauten.“

lni