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Niedersachsen „Mein Abgang war nicht freiwillig“: Was ist eigentlich aus Philipp Rösler geworden?
Nachrichten Politik Niedersachsen „Mein Abgang war nicht freiwillig“: Was ist eigentlich aus Philipp Rösler geworden?
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00:19 27.05.2019
Philipp Rösler am Leineufer. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 In der Besuchergruppe des Landtages entsteht eine leichte Unruhe. Die älteren Damen und Herren merken auf. Einige wispern und zeigen auf den mittelalten Mann, der gerade ziemlich dynamisch die Treppe im neuen Landtag hochstrebt, um sich das umgebaute Parlament anzuschauen, seine alte Wirkungsstätte. Ist das nicht...? Ja, doch. Er ist es. Philipp Rösler, ehemals Landeswirtschaftsminister, Bundesgesundheitsminister, FDP-Bundesvorsitzender, Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler. Bis er 2013 Knall und Fall aus der deutschen Politik verschwand, weil die FDP die Wahl so hoch verlor, dass sie sogar aus dem Bundestag flog. Aus war es mit der politischen Karriere. Immerhin – in Hannover erkennt man ihn noch sechs Jahre später. Und das, keine Frage, freut ihn. Hierhin ist er kurz zurückkehrt, um als ehemaliger MHH-Student ein kurzes Grußwort bei der Einführung des neuen Präsidenten zu halten.

„Mein Abgang war ja nicht ganz freiwillig“

Bereits als aufstrebender Jungpolitiker hat Philipp Rösler beteuert, mit 45 Jahren Schluss zu machen mit der Politik. Weil der Politikerberuf einen Menschen stark verändere, und das keineswegs immer nur zum Vorteil. Doch die Frage des rechtzeitigen Ausstiegs konnte er nicht mehr selber beantworten. Die Wähler beendeten seine Karriere bereits, als er gerade einmal 40 war – und die Häme, die er damals erleben musste, war nicht unbeträchtlich. „Mein Abgang damals war nicht ganz freiwillig“, sagt er mit der ihm eigenen Ironie. Höhen und Tiefen, Aufstieg und Fall, so sei das nun mal in der deutschen Politik. Das müsse man wissen, dass es so laufen könne. Auch andere, etwa Martin Schulz, hätten solche Erfahrungen gemacht. Nichts Ungewöhnliches. Business eben. „Aber wenn es anders gelaufen wäre, dann wäre ich auch ausgestiegen“, sagt er. Doch, doch. Es ist auch so anders gekommen.

Nach dem politischen Absturz in Berlin heuerte ihn der Gründer des Weltwirtschaftsforum in Davos an, Klaus Schwab. Der Vizekanzler a. D. organisierte für Schwab Regionalkonferenzen des internationalen Clubs. Rösler zog nach Genf in die französisch-sprachige Schweiz, was für seine Frau Wiebke, eine Ärztin, die Arbeit nicht leichter machte, da sie nun verschärft französisch sprechen musste. Aber nach vier Jahren und 20 Regionalkonferenzen stellte sich bei Philipp Rösler eine gewisse Routine ein. Es wuchs der Drang, noch einmal etwas Neues zu machen.

Während die Familie in der Schweiz blieb, zog es Rösler beruflich nach New York, wo er Vorsitzender der gemeinnützigen Hainan Cihang Charity Foundation wurde, die in Manhattan sitzt. „So eine neue Charity-Stiftung aufzubauen, war eine echte Herausforderung, die mich damals reizte.“ Die Foundation ist die Stiftung eines chinesischen Mischkonzerns, der nicht nur Flughäfen, Frachtunternehmen sowie Hotels besitzt, sondern auch etliche Anteile der Deutschen Bank. Der Konzern steht indes auch im Ruf, intransparent zu sein und eine undurchsichtige Eignerstruktur zu haben. Ende des letzten Jahres berichteten Wirtschaftsdienste von internen Verwerfungen innerhalb des Konzerns, dessen Stiftung Rösler von New York und Zürich leitete. Anfang dieses Jahres stieg Philipp Rösler aus – und macht auch familiäre Gründe dafür geltend, etwa das ständige Hin und Her zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz, in der seine Familie weiter lebte.

