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Landtagswahlen Karsten Becker (SPD) zieht in den Landtag ein
Nachrichten Politik Themen Landtagswahlen Karsten Becker (SPD) zieht in den Landtag ein
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00:16 23.01.2013
Karsten Becker stößt mit seiner Familie auf den Wahlsieg an.
Karsten Becker stößt mit seiner Familie auf den Wahlsieg an. Quelle: rg
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Stadthagen (ssr)

Der 54-jährige Wendthäger erzielte 43,0 Prozent der Erststimmen, sein Mitbewerber Mike Schmidt (CDU) aus Auhagen kam auf lediglich 40,0 Prozent.

 Ein Aufsehen erregendes Resultat fuhr Maria Börger-Sukstorf (Grüne) ein. Die Stadthägerin erreichte mit 9,2 Prozent das bisher beste Erstimmenergebnis der Grünen in Schaumburg. Weit abgefallen die anderen Kandidaten: Renate Engelmann (Linke) kam auf 2,6, Ralf Kirstan (FDP) auf 2,2 und Bernd Riensch (Piraten) auf 1,7 Prozent.

 Bemerkenswert: Die SPD hat bei den Zweitstimmen den zentralen Schaumburger Wahlkreis „zurückgeholt“. Die SPD kommt auf 37,6 Prozent (+ 1,8). Die Union erreicht nurmehr 32,9 Prozent (- 7,0). Bei der vergangenen Landtagswahl hatte die CDU hier noch mit 4,2 Prozentpunkten Vorsprung vorne gelegen. Im Großen und Ganzen spiegeln die Schaumburger Ergebnisse den Landestrend wider. Größere Abweichungen bei den Gewinnen und Verlusten sind nicht zu verzeichnen.

 Entsprechend dem Landestrend erreichen die Grünen mit 12,9 Prozent (+ 5,8) ihr bisher bestes Ergebnis in Schaumburg. Ähnliches gilt für die FDP, die 9,6 Prozent (+ 2,2) hinlegte. Anders die Linken, die kräftig Federn lassen mussten, sie kommen auf 2,7 Prozent (- 2,6). Die Piraten erzielten bei ihrem ersten Auftritt bei einer Landtagswahl hier 1,7 Prozent.

„Große Belastung fällt jetzt gerade von mir ab“

„Ich freue mich“, tat Wahlsieger Karsten Becker im Moment seines Triumphes kund. Prompt folgte der Stoßseufzer: „Und eine große Belastung aus 14 Monaten Vorbereitung und Wahlkampf fällt jetzt gerade von mir ab.“
Zufrieden zeigte sich Becker darüber, „dass unser ganz auf Inhalte abgestellter Wahlkampf, und zwar mit besonderem Blick auf Schaumburger Interessen, vom Bürger so gut angenommen wurde“. Auf Konfrontation und personelle Attacken habe man verzichtet.
Der bislang beruflich im Innenministerium tätige Becker bekundete, „dass ich die SPD-Fraktion gerne im Bereich der Innenpolitik unterstützen würde“. Und das möglichst als Mitglied einer Regierungsfraktion, fügte er am späten Wahlabend bei noch offenem Rennen hinzu.
„Als junger CDU-Kandidat im strukturell SPD-dominierten Schaumburg“ auf 40 Prozent gekommen zu sein, darüber zeigte sich Mike Schmidt „durchaus zufrieden“. Für einen Direktwahlsieg benötige ein Unionskandidat in Schaumburg nunmal einen größeren CDU-Vorsprung auf Landesebene. Der 36-jährige Auhäger, der mit seiner hochschwangeren Ehefrau Verena ins Kreiswahlzentrum gekommen war, warf den Blick sogleich in die Zukunft: „Wenn die Partei mich dann lässt, freue ich mich schon jetzt auf einen neuen Wahlkampf in fünf Jahren.“ Er habe „unglaublich viel Zeit und Arbeit“ in den Wahlkampf gesteckt, „es hat aber auch immensen Spaß gemacht“, fügte Schmidt hinzu.
Deutliche Überraschung und Freude über ihre stolze 9,2 Prozent Erststimmen waren der Grünen-Kandidatin Maria Börger-Sukstorf (Stadthagen) anzusehen. „Dass ich hier schon lange Politik mache und die Bürger wissen, wofür ich wie stehe, hat wohl dazu beigetragen.“

