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Niedersachsen Noch mehr Atom-Müll in Salzgitter?
Nachrichten Politik Niedersachsen Noch mehr Atom-Müll in Salzgitter?
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07:01 19.11.2014
Der unfertige Entsorgungsplan für schwachradioaktiven Müll besorgt Umweltaktivisten.
Der unfertige Entsorgungsplan für schwachradioaktiven Müll besorgt Umweltaktivisten. Quelle: Uwe Anspach/dpa
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Hannover

Was ist das für ein Programm?
Das Programm ist für die EU gedacht. Es soll spätestens im Sommer nächsten Jahres vorgelegt werden. Im Augenblick wird ein 23-seitiges Papier, das auch der HAZ vorliegt, von den Bundesländern studiert und geprüft. Das nationale Entsorgungsprogramm listet grob auf, welche Mengen an radioaktivem Abfall entsorgt werden müssen. „Es ist der Versuch, uns in der Entsorgungspolitik ehrlich zu machen“, sagt der Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren: „Mehr zunächst nicht.“

Welche Mengen sind zu entsorgen?
Die Menge der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle könnte bis zu 600 000 Kubikmeter betragen. Für schwach- und mittelradioaktiven Müll soll 2022 das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad bereitstehen. Das ist aber nur für 303 000 Kubikmeter Müll genehmigt.  Eine mögliche Option wäre es, die 200 000 Kubikmeter an kontaminiertem Material, die aus dem maroden früheren Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel geborgen werden sollen, hier einzulagern. Das befürchten zumindest die Bürgerinitiativen um den Schacht Konrad. „Nach Inbetriebnahme des Endlagers Konrad soll gegebenenfalls geprüft werden, ob eine Einlagerung weiterer Abfälle aus der Rückholung aus Asse II und von abgereichertem Uran aus der Urananreicherung über den bisherigen Planfeststellungsbeschluss hinaus in Betracht kommt“, heißt es dazu im Entsorgungsplan.

Wird einfach das fertige Lager Schacht Konrad genommen und neuer Müll hineingebracht, ohne ein neues Planfeststellungsverfahren?
Das ist rechtlich nicht möglich. Für wesentlich höhere Mengen müsste ein neues Genehmigungsverfahren durchgeführt werden, versichern Fachleute, von „ungelegten Eiern“ spricht das Bundesumweltministerium. Keiner könne zum derzeitigen Zeitpunkt sagen, dass der Asse-Müll nach Salzgitter komme, zumal selbst die geplante Rückholung des Mülls noch gar nicht begonnen hat. Sie „kann nach aktuellen Planungen nicht vor dem Jahr 2033 begonnen werden“, heißt es in dem Entsorgungsplan des Bundesumweltministeriums. Ein früherer Beginn der Rückholung vor dem Jahr 2033 werde indes angestrebt. „Die Abfälle sollen vor Ort konditioniert und in ein neu zu errichtendes Zwischenlager eingelagert werden.“ Wo dieses Lager errichtet werden könnte, bleibt unbeantwortet. Allerdings hat das Bundesumweltministerium auch erklärt, dass in Deutschland grundsätzlich nur zwei Endlager eingerichtet werden sollen. Eines für hochradioaktiven Müll, ein anderes für schwachradioaktiven. Das hieße, dass das frühere Eisenerzbergwerk Konrad baulich geteilt werden würde – in ein Lager für den Asse-Müll und in das andere, bereits bekannte Lager. Das ist heute allerdings noch Spekulation.

Woher kommt schwach- und mittelradioaktiver Müll?
Aus Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen, aber auch aus Atomkraftwerken. Rund 90 Prozent der deutschen Atomabfälle sind schwach- und mittelradioaktiv. Laut Bundesamt für Strahlenschutz machen diese Abfälle aber nur etwa 0,1 Prozent der gesamten Radioaktivität aus – im Gegensatz zu den hoch radioaktiven Abfällen, für die es noch kein Endlager gibt.

Wie reagieren Politiker auf den bekannt gewordenen „Entsorgungsplan“?
Der Umweltminister Schleswig-Holsteins, Robert Habeck, begrüßte die Vorlage. „Viel zu lange hat man die anfallende Menge des Atommülls schöngeredet“, meinte er. Sein niedersächsischer Kollege Stefan Wenzel meinte zwar, endlich lichteten sich die Nebel über dem „Atommülldesaster“. Wenzel vermisst aber eine „vollständige Abfallbilanz mit Angaben über Mengen und Kategorien“. Der Minister warnte vor „hemdsärmeligen Versuchen zur Erweiterung von Konrad“. Umweltaktivisten befürchten, dass das geplante neue Bundesamt für kerntechnische Entsorgung die Regie über Konrad übernimmt, wenn das Endlager seinen Betrieb aufgenommen hat. Das Land hätte dann nicht mehr viel zu melden.

Von Michael B. Berger

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