Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Verzögerung bei Fertigstellung: Schacht Konrad wird noch teurer
Nachrichten Politik Niedersachsen Verzögerung bei Fertigstellung: Schacht Konrad wird noch teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:48 30.10.2010
Von Stefan Koch
Das geplante Atommüllendlager Schacht Konrad steht vor neuen Hürden.
Das geplante Atommüllendlager Schacht Konrad steht vor neuen Hürden. Quelle: dpa
Anzeige

Der Streit um Schacht Konrad geht in eine neue Runde: Die Ursachen für die weitere Verzögerung des Endlagerbaus für Atommüll sollen weniger in technischen Problemen liegen als vielmehr in Streitigkeiten zwischen dem Bauherren und der federführenden Baufirma. Zu diesem Ergebnis kommt ein internes Gutachten, das das Bundesfinanzministerium in Auftrag gegeben hat.

Ursprünglich sollte das dringend benötigte Lager für schwach- und mittelradioakiven Atommüll 2013 oder spätestens 2014 fertiggestellt werden. In diesem Sommer teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) allerdings mit, dass Schacht Konrad voraussichtlich erst 2019 betriebsbereit ist. In Fachkreisen hieß es am Freitag in Berlin, dass diese Verzögerung weitere Kosten von bis zu 500 Millionen Euro verursachen könnte, da der Atommüll weiterhin mit aufwendigen Methoden oberirdisch zwischengelagert werden müsste.

Die „Prozessanalyse“, die der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vorliegt, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Nach Einschätzung der Gutachter befinden sich das BfS, das bei Schacht Konrad sowohl als Bauherr als auch als Aufsichtsbehörde tätig ist, und die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) in einem schweren Konflikt. Von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit könne kaum noch die Rede sein.

So würde das Bundesamt die DBE zu wenig einbinden. Von Beginn an sei nebeneinanderher gearbeitet worden. „Unterschiedliche Sichtweisen der Projektbeteiligten schaden der Erreichung der gemeinsamen Ziele“, heißt es in dem Gutachten wörtlich. In den Schreiben an die DBE bediene sich die Bundesbehörde im Übrigen einer „unangemessenen Diktion“. Es sei offensichtlich, dass es ein „Spannungsfeld“ zwischen den Beteiligten gebe. Dass das Vorhaben nicht zügig vorankomme, liege weniger an der Umsetzung als an der „unzureichenden Projektplanung, die von beiden Beteiligten nicht früh genug korrigiert wurde“.

Florian Emrich, Sprecher des Bundesamtes, wies die Vorwürfe am Freitag zurück: „Fakt ist, dass in den Planungsjahren des Endlagers Konrad in den achtziger und neunziger Jahren völlig unrealistische Zeiträume und Kosten angenommen worden sind.“ Fakt sei auch, dass es bis Mitte 2007 politische Vorgabe der Bundesregierung war, die Planungsunterlagen des Endlagers während der gerichtlichen Auseinandersetzungen nicht anzufassen oder dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik anzupassen.

Die Streitigkeiten zwischen dem Bundesamt und der Baugesellschaft dürften allerdings nicht die alleinige Ursache der ständigen Verzögerungen sein. So ist aus niedersächsischen Fachkreisen zu hören, dass sich auch das Land und die Stadt Salzgitter nicht über die Frage einigen können, wer welche Baugenehmigung zu Schacht Konrad zu erteilen hat: „Stadt und Land schieben einander die Zuständigkeit zu wie eine heiße Kartoffel, mit der Folge, dass der Bauantrag nun schon seit Monaten überhaupt nicht bearbeitet wird.“