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Landtagswahlen Kein Plan B für Aygül Özkan
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22:40 21.01.2013
Haltung in schwerer Zeit: Aygül Özkan auf der am Ende traurigen Wahlparty der CDU. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

Es hätte alles so schön sein können. Aygül Özkan bahnt sich ihren Weg durch das Gedränge auf der Wahlparty der CDU. Sie lächelt, scherzt auf Türkisch mit christdemokratischen Landsleuten, auf Deutsch mit den anderen, bleibt geduldig bei Fernsehleuten, Radioleuten, Zeitungsleuten stehen, um die immer gleichen Fragen zu beantworten. Sie wirkt wie die Verkörperung der „modernen Großstadt-CDU“, die Parteichef Dirk Toepffer und andere so sehr beschwören. Und aus der bis auf Weiteres nichts zu werden scheint.

Özkan aber macht gute Miene, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon weiß, dass der Abend zumindest mal mittelprächtig mies gelaufen ist. Sicher ist nämlich schon, dass sie um ihr Landtagsmandat bangen muss. Da ist es etwa 22 Uhr. Wie mies der Abend genau wird, wird sie etwa eine Stunde später wissen. Dass nämlich alles futsch ist: Regierungsmehrheit, Ministerposten, Landtagsmandat.

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Schon jetzt aber muss sie die Frage beantworten, was denn wird, sollte sie am Ende mit leeren Händen dastehen. „Es gibt keinen Plan B“, sagt sie, und einen Tag später scheint es, als stimme das. Am Montag gibt die Noch-Ministerin keine Statements zu ihrer politischen Zukunft ab. Schlicht, weil sie nicht wisse, wie die aussehen könnte, heißt es aus ihrem Umfeld. Weil es keinen Plan B gab.

Aygül Özkan schien auch keinen zu brauchen. Sie sollte doch so vieles verkörpern in der niedersächsischen CDU. Jugend, Emanzipation, Migrationshintergrund, Wirtschaftskompetenz. An diesem langsam dahinsiechenden Wahlabend verkörpert sie immerhin eines: Haltung. Denn während ein sichtlich aufgelöster David McAllister während des Wahlkrimis um seine Contenance ringt, geht Özkan mutig dahin, wo es wehtut: in die Menge der Parteifreunde und Reporter, von denen viele wissen wollen, wie sie denn so hoch verlieren konnte gegen einen, na ja, mäßig profilierten Gegner von der SPD, den Ex-Linken Michael Höntsch. Oder, ob sie nicht doch OB-Kandidatin werden will. Sie will nicht.

Und obwohl Özkan tapfer auf alle Fragen antwortet, ist doch das am interessantesten, was sie auslässt. Auf die Frage etwa, ob sie im Falle einer Niederlage in Hannover bleibe, sagt sie beinahe nichts. Andere hätten an ihrer Stelle vielleicht gesagt, sie hätten hier noch viel vor, oder die Frage stelle sich jetzt nicht oder so.  Aber das sagt sie eben nicht.

Felix Harbart und Conrad von Meding

Bernd Haase 21.01.2013
Klaus Wallbaum 21.01.2013