Grüne und FDP jubeln über „Riesenerfolge“

Von einem insgesamt guten Ergebnis für die SPD in Schaumburg sprach deren Vorsitzender Karsten Becker. Er setze darauf, dass sein Direktwahlsieg in die Arbeit in einer Regierungsfraktion münden werde. „Bedauerlich“ sei die haarscharfe Niederlage von Ex- Innenminister Heiner Bartling im Süden Schaumburgs, betonte Becker. Mit Grant-Hendrik Tonne aus dem nördlichen Wahlkreis werde aber wie bisher ein zweiter SPD-Abgeordneter die hiesigen Interessen vertreten. „Wir haben im Wahlkampf erfolgreich aufgezeigt, wie wir Politik für Schaumburg machen wollen, nun wollen wir das umsetzen“, kündigte er an.
Zufrieden zeigte sich CDU-Kreischef Klaus-Dieter Drewes darüber, dass sich mit Karsten Heineking und Otto Deppmeyer weiterhin zwei CDU-Abgeordnete auch um Schaumburger Belange kümmern werden. „Schade“ sei es freilich, dass Mike Schmidt den zentralen Schaumburger Wahlkreis nicht habe gewinnen können. „Auch bei den Zweitstimmen hätte ich mir angesichts unserer ordentlichen Arbeit ein besseres Ergebnis gewünscht“, bedauerte Drewes. Offenbar seien auch im hiesigen Wahlkreis viele Stimmen an die FDP gegangen. Insgesamt bewertete Drewes das Abschneiden der Union in den drei hiesigen Wahlkreisen als „vernünftig“.
Über „unseren großartigen Riesenerfolg“ jubelte die Kreisvorsitzende der Grünen, Christina Steinmann. Dieser sei „aus eigener Kraft geschafft“, setzte ihr Stellvertreter Christoph Ochs mit Seitenblick auf die Liberalen hinzu. Offenbar hätten die Grünen „viele Nichtwähler mobilisiert“, so Ochs. Es sei ein „sehr themenzentrierter Wahlkampf“ geführt worden, der belohnt worden sei, fügte Steinmann hinzu. Gut für die hiesige Region im Landtag sei, dass mit der an der Kreisgrenze wohnenden Anja Piel (Fischbeck) die Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen sich auch für Schaumburger Interesssen ins Zeug legen werde.
„Mit diesem Ausmaß des Erfolges habe ich nicht gerechnet, ganz ehrlich nicht“, bekundete der Schaumburger FDP-Vorsitzende Paul Mense. „Gut dass wir sogar die Erfolge von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen noch getoppt haben“, fügte er glucksend hinzu. „Offensichtlich haben doch viele Wähler, auch in Schaumburg, gedacht: Die FDP gehört einfach in den Landtag.“
„Als Realistin hatte ich erwartet, dass wir Stimmen verlieren werden und nicht wieder in den Landtag einziehen“, sagte Renate Engelmann, Kreischefin der Linken. Womöglich haben viele unserer potenziellen Wähler gedacht, es sei wichtiger, dass Rot-Grün regiert als dass die Linken in den Landtag kommen.“ „Ich hatte etwas mehr erwartet“, räumte der Schaumburger Piraten-Vorsitzende Bernd Riensch ein: „Offenbar gibt es hier doch noch zu viele Berührungsängste, vielleicht kam diese Wahl für uns noch ein Jahr zu früh.“

Ergebnisse der Landtagswahl für die Wahlkreise 37, 38 und 39 sowie der Samtgemeindebürgermeisterwahl in Niedernwöhren am 20. Januar 2013 (738 kB)