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Niedersachsen Wer weiß etwas über Friedland?
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10:24 22.05.2012
Von Klaus Wallbaum
Foto: Die Landesregierung sucht Zeitzeugen für ein Museum über das frühere Grenzdruchgangslager Friedland.
Die Landesregierung sucht Zeitzeugen für ein Museum über das frühere Grenzdruchgangslager Friedland. Quelle: dpa
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Friedland

Gut zwei Jahre vergehen noch, bis das Museum im Grenzdurchgangslager Friedland (Kreis Göttingen) eröffnen soll. Doch die Vorbereitungen laufen schon, und die Landesregierung bemüht sich nun um Zeitzeugen. Wer besondere Erlebnisse mit Friedland verknüpft, soll sich bei Jürgen Fröhlich im Innenministerium (Telefon (0511) 120-4764, museum-friedland@mi.niedersachsen.de) melden.

Friedland, das ist ein historischer Ort mit vielen Facetten. Im Herbst 1945 errichtete die britische Besatzungsmacht mehrere Baracken auf dem Gelände der früheren landwirtschaftlichen Versuchsanstalt nahe Göttingen. Zunächst kamen Vertriebene aus den Ostgebieten hier an, bis zu 12.000 Menschen täglich, später die Kriegsgefangenen.

Als Kanzler Konrad Adenauer 1955 in Moskau die Rückführung der letzten noch in der Sowjetunion lebenden Gefangenen vereinbarte, war Friedland ein zentraler Ort für die Aufnahme der Männer in der Bundesrepublik. Wieder eine zentrale Bedeutung bekam Friedland dann einige Jahre später, als zum Ende der SED-Diktatur viele Übersiedler aus der DDR ihren Weg in den Westen suchten.

Friedland ist ein Aufnahmelager für Spätaussiedler, auch Asylbewerber sind jetzt dort untergebracht. Vor drei Jahren kam Friedland in die Schlagzeilen, weil Flüchtlinge aus dem Irak hierher kamen. In diesem Jahr sollen 300 Menschen aufgenommen werden, die aus dem UN-Flüchtlingslager Shousha an der tunesisch-libyschen Grenze nach Deutschland übersiedeln. Innenminister Uwe Schünemann will Friedland bundesweit als den Ort etablieren, an dem die von den UN zugeteilten Flüchtlinge in Deutschland ankommen - und auf ihr Leben in neuer Umgebung vorbereitet werden. Nach zwei Wochen werden sie dann in ihre neuen deutschen Heimatorte verteilt.

Das Geschichtsträchtige an Friedland, wo bisher mehr als vier Millionen Heimkehrer, Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler angekommen sind, soll von 2014 an im Museum vermittelt werden. Als erster Zeitzeuge hat sich der Ehrenvorsitzende der Landespressekonferenz gemeldet, Rolf Zick (91). Er berichtet, 1948 als gebrochener Mann aus der russischen Kriegsgefangenschaft nach Friedland gekommen zu sein - „nach Jahren der Schmach hinter Stacheldraht, begleitet von quälendem Hunger, eisiger Kälte und totaler Isolation“. In diesem Ort sei er herzlich aufgenommen und immer gut behandelt worden. Zick wurde später Reporter, berichtete oft aus Friedland und wurde somit zum wichtigsten Chronisten der Anfangsjahre dieses Lagers.

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