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13:09 12.07.2019
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigt sich am Dienstag vor der Villa Borsig in Berlin gut gelaunt, als sie auf die Gäste eines Verteidigungsministertreffens wartet. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Hannover

Für Ursula von der Leyen würde sich als neue EU-Kommissionspräsidentin ein Kreis schließen. Schließlich wurde die CDU-Politikerin in Brüssel geboren. Dass die derzeitige Bundesverteidigungsministerin gerne nach Europa wechseln würde, ist in Berlin und Hannover längst kein Geheimnis mehr. In der Ära nach Merkel wäre für die siebenfache Mutter wohl kein Platz im Bundeskabinett. Dass die 60-Jährige das Format für das höchste EU-Amt hat, dürfte unbestritten sein. Die zierliche Powerfrau mit dem charmanten Lächeln verfügt über lange politische Erfahrung, ist international gut vernetzt – und ungemein durchsetzungsfähig. Man könnte auch sagen: knallhart, wenn es darauf ankommt.

Ursula von der Leyens Karriere ist ungewöhnlich – und sie ist zutiefst niedersächsisch. Das fängt schon beim Elternhaus an. Ihr Vater war der langjährige Ministerpräsident Ernst Albrecht, der den Medien häufig Einblick ins Familienleben gewährte. Von der Leyen, genannt „Röschen“, lernte schon in der Kindheit, was öffentliche Auftritte bedeuten. Zudem wurde im Hause Albrecht in Burgdorf-Beinhorn viel über Politik geredet. Als von der Leyen später in der Ministerzeit ihre Kinder selbst öffentlich präsentierte, brachte ihr das Ärger ein.

Von der Ärztin zur Bundesministerin

Nach dem Abitur am Gymnasium Lehrte studierte von der Leyen Volkswirtschaft und dann Medizin in Hannover – und promovierte über Probleme bei der Geburtsvorbereitung. An eine politische Karriere dachte sie damals nicht. An der Medizinischen Hochschule lernte sie ihren Mann kennen, den Arzt Heiko von der Leyen. Nach der Geburt von Zwillingen brach sie ihre Facharztausbildung ab und lebte einige Jahre mit der Familie in Kalifornien, wo ihr Mann an einer Universität arbeitete.

Auch wenn von der Leyen seit 1990 CDU-Mitglied ist, begann ihre eigentliche politische Karriere erst Anfang der 2000er-Jahre: zunächst als CDU-Fraktionschefin im Rat der Stadt Sehnde, ab 2003 war sie dann Sozialministerin in Niedersachsen. Dass sie keine Angst vor unpopulären Entscheidungen hat, bewies von der Leyen mit der Abschaffung des Landesblindengeldes. Schon damals wurde jedoch ihr vielleicht größtes Manko deutlich: Sie ist keine Teamspielerin, trifft ihre Entscheidungen einsam oder im kleinen Beraterkreis. Was ihr nicht wenige in der CDU-Landtagsfraktion übelnahmen.

Kampf für Elterngeld und Krippenplätze

Im Jahr 2005 wurde von der Leyen bundesweit bekannt, als Familienministerin im Kabinett von Merkel. Einen Namen machte sie sich mit ihrem Einsatz für Frauen, die Beruf und Kinder besser miteinander vereinbaren können sollten – auch aus eigener Erfahrung. Sie führte das Elterngeld ein und stellte mit ihrer Forderung nach einem massiven Ausbau der Krippenplätze das Familienbild der CDU infrage. 2007 zog die Ministerin, ganz Familienmensch, mit Ehemann und den sieben Kindern von Sehnde-Ilten auf den Gutshof des Vaters in Burgdorf um. Ernst Albrecht litt unter Vergesslichkeit, fühlte sich einsam. Von der Leyens Mutter Heide-Adele war fünf Jahre zuvor gestorben.

Von der Leyen blieb auch nach den für die CDU erfolgreichen Bundestagswahlen 2009 und 2013 im Kabinett, wurde erst Arbeits-, dann Verteidigungsministerin. Für die höchsten Ämter in Deutschland hat es allerdings nicht gereicht, obwohl sie immer wieder gehandelt wurde. Für die Nachfolge von Merkel als Kanzlerin fehlt ihr die Unterstützung in den eigenen Reihen. Auch Staatsoberhaupt wäre sie wohl gerne geworden. Doch bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2010 gab die CDU von der Leyens niedersächsischem Landsmann Christian Wulff den Vorzug.

Affären belasten Ministerin zusehends

Als Verteidigungsministerin schien der politische Stern von der Leyens zuletzt zu sinken. Die Berateraffäre ist für sie zur Dauerbelastung geworden. Millionen für externe Berater brachten ihr den Ruf von Steuerverschwendung ein. Auch der Ärger um die Kostenexplosion bei der Sanierung des Schulschiffs „Gorch Fock“ reißt nicht ab. Im Zuge der Terrorermittlungen gegen einen Bundeswehrsoldaten 2017 sagte von der Leyen: „Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem, und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen.“ Eine Äußerung, die ihr massive Kritik einbrachte.

Vor der Europawahl Ende Mai war von der Leyen bereits als Nato-Generalsektretärin und EU-Kommissarin im Gespräch, zuletzt als EU-Außenbeauftragte. Ob sie nach Brüssel geht, ist wohl keine Frage mehr – nur über das Amt muss noch entschieden werden. Es ist wohl auch der richtige Zeitpunkt für einen Ortswechsel.

Von Marco Seng

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