Nun gibt er der Familie wieder etwas zurück

Die letzten Jahre seien eine tolle Zeit gewesen, in der er sehr viel gelernt habe, sagt Rösler, der jetzt mit seiner Frau Wiebke und den beiden zehn Jahre alten Zwillingstöchtern wieder in Zürich wohnt. Hier kann er, ganz ungewohnt, die (neue) Rolle des Hausmannes und Familienvaters ausleben. „Am ersten Geburtstag meiner Zwillingstöchter bin ich Bundesminister geworden – jetzt kann ich meiner Frau Wiebke und den Kindern auch etwas zurückgeben“, sagt er. Denn seine Frau, die in der Zwischenzeit eine bemerkenswerte medizinische Laufbahn absolviert hat, habe stets zurückstecken müssen. Finanziell hat er wegen der vielen Aufsichtsratsmandate, die er hat, keine Sorgen. Aber wie erklärt er seinen beiden Töchtern den Beruf, dem er nachgeht? „Papa passt auf Unternehmen auf, auf große Unternehmen“, sagt Rösler – und zählt einige von ihnen auf wie Siemens Healthineers, ein Medizintechnikkonzern, die Bertelsmann-Stiftung oder die Jacobs University. Trotz seines beruflichen Wechsels komme er kaum dazu, einem Hobby nachzugehen, das er nach seinem Ausstieg aus der Politik professionalisiert hat. Da hat Philipp Rösler nämlich in Bückeburg den Flugschein erworben und kann seitdem Hannover in seiner kleinen Sportmaschine auch persönlich ansteuern.

Neue Liebe zur früheren Heimat Vietnam entdeckt

Mit der Fliegerei ist der Liberale gewissermaßen zu seinen familiären Wurzeln zurückgekehrt. Denn Röslers deutscher Vater, der ihn im Alter von neun Monaten als vietnamesisches Waisenkind adoptierte, war Hubschrauberpilot und Fluglehrer bei der Bundeswehr. Und auch das Thema Vietnam beschäftigt ihn, der erst 2006 zum ersten Mal in dieses Land zurückkehrte, immer intensiver. Damals hat er Ho-Chi-Minh-Stadt besucht, das frühere Saigon. Den nächsten größeren Urlaub werde er dort verbringen, berichtet Rösler – und schwärmt von dem Unternehmensgeist der 90 Millionen Vietnamesen, dem Bildungshunger der ausgesprochen jungen Bevölkerung („90 Prozent der jungen Menschen haben einen akademischen Abschluss, das gibt’s noch nicht mal bei den Jusos“) und dem außerordentlich guten Essen. Die Vietnamesen betrachteten ihn, erzählt Rösler, als einen der ihren – trotz kontroverser Diskussionen etwa über den Liberalismus und die Rolle der kommunistischen Partei, die das Land seit langem regiert. Die KP habe das Land letztlich vom Kolonialismus gerettet, entgegneten seine Gesprächspartner, als er die Ehrendoktorwürde in Hanoi bekam.

Philipp Rösler wurde am 24. Februar 1973 in Südvietnam geboren. Im Alter von neun Monaten wurde er von deutschen Eltern adoptiert. Er wuchs in Hamburg, Bückeburg und Hannover auf. Als freigestellter Bundeswehrsoldat studierte er an der Medizinischen Hochschule Hannover, wurde in Hamburg zum Dr. med. promoviert. Die Facharztausbildung zum Augenarzt brach er ab, um sich auf die Politik stärker zu konzentrieren. Rösler war von 2000 bis 2004 Generalsekretär der FDP in Niedersachsen, seit 2003 Landtagsmitglied und Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, ab 2009 für kurze Zeit Landeswirtschaftsminister, dann Bundesgesundheitsminister, 2011 Bundeswirtschaftsminister und seit Mai 2011 auch Nachfolger Guido Westerwelles als FDP-Bundesvorsitzender. Danach wechselte Rösler in die private Wirtschaft und zog von Hannover in die Schweiz. Die Familie hat aber noch zahlreiche Freunde in Niedersachsen.

Von Michael B. Berger

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