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Niedersachsen Tief im Schacht auch nicht klüger
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20:44 04.03.2014
Foto: Für Barbara Hendricks ist der Besuch in der Asse der erste Ministerbesuch in einem Atomlager.
Für Barbara Hendricks ist der Besuch in der Asse der erste Ministerbesuch in einem Atomlager. Quelle: dpa
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Remlingen

In weißer Bergmannskluft steigt Barbara Hendricks aus dem Förderkorb aus. Als Erstes stattet die Bundesumweltministerin ihrer Namenspatronin einen Besuch ab. Eine Holzskulptur der heiligen Barbara steht hier in 490 Metern Tiefe von schummrigem Licht bestrahlt auf einem Salzkristall in einer Glasvitrine. Die Patronin der Bergleute ist in dem früheren Salzbergwerk Asse auch Patronin für ein Atommüllrückholprojekt, das weltweit beispiellos ist. Und mehrere Milliarden Euro kostet.

Ernüchtert muss die SPD-Politikerin weiter unten bei den Atommüllkammern erkennen, dass sie eine Aufgabe geerbt hat, deren Bewältigung sie als Ministerin nicht mehr erleben wird, wie sie zugibt. Bei der Ankunft an der Asse bei Wolfenbüttel wird sie am Dienstag von teils erzürnten Demonstranten empfangen, die auf ein Bekenntnis für eine schnellere Rückholung des Atommülls hofften.

„Minister kommen, Minister gehen, die Asse haben sie alle gesehen“, steht auf einem Plakat, doch die SPD-Politikerin macht den Bürgern hier wenig Hoffnung. Vor 2033 werde „aus heutiger Sicht“ die Rückholung wohl nicht beginnen. Aber: 2012 lautete die Zielmarke noch 2036.

„Die Asse gilt als Sinnbild des Scheiterns der Endlagerung“, sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König. Er führt die Ministerin durch dieses Hochsicherheitsgebiet – wie er auch schon Hendricks’ Vorgänger Peter Altmaier (CDU) geführt hat. Der kam im Juni 2012 kurz nach Amtsantritt, zusammen mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, der hier seinen Wahlkreis hat. Altmaier durfte den Startknopf für das Anbohren von Kammer 7 geben, 11 000 Seiten an Auflagen waren nur für diese Probebohrung abzuarbeiten. Diese Abtastphase wird noch Jahre dauern. Auch Hendricks steht am Dienstag vor der Bohranlage. Außer dass nun alles hinter einer Schutzschleuse verschlossen ist, scheint sich hier wenig bewegt zu haben.

Die erste monatelange Bohrung traf die Kammer nicht richtig, weil sie sich wegen des Bergdrucks um zwei Meter gesenkt hatte. Die Kammern wurden zum Teil auf über 20 Metern Länge mit Beton verfüllt. Bisher ist weitgehend unklar, wie es drinnen aussieht. 2013 wurde die „Lex Asse“ im Bundestag beschlossen. Sie erlaubt nun, Dinge parallel zu planen und abzuarbeiten: Neben der Faktenerhebung, ob eine Rückholung noch machbar ist, laufen die Vorbereitungen für ein riesiges Zwischenlager und eines neuen Schachts, der bis 2028 stehen und über den die Rückholung laufen soll. Unklar ist bisher auch, ob sich die Abfälle anschließend im zentralen Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, im Schacht Konrad bei Salzgitter, endlagern lassen. Ohnehin wird es auch dort erhebliche Verzögerungen bis mindestens 2019 geben.

Täglich dringen 12 000 Liter Wasser ein

Die Asse in Remlingen im Landkreis Wolfenbüttel war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Bis 1978 wurden in Kammern in etwa 750 Metern Tiefe rund 126 000 Behälter mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Müll eingelagert. Sie sollen nach Möglichkeit geborgen werden, denn in die Asse dringen täglich 12 000 Liter Wasser von außen ein. Dafür muss man zunächst mit aufwendigen Bohrungen ermitteln, wie es in den zubetonierten Kammern aussieht. Das Vorhaben würde mehrere Milliarden Euro kosten. Eine auch in der Diskussion stehende Verfüllung der Kammern mit Beton könnte das Risiko bergen, dass der strahlende Müll über das Wasser in die Umwelt gedrückt wird.

In dem Bergwerk wurde bis 1916 Kali, später Steinsalz gefördert. In den sechziger Jahren wurde die Grube unwirtschaftlich. Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) erwarb die Asse 1965 im Auftrag der Bundesrepublik für 900 000 Mark, um ein Atommüllendlager oder ein Forschungsbergwerk einzurichten. Nach Pannen und Versäumnissen wurde der GSF, die im Helmholtz Zentrum München aufging, 2009 die Verantwortung entzogen. Seitdem ist das Bundesamt für Strahlenschutz zuständig.

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